Falkenhagen : Biodiesel findet guten Absatz

Blick in eine der Werkshallen in Falkenhagen.
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Blick in eine der Werkshallen in Falkenhagen.

Falkenhagener Werk hat Tiefschläge überwunden und seine Position im Markt ausgebaut

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19. November 2014, 12:39 Uhr

„Wir sind gesund, arbeiten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“, sagt Jörg Jacob, Geschäftsführer der German biofuels (gbf) GmbH in Falkenhagen. Dass er dies gleich zu Beginn des Interviews betont, ist verständlich, schließlich liegen turbulente Zeiten hinter dem Werk.

Am 28. Juli 2000 wurde das Unternehmen als BOLAC Verwaltungs AG in Hamburg gegründet und am 24. November des selben Jahres in ElbeOel Prignitz AG umbenannt. Der Firmensitz wechselte nach Falkenhagen, hier investierte das Unternehmen 14,5 Millionen Euro in ein Biodieselwerk.

Aus Rapssaat wurde Pflanzenöl gepresst, dieses in Biodiesel umgewandelt. Abnehmer waren Mineralölhändler, landwirtschaftliche Betriebe und der anfallende Rapsexpeller wurde als Tierfutter verkauft, Rohglyzerin ging an die chemische Industrie, blickt Jacob auf die Anfänge zurück.

Die Entwicklung kannte nur einen Weg: steil nach oben. In der ersten Ausbaustufe wurden pro Jahr aus 72 000 Tonnen Rapssaat etwa 31 000 Tonnen Biodiesel hergestellt. 2004 die nächste Umbenennung: Fortan firmierten die Prignitzer unter EOP Biodiesel AG, wagte gar den Gang an die Börse – als einziges Prignitzer Unternehmen.

Alle 62 Mitarbeiter wurden übernommen und erneut der Geldhahn aufgedreht. Mehrere Millionen Euro flossen in den Standort, sagt Jacob. Ein drittes Werk ging an den Start, pro Jahr wurden dann Jahr bis zu 100 000 Tonnen Biodiesel produziert. Das Werk erhielt eine Gleisanbindung und eine Verladeanlage. Der Biodiesel gelangt so direkt in Kesselwagen und kann auf der Schiene transportiert werden.

Dann der jähe Absturz: Am 14. Dezember 2010 stellte die EOP Biodiesel AG Insolvenzantrag. Der heutige Geschäftsführer Jörg Jacob war damals schon mit an Bord, fungierte als Wirtschaftsberater und führte das Unternehmen während des Insolvenzverfahrens. „Mit großer Anstrengung konnte die Entlassung der Mitarbeiter verhindert werden und auch die Produktion im Werk lief trotz Insolvenz weiter“, sagt er.

Nur vier Monate später der Neustart. Am 1. April 2011 gründete Jörg Jacob gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsmitglied Bengt Korupp die German biofuels GmbH. Die Gesellschaft erwarb sämtliche Vermögensanteile aus dem Insolvenzverfahren und übernahm alle Anstellungsverträge.

Aktuell werden in Falkenhagen pro Jahr etwa 175 000 Tonnen Biodiesel produziert. „Unser Werk ist seit Mai diesen Jahres voll ausgelastet“, freut sich Jacob. Neben dem Rapsexpeller fallen Glycerin und Kaliumsulfat als Nebenprodukte an. Da im Werk jedoch mehr Pflanzenöl verarbeitet wird, als die eigenen Mühlen produzieren können, wird Rapsöl von anderen Ölmühlen dazu gekauft. Außerdem werden diverse Fette und Öle wie Palmöl verarbeitet.

Nach einer EU-Verordnung wird auch bereits gebrauchtes Fett aus Fritteusen und großen Produktionsbetrieben zu Biodiesel verarbeitet. „Wir sind als eines der wenigen Werke in Deutschland in der Lage, diese bereits verwendeten Öle zu filtern und zu verarbeiten“, sagt Jacob.

Lebenswichtig für das Werk sei der Bahnanschluss über die Bahnlinie Pritzwalk-Meyenburg. Denn fast die komplette Produktion werde über die Schiene an die großen Mineralölhersteller geliefert. Zurzeit sind 57 Mitarbeiter beschäftigt, darunter ein Azubi. „Wir sind auf der Suche nach neuen Mitarbeitern und geeigneten Auszubildenden. Wir bieten Lehrstellen als Produktionsfachkraft Chemie und als Industriemechaniker an“, sagt Jacob. Zu den Aufgaben der Mitarbeiter gehört zum einen die Steuerung der Produktionsabläufe und die Qualitätskontrolle.

Im firmeneigenen Ersatzteillager liegt so ziemlich alles, was in dem Werk kaputt gehen kann: Kupplungen, Dichtungen, Rohre, Motoren... Das ist das Reich der Industriemechaniker, damit die Produktion nie ins Stocken gerät.
In unserer Serie stellen wir Unternehmen aus dem Gewerbepark Falkenhagen und der näheren Umgebung vor, zeigen, was sich seit deren Gründung vor teils mehr als 20 Jahren getan hat. Auch jüngere Ansiedlungen werden wir porträtieren und zeigen, welche Produkte den Weltmarkt erobern – frei nach dem Motto „Made in Prignitz“.

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