Kein Geld für Putlitzer Reithalle : Bitterer Abend für den Reitverein

anne voss vom gastgebenden rfv foto acp04222

Geld ist knapp: Putlitzer Stadtverordnete finanzieren Mehrzweckhalle, aber die lang erhoffte Reithalle muss warten.

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21. März 2018, 20:45 Uhr

Seit zehn Jahren kämpft der Putlitzer Reit- und Fahrverein um eine Reithalle. Seit Dienstagabend ist klar, dass die rund 100 Mitglieder noch weiter auf eine Möglichkeit warten müssen, ihren Sport auch bei schlechtem Wetter auszuüben.

Denn die Putlitzer Stadtverordnetenversammlung hat im Haushalt für 2018 entschieden, über drei Jahre zunächst das Mehrzweckgebäude für den Sportplatz und das Freibad zu errichten. Für das rund 900 000 Euro teure Projekt werden Fördermittel beantragt. Dem Beschluss war eine emotionale Debatte vorausgegangen, beide Projekte hatten schon eine lange Vorgeschichte, aber stets fehlte das Geld. Ein Versuch, das Mehrzweckgebäude im Haushalt 2017 per Kreditfinanzierung zu verankern, war am Einspruch der Kommunalaufsicht gescheitert.

In der Einwohnerfragestunde warb der Vorsitzende des Putlitzer SV 1921, Bernd Knacke, für das Multifunktionsgebäude. Dabei gehe es nicht nur um die Fußballer, sondern um die Attraktivität der Stadt. Karstädt und Meyenburg hätten bereits investiert. Putlitz müsse nachziehen, um mitzuhalten.

Bernd Blumenthal vom Reit- und Fahrverein Putlitz verwies darauf, dass das Projekt Reithalle seit 2008 verfolgt werde. 2010 sei die erste Ablehnung wegen fehlender Fördermittel erfolgt. 2015 gab es einen positiven Bescheid der LAG Storchenland für Mittel aus dem Leader-Programm. Aber die Bauvoranfrage scheiterte, die Errichtung auf Agrarflächen wurde abgelehnt. 2016 und 2018 befürwortete die LAG das Projekt erneut.

Ein Problem sei, dass die gepachtete Fläche für die Reithalle der Kirche gehöre. Ein 25-jähriger Vertrag genüge nicht, gewünscht sei von der Fördermittelstelle eine Erbpacht. Das sei lösbar aber zeitaufwendig, so Blumenthal. Er schlug vor, dass die Stadt zehn Jahre lang für ein Darlehen je 5000 Euro zusage, um den Eigenanteil abzudecken oder selbst einen Kredit aufnehme.

Der Vereinsvorsitzende verwies auf die 100 Mitglieder, darunter 70 Kinder sowie die eigenen Veranstaltungen, die zur Attraktivität der Stadt beitrügen. Das Wirken der Vereine helfe Putlitz, Einwohner zu halten und neue anzuziehen, sagte Blumenthal. Wenn die Stadt die finanzielle Unterstützung nicht ermöglichen könne, müsse der Verein das Projekt verschieben, ein Privatkredit sei keine Option, auch künftig nicht.

Doch Kämmerer André Hirsekorn gab einem Kredit der Stadt für die Eigenmittel des Vereins keine Genehmigungschance. Bürgermeister Bernd Dannemann lobte die Kinder- und Jugendarbeit des Vereins und die Veranstaltungen des Vereins, die viele Besucher und Pferdesportler anziehen würden. Doch eine Finanzierungszusage schloss er aus kommunalrechtlichen Gründen aus. Knackpunkt sei, dass das Mehrzweckgebäude auf kommunalem Boden stehen werde , die Reithalle auf privatem Grund entstünde.

Mit dem Haushalt wurde dann die Mehrzweckhalle beschlossen, die bis 2020 gebaut wird. Umkleide-, Sanitär- und Funktionsräume sowie eine kleine Gastronomie entstehen, die auch das benachbarte Freibad versorgt. Vielen Abgeordneten fiel die Entscheidung zu Ungunsten der Reiter schwer, wie viele Fragen und die Würdigung des Vereins durch den Bürgermeister zeigten. Doch eine Lösung aus der verfahrenen Situation fand niemand.

Trotz des Beschlusses der Stadtverordneten gibt der Reit- und Fahrverein sein Projekt nicht auf. Beim Osterfeuer am 31. März wird begonnen, Bürger für das Projekt zu gewinnen, Spenden zu sammeln und vielleicht auch Firmen als Partner zu gewinnen. Damit soll die Reithalle, die auch für Veranstaltungen anderer Vereine und der Kommune genutzt werden könnte, künftig doch noch Realität werden.

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