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Blutspende : Blutiger Anfänger im Selbstversuch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

„Prignitzer“-Volontärin Lisa Kleinpeter beschreibt, wie sie ihre erste Blutspende erlebte

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2015 | 11:30 Uhr

Langsam setze ich mich auf. An meinem Arm prangt ein dicker Verband. Aber es geht mit gut. Erstaunlich gut. „Darf ich aufstehen?“, frage ich die Schwester, die sich in den letzten Minuten rührend um mich gekümmert hat. Sie schüttelt den Kopf: „Nein, beim ersten Mal gibt es immer Zimmerservice“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln und reicht mir eine Cola.

Ich habe gerade einen halben Liter Blut verloren – und das freiwillig. Meine erste Blutspende. Dazu muss ich sagen, ich habe wahnsinnige Angst vor Spritzen, Nadeln, Kanülen und allem anderen, was sich buchstäblich unter meine Haut bohren kann und wenn ich Blut sehe, wird mir schlecht. Ja, wirklich: Selbst im Fernsehen. Trotzdem fasste ich den Vorsatz, noch im Jahr 2014 Blut spenden zu gehen. Das kann ja nicht so schwer sein, andere machen das doch auch. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Jährlich spenden mehrere Millionen Bundesbürger den kostbaren Lebenssafts, informiert das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf seiner Website. 75 Millionen Blutspenden werden weltweit pro Jahr benötigt. Beim nächsten Blutspendetermin gab es also kein Zurück mehr für mich. Gemeinsam mit einer Kollegin machte ich mich auf zum DRK-Seniorenclub Wittenberge. Ein kleiner Rückblick:

„Hallo, ich habe noch nie Blut gespendet und bin quasi blutige Anfängerin“, sprudelt es aus mir heraus, als ich am Empfang ankomme. Die Dame hinter dem Tisch lächelt: „Das ist alles halb so schlimm. Haben sie genug getrunken?“, fragt sie, während sie meine Personalien in einen Computer eingibt. „Ich hoffe es“, antworte ich und denke: Soweit ein halber Liter Eistee ausreichend ist.

„Ansonsten stehen draußen noch Getränke. Da können sie sich bedienen“, sagt die Schwester, die anscheinend meine Gedanken gelesen hat und schickt mich mit einem Fragebogen ins Wartezimmer.

Mit einem Becher Saft in der Hand kämpfe ich mich durch die unzähligen Fragen auf dem Blatt Papier: „Fühlen sie sich gesund“ - Ja. Bis auf das mulmige Gefühl, die weichen Knie, den schnellen Puls – aber das liegt wohl an der Tatsache, dass mir gleich ein halber Liter Blut abgezapft werden soll.

Im Internet steht, dass es 20 Minuten dauert, bis sich der Kreislauf nach einer Blutspende wieder stabilisiert. Innerhalb von 24 Stunden gleicht sich der Flüssigkeitsverlust aus. Das verlorene Plasma wird in einem Zeitraum von zwei Tagen ersetzt. Die Blutzellen innerhalb von zwei Wochen. Bis sich der Eisenverlust reguliert hat, dauert sogar noch länger. Bis zu acht Wochen.

Mir wird ganz flau im Magen. Doch viel Zeit zum Nachdenke bleibt nicht. Als nächstes misst eine Schwester am Ohr meine Körpertemperatur. „So, und jetzt gibt es noch ein kleinen Piks“, sagt sie und sticht mir mit einer Nadel in den Finger, um einen Blutstropfen zu entnehmen.

„Autsch.“ Mit dem Tropfen wird über ein Gerät der Hämoglobin-Wert bestimmt, erklärt die Schwester, während sie ein Pflaster auf den winzigen Einstich klebt. Der Wert sagt aus, wie viel Sauerstoff über das Blut transportiert werden kann. Männer müssen einen Mindestwert von 13,5 Gramm je Deziliter (g/dl) und Frauen von 12,5 g/dl aufweisen. Ist er zu niedrig, dürfte man nicht spenden. Ich habe einen Wert von 13,1 g/dl. „Jetzt müssen Sie nur noch zum Arzt“, meint die Schwester.

Mein Herz rast. Der Arzt, ein freundlicher älterer Herr, will meinen Blutdruck messen. „Mein Puls ist vor Aufregung bestimmt viel zu schnell“, warne ich ihn, während er die Manschette an meinem Arm befestigt. Doch zu meinem Erstaunen ist mein Puls ganz normal. „Das ist typisch für mich, die einzige, die ich noch in Wallung bringen kann, ist meine Frau“. Ich muss lachen. „Es ist alles in Ordnung. Und wenn die da draußen Sie schlecht behandeln sollten, dann rufen Sie mich. Dann komme ich und mach’ alles noch schlimmer“, sagt der Arzt mit einem Grinsen und schüttelt meine Hand.

Es ist so weit. „Machen Sie es sich gemütlich“, fordert mich eine weitere Schwester auf und deutet auf eine der freien Liegen – zu spät. Ein Zurück gibt es nun nicht mehr. Meine Kollegin winkt mir vom Wartebereich aufmunternd zu. Ich lege mich hin. Alles wird gut. Es ist nur ein kleiner Piks, rede ich mir ein. Doch als die Schwester mit einer Kanüle kommt, muss ich weggucken. „Na, so schlimm sehe ich nun auch nicht aus“, meint sie, während sie meinen Arm desinfiziert. Und schon wieder muss ich lachen und dann – pieks – da ist es schon passiert. Die Kanüle hängt in meinem Arm.

Ich merke, wie mir ein kleiner Gummiball in die Hand gelegt wird. „Alles in Ordnung?“, fragt mich die Schwester. Ich nicke. Und wirklich, es ist gar nicht so schlimm. Langsam mache ich die Augen auf. Schmerzen habe ich keine und auch sonst fühle ich mich völlig normal.

Dafür, dass ich mit meinem Blut vielleicht Leben rette, ist dieser Piks wirklich ein kleines Opfer, denke ich. Mit nur einer Spende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Plötzlich steht die Schwester wieder neben mir. Routiniert zieht sie die Nadel aus meinem Arm: „So, dass war’s schon. Sie sind fertig. Nun gibt es noch leckeres Essen“, sagt sie.

Langsam setze mich auf. An meinem Arm prangt ein dicker Verband. Aber es geht mit gut. Erstaunlich gut. „Darf ich aufstehen“, frage ich?




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