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Brandenburger liegen am längsten in Krankenhaus

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erstellt am 24.Jan.2012 | 09:06 Uhr

Potsdam | Der medizinische Fortschritt macht es möglich: Die Klinikaufenthalte in Brandenburg werden immer kürzer. Trotzdem liegen die Märker bundesweit am längsten im Krankenhaus. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden betrug die mittlere Verweildauer im Vorjahr in Deutschland 7,9 Tage, in Brandenburg waren es 8,3. Insgesamt 538 880 Patienten wurden stationär behandelt.

"Die durchschnittliche Liegezeit der Patienten in den Krankenhäusern geht seit Jahren zurück, in den vergangenen fünf Jahren um etwa sieben Prozent", berichtet Matthias Gabriel, Pressesprecher der AOK Nordost in Potsdam. Mit den 2004 eingeführten Fallpauschalen hat das wenig zu tun, schon vor der Gesundheitsreform verkürzten sich die stationären Aufenthalte in Deutschland von 14 im Jahr 1991 auf rund neun Tage im Jahr 2003. Ursache seien vielmehr die besseren OP-Methoden, wie minimalinvasive Eingriffe, die die Behandlungsdauer senkten. Augenkrankheiten werden innerhalb von dreieinhalb Tagen behandelt, Krankheiten des Verdauungssystems in 6,7 Tagen, des Kreislaufsystems in 8,4 Tagen, Psychisch Kranke bleiben mehr als 20 Tage auf der Station.

Im Gegensatz zum landesweiten Trend haben sich die Liegezeiten im Kreiskrankenhaus Prenzlau im Vergleich zum Vorjahr etwas verlängert: im Operativen Zentrum von 5,9 auf 7,1 Tage, in der Chirurgie von 7,1 auf 7,7 Tage und in der Inneren Medizin von 6,6 auf 7,1 Tage. "Das liegt eindeutig daran, dass wir heute mehr schwere Erkrankungen behandeln können, die längere Zeit für die Heilung brauchen. Diese Patienten hätten früher keine Chance gehabt, heute können wir sie am Leben erhalten", erklärt Andreas Gericke, Sprecher der Krankenhäuser der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG) in Eberswalde. Um mehr solcher schweren Fälle behandeln zu können, wurde die Bettenzahl in der Intensiv-Medizin in Eberswalde von 21 auf 30 aufgestockt.

Die Kliniken behandeln immer mehr psychisch Kranke. Wie aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Barmer GEK hervorgeht, hat ihre Zahl in den vergangenen 20 Jahren um fast 130 Prozent zugenommen. Ursache sind vor allem Depressionen. Mehr als zwei Drittel der Patienten werden spätestens nach zwei Jahren wieder eingewiesen. Somit haben psychische Störungen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Diagnosegruppe abgelöst. Vor allem Arbeitslosigkeit, berufliche Unsicherheit, Alkoholsucht und familiäre Belastungen drücken den Versicherten auf die Seele.

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