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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 07:54 Uhr

Peinliche Panne : Bombensuche vergessen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sanierter Sportplatz in Breese kann vorerst nicht eröffnet werden

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Kräftig grüner Rasen auf einer perfekt nivellierten Oberfläche: Der im vergangenen Jahr mit Mitteln aus dem Hochwasserfonds sanierte Sportplatz in Breese scheint nur darauf zu warten, dass der Ball endlich rollt. Bis es so weit ist, kann es allerdings noch eine Zeit dauern, denn es besteht der Verdacht, dass im Untergrund Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg lagern.

Bemerkt wurde dies bei den Bauplanungen zur Sanierung des zweiten, etwas tiefer liegenden Sportplatzes. „Da wir diesen Platz mit Material aus dem Baggersee höher legen und auf das gleiche Niveau bringen wollten wie den ersten Platz, war dafür ein Bauantrag nötig“, erklärt Breeses Bürgermeister Werner Steiner. In solch einem Verfahren sei eine Prüfung auf Kampfmittelrückstände obligatorisch. „Der Blick auf die Gefahrenkarten und die Luftbilder war für mich ein Schock, denn es gab keinen Zweifel daran, dass nicht nur der kleine Platz, sondern auch der bereits sanierte größere davon betroffen sein könnte. Unter diesen Umständen kann ich die Verantwortung für eine Eröffnung des Platzes nicht übernehmen.“

Beim großen Sportplatz war nur die oberste Bodenschicht repariert und neuer Rasen aufgebracht worden. Ein Bauantrag sei nicht notwendig gewesen – damit entfiel auch die Auflage zur Untersuchung auf Kampfmittel, erklärt Steiner. „Auch wenn hier seit dem Krieg 60 Jahre lang Fußball gespielt wurde, können wir das Risiko nicht eingehen.“

Auf dem kleinen Platz sind die Kampfmittelexperten bereits aktiv. „Wir bohren in einem Raster von 1,5 Metern rund 3800 fünf Meter tiefe Löcher“, sagte Gerd Fleischhauer, Truppführer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg. „Die Bohrungen werden dann verrohrt, um schließlich eine Ultraschallsonde einzuführen und den Untergrund zu analysieren.“ Allein auf dem kleinen Platz werden die Arbeiten voraussichtlich bis Anfang Mai dauern.

Auch im Bereich der Volleyballanlage am Baggersee suchen die Kampfmittelbeseitiger nach Altlasten. Bis zum Beginn der Badesaison soll der See ausgebaggert und der Platz höher gelegt sein, sagt Werner Steiner. Was den großen Platz angeht will der Bürgermeister die Investition noch nicht komplett verloren geben. „Die Untersuchung muss zeigen, ob im Untergrund wirklich etwas ist. Wenn nicht, haben wir Glück, andernfalls müssen wir den Platz eben nochmal öffnen. In 14 Tagen ist ein Termin mit dem Landkreis, dem Amt und der ILB als Fördermittelgeber anberaumt, um zu klären, wer für die gegebenenfalls entstehenden Kosten aufkommt.


Kommentar

Einfach mal Oma fragen

von Lars Reinhold

Man saniert einen Sportplatz für 200000 Euro und stellt hinterher fest, dass im Untergrund möglicherweise Blindgänger liegen. Hat die Aussicht auf Fördermittel die Entscheidungsträger in Breese vorschnell agieren lassen? Im Mai 2014 wurde die Bombe im Wittenberger Rehwischdeich gefunden – zwei Monate vor Baubeginn in Breese. Dass es Luftangriffe in der Region gab, wissen viele Alteingesessene. Für einen Anfangsverdacht hätte ein Kaffeeplausch mit Oma gereicht. Professionell hingegen wäre es gewesen, angesichts der Kampfmittelbelastung in der Nachbarschaft einen Blick in Risikokarten und Luftbilder zu werfen, und sich so die Überraschung zu ersparen.
 

 

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