Hofnarr auf der Plattenburg : Bisschen frech, bisschen frivol

Peter Nottelmann

Peter Nottelmann

Jürgen Schmidt mimt seit 25 Jahren den Hofnarren auf der Plattenburg. Die Rolle ist ihm auf den Leib geschrieben

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19. Januar 2018, 21:00 Uhr

Im Mittelalter waren die Sitten rau, die Sprüche derb. In der Taverne der Plattenburg hat sich diese Sitte bis in die Gegenwart erhalten. Wenn im Kellergewölbe zur Tafelrunde geladen wird, geht es rustikal zu. Eine zentrale Rolle spielt Jürgen Schmidt. Seit 25 Jahren mimt er den Hofnarren. Redakteur Hanno Taufenbach traf ihn auf seiner Reise in die Vergangenheit.

Mal Väterchen Frost, mal Paul Lincke. Sie spielen sechs verschiedene Figuren. Kommt da ein Hofnarr auch mal durcheinander?
Jürgen Schmidt: Bisher glücklicherweise nicht. Aber noch mehr Rollen sollten es auch nicht werden.

Hofnarr auf der Plattenburg. Warum nicht König oder zumindest Fürst?
Die Rolle des Hofnarren ist mir auf den Leib geschrieben. Ich liebe Satire, mag es, Leute zu unterhalten. Eine perfekte Kombination für einen Narren.

Sie sind also auch mal gerne frech?
Aber natürlich. Ich bin frech, ich scheiße die Gäste der Tafelrunde zusammen, nehme sie so richtig auf die Schippe.

Und das kommt wirklich gut an?
Ja, zumindest fast immer. Mein loses Mundwerk ist bekannt, so will man mich erleben. Ein Narr durfte sich bei Hofe schon immer gewisse Dinge erlauben, die anderen verwehrt waren.

Wie reagieren die Damen?
Manche sind anfangs irritiert. Ich mache sie derb an, dass sie es wagen, Hosen zu tragen und überhaupt an so einer Tafelrunde teilzunehmen. Sie sehen manchmal nicht meine Rolle, in die ich schlüpfe, aber spüren im Laufe des Abends dann doch, wie ich es meine. Dann versöhnen wir uns miteinander.

Gibt es auch reine Frauengruppen?
Gibt es und kreischende Weiber habe ich am liebsten.

Wie reagieren Prominente oder gibt es für die eine zensierte Fassung?
Ob Bundeskanzler oder die gesamte brandenburgische Landesregierung – sie alle waren bei mir. Zuvor kommen meist Mitarbeiter, die mich briefen, mir erklären, was ich sagen darf, was nicht. Aber ich halte mich an keine Vorgaben, behandele Prominente genauso „schnoddrig wie das gewöhnliche Volk.

Sie sind auf der Tafelrunde der alleinige Unterhalter?
Keinesfalls, wir arbeiten als Team und sind auch nur als solches erfolgreich. Immer dabei sind mittelalterliche Spielleute, oft so bekannte wie Cultus Ferox oder Wohlgemut. Es gibt Feuershows und eine Führung durch die Burg. Das Programm geht über vier Stunden.

Derbe Sprüche, rustikales Essen, Alkohol. Wie ist die Stimmung im Burgkeller?
Ausgelassen. Gar nicht selten wird auf Bänken und Tischen getanzt. Videos kann man im Internet finden.

Und am Ende fliegen die Knochen im hohen Bogen auf die Erde.
Das erzählen jene, die noch nie dabei waren. Es stimmt nicht.

Wer ist Begründer der Tafelrunde?
Renate Hampicke, die einst in Laaslich die Gaststätte betrieb. Gemeinsam mit dem Weinhändler Ralf Eckold hat sie das Ritteressen begründet. Ich bin über Eberhard Schomaker dazu gestoßen, mit dem ich seit 1982 gemeinsam musikalisch-literarische Programme mache. Mein erster Auftritt als Hofnarr war am 12. Juni 1992.

Was hat sich verändert?
Vor allem die Burg selbst. Anfangs gab es im Keller keine Heizung, im Winter hatten wir Eis an den Wänden, davor saßen die Gäste. Der Boden war uneben, Kopfsteinpflaster – eine Herausforderung für die Bedienung. Gekocht wurde noch auf der Oberburg, das Essen herübergetragen. Manchmal fiel eine Entenkeule in den Schnee. Wir haben sie auf die Platte zurückgelegt. Kuriose Dinge sind passiert.

Heute ist der Burgkeller modernisiert, große Teile der Burg restauriert, es gibt Gästezimmer.

Hat der Hofnarr einen Lieblingsplatz?
Das ist tatsächlich die Taverne mit ihrem Kreuzgewölbe aus dem 14. Jahrhundert. Dann noch der Rittersaal, den ich liebe. Der Kamin aus Meißener Porzellan und Keramik ist ein Unikat, erzählt in Bildern eine Liebesgeschichte.

Seit 25 Jahren spielen Sie den Hofnarren. Lässt das Interesse an den Tafelrunden nach einem Vierteljahrhundert nach?
Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben über 100 Reisebusse im Jahr, Hochzeiten, Betriebsfeiern und reguläre Tafelrunden. Gäste kommen von weit her. Manchmal sitzen bis zu 90 Personen an der Tafel. Sogar für den 29. Dezember haben wir kurzfristig noch eine Hochzeit bekommen.

Sie sind 65 Jahre alt. Wann geht der Hofnarr in den Ruhestand?
Ich bin frech, laut, provokant und frivol. So lange mir das Spaß macht und ich gesund bleibe, werde ich den Hofnarren spielen.

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