Biotop am Haus - Mieter verärgert

<strong>Sehr unpassend </strong>sei die blühende Wildnis vor ihren Fenstern, finden Genossenschafter.<foto> barbara Haak</foto>
Sehr unpassend sei die blühende Wildnis vor ihren Fenstern, finden Genossenschafter. barbara Haak

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16. Juli 2012, 08:19 Uhr

Wittenberge | Bewohner im Haus Pritz walker Straße 18 a bis f sind sauer. Sie ärgern sich über die Wohnungsbaugesellschaft. Lothar Bismarck als gewählter Vertreter der Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom" erklärt das Problem. Die Pritz walker Straße a bis f ist ein Genossenschaftshaus. Neben dem Haus befindet sich ein Streifen Genossenschaftsland. Der werde regelmäßig gemäht. "Es sieht ordentlich aus", sagt Bismarck. So wollen es die Genossenschafter auch haben.

Deshalb sei der Ärger auch so groß, "dass die Wohnungsbaugesellschaft sich nicht kümmert", sagt Bismarck und verweist auf einen üppig bewachsenen Geländestreifen, der unmittelbar an das Genossenschaftsgelände grenzt. Gräser, Wildkräuter und -blumen wiegen sich im Wind.

Die Genossenschafter wollen Ordnung und kein innerstädtisches Biotop. Seit Jahren fordern sie von der WGW, "dass dort regelmäßig gemäht wird". In ihrem Ärger haben sie zur Selbsthilfe gegriffen, mitten zwischen das hüfthohe Gras und die leuchtend geben Wildblumen ein Schild gestellt: "Willkommen bei der WGW, 100% Tochter der Stadt Wittenberge, ungepflegt, verkrautet und verdreckt!", steht, pardon stand da zu lesen. Die WGW hat schnell gehandelt, das Schild entfernt, "dessen Behauptung so noch nicht einmal stimmt". Das sagt WGW-Chef Torsten Diehn, "denn verdreckt ist diese Fläche keinesfalls". Den Wünschen der Hausbewohner, die WGW möge die Fläche doch ebenso pflegen wie die WGE es mit den ihren tut, erteilt Diehn eine eindeutige Absage: "Das Gelände bringt uns keine Einnahmen. Deshalb sehen wir uns auch nicht veranlasst, mit kleingärtnerischer Intensität Rasenpflege zu betreiben." Für die WGW handele es sich bei der Fläche um ein innerstädtisches Biotop, stellt Diehn klar. Die Wohnungsbaugesellschaft stelle es den Mieter aber frei, das Areal, das übrigens mit seiner Schmalseite an die Perleberger Straße grenzt, "in Eigeninitiative zu gestalten". Es sei auch nichts dagegen einzuwenden, wenn die Wohnungsgenossenschaft dort mitmäht, meint Diehn.

Dass die Wohnungsbaugesellschaft sich dort, wo es darauf ankommt, für das Stadtbild engagiert und auch Geld ausgibt, belegt Diehn noch mit dem Verweis "auf die intensiven Einsätze, die wir in Vorbereitung auf die Elblandfestspiele geleistet haben". "Das hat unsere Gesellschaft rund 5000 Euro gekostet."

Damit allerdings ist das Problem der Genossenschafter aus besagtem Haus nicht gelöst. Lothar Bismarck weiß, dass die Genossenschaft die kritisierte Fläche schon mal abgemäht hat. Aber: "Das kann keine Dauerlösung sein. Denn die dabei anfallenden Kosten können wir nicht auf die Genossenschafter umlegen, das Gelände gehört uns nicht", argumentiert Karsten Korup als geschäftsführender Vorsitzender der Wohnungsgenossenschaft. Auch er verweist darauf, dass die Genossenschaft ihrer Verantwortung für das Stadtbild nachkommt, und zwar "auf unseren Flächen, denn Eigentum verpflichtet". Den Genossenschaftern wird wohl nichts übrig bleiben, als ein Gang zum Bürgermeister. "Als wir im vergangenen Jahr mit ihm gesprochen hatten, war mit einem Mal auch gemäht", sagt Lothar Bismarck.

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