Wittenberge: Denkmal erhält eine Zukunft : Bis aufs Fachwerk „entkleidet“

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Ältester Speicher Brandenburgs steht auf Garsedower Deichhof. Gabriele und Horst Schönfeld haben Sanierung begonnen

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05. Februar 2018, 05:00 Uhr

Der älteste bekannte Speicher des Landes Brandenburg zeigt sich dieser Tage von seiner durchsichtigen Seite. Von dem an 500 Jahre alten Wirtschaftsgebäude steht zur Zeit nur noch die Fachwerkkonstruktion. Das nicht originale Ziegelmauerwerk ist aus den Zwischenräumen entfernt. Ausgenommen sind fünf Felder. „Dort ist die historische Lehmausfachung erhalten geblieben, und zwar in solch einem Zustand, dass die Fachleute sie sanieren können“, sagt Horst Schönfeld. Vor gut drei Jahren haben seine Frau Gabriele und der Bauingenieur in Garsedow bei Wittenberge den denkmalgeschützten Deichhof übernommen, um hier eine Pension zu eröffnen.

Die Überraschung gab es, als Fachleute zur Hofübergabe auch das windschiefe Fachwerkhäuschen im Schatten einer großen Wirtschaftsscheune in Augenschein nahmen. Ziemlich schnell war ihnen klar, der kleine Speicher verkörpert eine historische Sensation. Denn er wurde um 1554 errichtet. Das haben dendrochronologische Untersuchungen des Holzes ergeben.

„Und jetzt haben wir eine zweite große Überraschung erlebt“, erzählen Gabriele und Horst Schönfeld, die im Herbst mit der Sanierung ihres Denkmalspeichers begonnen haben. Dabei habe sich nämlich anhand von Holzunterschungen herausgestellt, dass „der Originalspeicher etwa zwei Drittel des Gesamtgebäudes ausmacht“. „Der hintere Teil ist später angebaut worden. Die Eichen für die Balken wurden 1706 geschlagen.“

Apropos Eichenbalken. Horst Schönfeld geht durch das Fachwerkgerüst, findet eine von ihm gesuchte Stelle. „Alles, was an Altbestand erhalten werden kann, wird auch erhalten. Aber hier war das beispielsweise nicht möglich, ist ein Teil des Balkens erneuert worden“, erklärt der Bauingenieur. Verwendet wird dafür altes Holz, „das aus Abrissgebäuden stammt“. Vollständig ersetzt werden mussten hingegen die Fußschwellen. Sie waren nach den Jahrhunderten nahe dem Erdreich fast vollständig verwittert. Neue alte Eichenbalken ersetzen sie.

Gabriele und Horst Schönfeld freuen sich über den Baufortschritt, den der milde Winter zulässt. In 14 Tagen erwarten sie die Fachleute, die das Reetdach decken werden. Denn vor 500 Jahren und auch später im 18. Jahrhundert war die Scheune mit großer Sicherheit mit Schilf gedeckt. Und auch die Lehmbauern, die das Ausfachen übernehmen, haben sich bereits angekündigt. Dass derartige Arbeiten von Fachfirmen übernommen werden, sei selbstverständlich bei so einem Projekt, sagen die Bauherren und heben die gute Zusammenarbeit mit den Denkmalpflegern hervor.

Für das denkmalgerechte Herrichten des Speichers fließen Fördermittel vom Landkreis, dem Land Brandenburg und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Den nicht unerheblichen Eigenanteil müssen die Bauherren alleine aufbringen.

Rechnet sich so ein Projekt durch eine spätere Nutzung?

So wollen Gabriele und Horst Schönfeld die Rechnung nicht aufmachen. Sie haben sich für den Denkmalspeicher und für seine Instandsetzung entscheiden, weil er Teil ihres Deichhofs ist und tragen das nun mit den – auch finanziellen – Konsequenzen. Das schließt ein, auch über eine spätere Nutzung des Gebäudes nachzudenken. Gabriele Schönfeld lächelt, als sie sagt: „Ich habe da schon meine Ideen. Es geht in Richtung Wohlfühlen.“ Vorstellbar ist so manches. Denn der Deichhof ja mittlerweile auch gut bekannt für die Fastenkurse, die Gabriele Schönfeld leitet.

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