Blicken Experten bald auf Lenzen?

<strong>Die neuartige Biogasanlage</strong>, die in  Lenzen gebaut werden soll, kommt  mit weniger Mais aus.<foto>archiv</foto>
Die neuartige Biogasanlage, die in Lenzen gebaut werden soll, kommt mit weniger Mais aus.archiv

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26. Juli 2012, 05:45 Uhr

Lenzen | Im Lenzener Gewerbegebiet "Lange Felder" will die nordrhein-westfälische Prometheus AgrarEnergie Projekt-GmbH voraussichtlich im September/Oktober dieses Jahres mit dem Bau einer weltweit einzigartigen Biogasanlage beginnen. Läuft die Anlage, sollen einmal 700 Kubikmeter Biomethan pro Stunde in das örtliche Gasnetz eingespeist werden.

Auf der Stadtverordnetenversammlung Mittwochabend stellte der Geschäftsführer Ruben Weyers das neuartige Projekt im öffentlichen Teil der Sitzung vor. Die Abgeordneten reagierten positiv auf das Vorhaben.

Das Paket mit Genehmigungen und bereits geschlossenen Verträgen hat der neue Betreiber vom früheren Investor erworben, der eigentlich für das bereits 2010 von den Lenzener Stadtverordneten abgesegnete Bauvorhaben bereitstand. Zusätzlich hat das in Hürth ansässige Unternehmen noch zwei kleinere Waldflächen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gewerbegebiet gekauft. Diese will man nach angestrebter Umwidmung in Gewerbeflächen bis 2013 entweder für die Erweiterung der Biogasanlage und alternativ zur Forschung oder Reststoffverwertung im Kreislaufsystem (Algen- und Fischzucht, Kraftfutterproduktion) nutzen.

"Der Standort Lenzen gibt alles her, was dieses Pilotprojekt braucht", ist sich Ruben Weyers sicher. Der Geschäftsführer der Prometheus AgrarEnergie Projekt-GmbH spricht von einer Biogas-Technologie, die der Monokultur Mais entgegenwirkt. Bewährt sich die neue Technik, will man sie optimieren und später in Serie bauen. Skeptischen Anwohnern nimmt Weyers außerdem den Wind aus den Segeln und verspricht keine Geruchs - und Geräuschbelästigung. "Wir haben eine Anlage entwickelt, die mit weitaus weniger Mais auskommt, als herkömmliche Biogasanlagen, und mit Gras, Stroh und allen landwirtschaftlichen Reststoffen bestückt werden kann." Eine Tonne Stroh bringe so viel Leistung wie 1,5 Tonnen Mais. Noch gebe es keinen Experten, der Schwächen an der neuartigen Bewirtschaftung gefunden habe. Das Risiko, dass die Anlage vielleicht nach einigen Monaten wieder eingestampft werden müsse, sieht er deshalb nicht.

Im Vergleich zu den herkömmlichen Methoden der Biogasherstellung, soll die Lenzener Pilotanlage in der Lage sein, 60 Prozent des Gaspotenzials aus den landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gras, Stroh oder Gülle herauszuholen. Ganz verzichten kann das Unternehmen aber nicht auf den ertragsreichsten Rohstoff Mais. 40 bis 50 Prozent - und damit weitaus weniger als bei üblichen Biogasanlagen - werden Mais sein. "Sicherlich wird es sich nicht vermeiden lassen, dass die Lkw mit dem Mais durch den Ort rollen, aber es werden nicht so viele sein, weil wir weniger Mais benötigen", beschwichtigt Weyers skeptische Anwohner, die dieses Argument in der Vergangenheit äußerten. Wie viele Lkw allerdings durch den Ort rollen werden, machte er von den Saisonzeiten abhängig. Für die Errichtung der Pilotanlage hat das Unternehmen vier Bauphasen geplant. Im September/Oktober soll eine herkömmliche und bereits genehmigte Mischanlage mit Fermenter, Endlager, Gasaufbereiter und Heizwerk entstehen. Parallel dazu will die Betreiberfirma ein Substratlager aus einem Rohrsystem mit einer Kapazität von rund 16 000 Tonnen installieren. Im März/April 2013 soll das Substratlager dann weiter ausgebaut werden.

Das über Annahmeschächte eingeleitete Substrat soll in vier Vergärungsschritten ein ausgeklügeltes Rohrsystem durchlaufen. "Wir versprechen uns von der neuen Technik eine größere Effizienz als bei herkömmlichen Anlagen", preist Weyer sein Produkt an, gibt aber zu, dass der praktische Nachweis noch fehlt.

Zur Investitionssumme hält sich der Geschäftsführer bedeckt. Sicher ist nur, dass sie deutlich mehr als 12 Millionen Euro kosten wird. Diese Summe hatte der ursprüngliche Investor veranschlagt. Doch die Prometheus AgrarEnergie Projekt-GmbH will sich nicht nur mit diesem Pilotprojekt auf dem Markt etablieren. Geht es nach dem Geschäftsführer, könnte in maximal fünf Jahren auch ein Forschungszentrum entstehen, indem Hochschulen und andere Institutionen an der Entwicklung der neuen Technologie forschen. "Angedacht ist eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Auenökologie in Lenzen." Ruben Weyers denkt an die Verarbeitung des Grünschnitts auf Auenland. Birgit Felinks, Geschäftsführerin des Auenökologiezentrums des BUND auf der Burg Lenzen, kenne die Pläne zwar noch nicht, man sei aber offen für Gespräche.

Das zielstrebige Projekt der Prometheus AgrarEnergie Projekt-GmbH klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Es würde bedeuten, dass in Lenzen ein Unternehmen baut und sogar ansässig wird, das mit seinem Vorhaben für bundesweite Aufmerksamkeit sorgen und zudem Wissenschaftler anlocken könnte. Laut Weyers sind die Weichen dafür gestellt.

Zur Erinnerung: Die Gewerbefläche hatte sich ursprünglich die Nordstrom Bioenergie GmbH gesichert. Sie wollte eigentlich schon im Juni 2011 mit dem Bau beginnen. Doch die Genehmigungsverfahren verzögerten sich. Zuvor hatte der SPD-Ortsverband Lenzen eine Eingabe an den Petitionsausschuss zur Überprüfung des Vorhabens gemacht. Doch dieser wies die Eingabe zurück. Die Prometheus AgrarEnergie Projekt GmbH hat sich im August 2011 gegründet. Die Lenzener Anlage wird ihr erstes Bauprojekt sein. Eine Homepage soll folgen.

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