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Wittenberge : Blitz löst Großbrand im Dämmstoffe-Werk aus

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Ein Blitzeinschlag auf dem Lagerplatz des Dämmstoffproduzenten entfacht ein Großfeuer. 40 Einsatzfahrzeuge aus zwei Bundesländern verhindern große Katastrophe.

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2016 | 10:11 Uhr

Mittwoch gegen 9.30  Uhr: Regen plattert, Donner grummelt, über den Himmel zucken Blitze. Einer schlägt im Gewerbegebiet an der B 189  ein, wo die Firma Austrotherm ihr riesiges Außenlager mit Dämmstoffplatten aus Styropor unterhält. „Es hat gequalmt, und dann brannte es  schon“, sagt ein Mitarbeiter. „Die Leute hinten von der Logistik haben es zuerst gesehen, uns Bescheid gesagt.“ „Es ging alles so schnell. Es gab einen Knall. Innerhalb einer Minute hat es  gebrannt“, fügt sein Kollege an.  Wie auch andere Firmenmitarbeiter verfolgen sie voller Anspannung, wie sich die Flammen von einem Plattenstapel zum anderen vorfressen, obwohl Feuerwehrleute längst den Kampf gegen die Flammen aufgenommen haben. Auf einer riesigen Fläche  von rund 22 500 Quadratmetern lagern die Styroporplatten hier zum Ausgasen, sind an die fünf Meter hoch gestapelt.

Das Austrotherm-Werk wurde im Juni 2014 in Wittenberge eröffnet. Die Investition betrug    ca.  40 Millionen Euro.  Rund 50 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Austrotherm ist ein in elf Ländern Europas vertretenes Dämmstoff-Unternehmen in Familienbesitz. Die 880 Mitarbeiter zählende Gruppe ist Teil der Schmid-Industrie-Holding.

Eine riesige, fast schwarze  Qualmwolke steigt in den Himmel. In Wittenberge geht das Gerücht, ein Blitzschlag hätte das Allende-Viertel getroffen. Nein, es ist das Feuer, das sich Meter für Meter durch das Freiluftlager frisst und dabei die immense Rauchwolke noch immer anschwellen lässt. An die 20 Kilometer weit ist sie zu sehen, heißt es. Feuerwehrmänner rollen Schläuche aus, bauen Wasserverbindungen auf, nutzen jeden in der Nähe befindlichen Hydranten. „Wir ziehen mit allen Rohren, kommen langsam an die Kapazitätsgrenze“, ruft einer im Vorbeilaufen.

Mit Sorge und Angst im Gesicht verfolgt eine junge Frau den Kampf gegen die Flammen. Ihr schießen die Tränen in die Augen. „Ich hoffe, dass die Halle stehen bleibt und ich meinen Arbeitsplatz nicht verliere“, sagt ein Austrotherm-Mitarbeiter. Die Flammen und die riesigen Qualmwolken  haben die Produktionshalle und das  Gebäude dahinter fast erreicht. Die Feuerwehrleute halten gegen – vom Boden aus und aus der Luft. Die Wittenberger Drehleiter hat Verstärkung erhalten. Die Perleberger „schießen“ aus ihrem Großtanklöschfahrzeug  Wasser aus dem Strahlrohr. Auch ihre Drehleiter ist im Einsatz. Es  ist 10.20 Uhr, als die Drehleiter der Verbandsgemeinde Seehausen eintrifft. Einige Minuten später sind auch die Pritz-walker mit ihrem Skylift da. Noch mehr Wasser und Schaum gegen die Flammen.

Alle Hydranten sind in Betrieb. Breeser Kameraden setzen ihre Pumpe an den Graben vor Austrotherm. „Auch das ist Löschwasser. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen“, sagen sie.

Die Wittenberger Kameraden  haben ihre Schlauchverbindung Richtung Kypgraben aufgebaut. Das Wasser kommt. „Warum fährt denn keiner die Plattenstapel weg, die da so dicht an der Halle lagern“, wundert sich ein Mann, der vom Straßenrand aus das Geschehen beobachtet. Ein anderer hat gehört, das würde viel zu lange dauern. „Vier Stunden mit dem Gabelstapler.“  Der Radlader aus einer benachbarten Firma rollt heran. Er schiebt  dicht am Gebäude stehenden Plattenstapel weg. Die Wassermassen, die die Kameraden ohne Pause in die Flammen schicken,  zeigen erste Wirkung.

Die Flammenwand schiebt sich nicht mehr weiter an die Halle heran. Die Qualmwolken werden kleiner. Die Feuerwehrmänner müssen aber noch weiter kämpfen. Um 12.02 kann Wittenberges Wehrführer und gleichzeitig Einsatzleiter Lars Wirwich melden: „Feuer aus“.

 

Giftig oder nicht? Das fragten sich gestern Wittenberger beim Anblick des schwarzen Rauches. Dieses Foto machte unser Leser Georg Dlugosch.
Giftig oder nicht? Das fragten sich gestern Wittenberger beim Anblick des schwarzen Rauches. Dieses Foto machte unser Leser Georg Dlugosch.
 

Entwarnung: Keine giftigen Stoffe in der Luft

Ob im Rauch Giftstoffe enthalten seien, können nur   Luftmessungen ergeben, sagt Hagen Bodinka. Der Feuerwehrexperte ist Dezernatsleiter für Ausbildung an der Landesfeuerwehrschule Brandenburg. Diese Messungen führte   gestern das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz durch. Laut  Polizei wurden keine toxischen Stoffe nachgewiesen.

Die verbrannten Dämmstoffplatten bestanden hauptsächlich aus  extrudiertem Polystyrol. Austrotherm verwendet dafür die Abkürzung    XPS. Die Platten enthalten unter anderem viel Kohlenstoff. „Das erklärt den schwarzen Rauch“, so Hagen Bodinka.

 Wenn sie verbrennen, entsteht extreme Hitze. „Deshalb ist beim Löschen sehr viel Wasser nötig.“ Im Falle eines Gebäudebrandes hätten Einsatzkräfte nur in Ausnahmefällen einen Innenangriff gestartet, beispielsweise wenn Personen vermisst werden. „Ansonsten versucht man das Ausbreiten des Feuers zu verhindern, kühlt mit Wasser bedrohte Bereiche“, erklärt Bodinka.

Ob neben Wasser spezielle Löschmittel erforderlich sind, hänge stets von den jeweiligen Produkten und den für die Produktion notwendigen Stoffen ab. „Die Brandschutzdienststelle des Kreises ist dafür zuständig, muss entscheiden, welche Löschmittel gegebenenfalls vorgehalten werden müssen“, sagt Hagen Bodinka.

Großeinsätze in diesem Jahr

  • 17. 2.: Stroh und Technik vernichtet ein Feuer in der PBK Rinderzuchtanlage in Schönhagen. 300 000 Euro Schaden.
  • 2. 2.: Radleroase in Klein Langerwisch brennt nieder. 150 000 Euro Sachschaden
  • 14. 1.: In Karstädt brennt ein Neubau. 18 Leichtverletzte
  • 6.1.: In Neudorf brennt ein Stall ab. 1500 Schweine sterben.
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