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Wittenberger Stadtgeschichte : Bomben trafen Teile der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Augenzeuge Hans-Joachim Thalmann reagiert auf unseren Artikel. Die gesprengten Blindgänger stammten vom Angriff im März

von
erstellt am 18.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Augenzeugen sind meist die besten Quellen. Das trifft auch auf Hans-Joachim Thalmann zu. Mit Interesse las der Wittenberger am vergangenen Sonnabend unseren Beitrag „So lief der Angriff auf Wittenberge“. Der 86-Jährige kann sich an den Luftangriff erinnern, die Bilder haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt. „Das waren so rabiate und gruselige Momente, die werde ich nicht vergessen.“

Der Luftangriff vom 22. Februar im Zuge der Operation „Clarion“ habe sehr wohl die Stadt getroffen. Im Lindenweg gab es Einschläge, am Delphinbad und auch das Stellwerk nördlich des Bahnhofs habe Treffer abbekommen, zählt Thalmann auf. 28 Tote soll es gegeben haben, darunter auch einer von seinen Schulfreunden.

Nach dem Angriff sollte der damals 14-jährige Junge als Mitglied im Jungvolk in der Stadt helfen. „Wenn du Menschenteile auf der Schippe zusammenträgst, kannst du dieses Bild nicht vergessen“, sagt er. Konkret kann er sich an zwei Frauen erinnern, die bei dem Angriff starben. Im Stadtarchiv findet sich auch eine Todesanzeige. Auf der Beerdigung habe er als Mitglied im Chor der Jahnschule von Goethe „Über allen Gipfeln Ist Ruh“ gesungen.

Stadtarchiv und die akribisch zusammengetragenen Ergebnisse des Heimatforschers Heinz Muchow seien neben seinen persönlichen Erinnerungen die für ihn wertvollsten Quellen. Deshalb könne er mit Sicherheit sagen, dass die in diesem Jahr am 23. Februar gesprengten Blindgänger nicht vom Angriff am 22. Februar stammten. Das hatten wir mit dem Hinweis geschrieben, dass in diesem Fall die Bomben genau 72 Jahre und einen Tag im Erdreich zwischen Wittenberge und Breese gelegen hätten.

„Die Blindgänger stammten vom Angriff im März“, korrigiert Hans-Joachim Thalmann. Er könne sich genau erinnern, denn an jenem Tag feierte er Konfirmation, die durch den Luftangriff unterbrochen wurde. Den dritten und letzten Angriff habe es im April gegeben. Noch heute verfolgt Hans-Joachim Thalmann das Weltgeschehen und schüttelt dabei den Kopf. Das einzig vernünftige wäre, jeden Krieg auf der Erde zu beenden, meint er. „Aber die Menschheit lernt nicht.“

 

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