Neuer Pflege- und Entwicklungsplan : Biosphäre hat einen Wasserplan

Über den Nausdorfer Kanal zwischen Rambower Moor und Rudower See erfolgt der Nährstoffeintrag, der laut Experten schädlich ist.
Über den Nausdorfer Kanal zwischen Rambower Moor und Rudower See erfolgt der Nährstoffeintrag, der laut Experten schädlich ist.

Naturschutzexperten legen Managementplan vor: mehr anstauen, weniger düngen, Schutzzonen am Gewässerrand

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06. April 2017, 21:00 Uhr

Von Hochwasser und Hochwasserschutz ist in der Prignitz ständig die Rede. Einen anderen Ansatz für das Wassermanagement in der Region verfolgt der neue Pflege- und Entwicklungsplan für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Dabei plädiert dessen Leiterin , Dr. Heike Ellner, für ein Umdenken. „Land- und Wasserwirtschaft dürften nicht mehr so viel von dem kostbaren Nass aus Angst vor einem Hochwasser aus der Landschaft laufen lassen“, so Ellner. Gerade im Winter und Frühjahr müsse für die zunehmenden Trockenzeiten im Jahr mehr angestaut werden. Ein solcher Kurswechsel komme nicht nur dem Biosphärenreservat und anderen Schutzgebieten, sondern auch den Agrarbetrieben und der gesamten Landschaft zugute.

„Für ein flächendeckendes Wassermanagement sind neben Bewirtschaftungskonzepten auch Investitionen in Stauanlagen nötig. Während in den vergangenen Jahren Sanierungen größerer Wehre erfolgten, stammen viele kleine Anlagen noch aus DDR-Zeiten und sind nicht mehr oder nur noch bedingt einsatzfähig“, konstatierte Ellner. Instandsetzung oder Ersatz müssten schrittweise erfolgen. Vorausschauendes Wassermanagement müsse natürlich den Hochwasserschutz berücksichtigen.

Die Reduzierung der überhöhten Nährstoffeinträge in Gewässer und geschützte Landschaften gehört zu den weiteren Anliegen des neuen Pflege- und Entwicklungsplanes, der derzeit erarbeitet wird. „Düngemittel und organisches Material, die über Luft und Wasser verbreitet werden, verändern deutlich die Lebensbedingungen der Tier- und Pflanzenwelt“, erläuterte Thomas Heidicke, verantwortlich für Arten- und Biotopschutz. Betroffen seien der Rudower See, die Stromtal- und die mageren Flachland-Mähwiesen im Flussgebiet der Elbe. Auch große Grünflächen, Areale an der Stepenitz und das Rambower Moor leiden unter der Nährstoffschwemme. Gründe dafür sind überhöhte Düngergaben und der Übergang von extensiven zu industriellen Produktionsmethoden.

„Es muss mehr Biomasse entnommen werden, um gerade die nährstoffarmen Standorte im Biosphärenreservat und damit die Lebensräume für geschützte Arten zu erhalten“, erklärte Ellner. Als Hilfe könnte sich die neue Düngemittelverordnung erweisen. Doch durchgreifende Veränderungen erforderten einige Jahre, zu groß seien die in den Naturkreislauf gelangten Nährstoffmengen, so die Reservatsleiterin.

Ähnliche Gefahren sieht Thomas Heidicke bei den Gewässern. Steigende Nährstoffgehalte seien in vielen Gewässern zu beobachten, was die Gefahr des Umkippens erhöhe. Eine solche Entwicklung habe es beim Rudower See gegeben, die Folgen zu beseitigen werde dauern. Der Fachmann hofft, durch kleine Schritte Verbesserungen einzuleiten. So sind die Agrarflächen zugunsten einer besseren Ausnutzung immer näher an die Gewässer gerückt. Die Randstreifen schrumpften entsprechend. Ob dieser Trend zu stoppen ist, bleibt ungewiss. Zumindest sollen Ackerfurchen parallel zu Gewässern verlaufen, damit nährstoffhaltiges Wasser nicht einfach in Flüsse, Seen und Bäche laufen kann.

Voraussetzung für alle Aktivitäten ist eine Neukartierung der Bereiche des Biosphärenreservates. „Dabei werden besonders schutzwürdige Biotope, deren Zustand und Veränderungen sowie die Tier- und Pflanzenwelt aufgenommen“, sagte Heinicke. Denn das Biosphärenreservat ist ein wichtiger Rastplatz und ein Winterquartier für viele Zugvögel sowie ein besonders artenreicher Lebensraum.

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