zur Navigation springen

Bildungspaket erreicht nur wenige Empfänger

vom

svz.de von
erstellt am 11.Mär.2012 | 07:48 Uhr

Potsdam | Finanzielle Hilfe für Nachhilfeunterricht, Klassenfahrt und Theaterbesuch: Für viele der 82 500 brandenburgischen Kinder und jungen Erwachsenen bis 25 Jahre, die nach Angaben des Sozialministeriums ein Recht darauf haben, bleiben Zuschüsse aus dem Bildungspaket des Bundes Theorie. Viele Eltern schrecken vor dem aufwendigen Antragsprozedere zurück, die Behörden kämpfen mit unklaren Modalitäten.

"Das Bildungs- und Teilhabepaket ist mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden", räumte Sozialminister Günter Baaske (SPD) ein. Wie viele der antragsberechtigten Kinder und Jugendlichen im Land bislang tatsächlich in den Genuss der Bundesmittel gekommen sind, sei dem Ministerium derzeit nicht bekannt, hieß es.

Monika Gordes, stellvertretende Geschäftsführerin des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, schätzte den Anteil auf etwa fünfzig Prozent - Tendenz steigend. Es sei schwierig, das Bildungspaket zu den Menschen zu bringen. "Das braucht seine Zeit." Die Arbeitsabläufe würden jedoch flüssiger und die Bearbeitung der Anträge gelinge in den 18 Jobcentern, Kommunen und Optionskommunen zunehmend besser. "Im Bereich der Lernförderung gibt es allerdings noch Verbesserungsbedarf", sagte sie. Oft könne ein Antrag erst bewilligt werden, wenn der Schüler schon versetzungsgefährdet ist.

Ein weiteres Problem sieht Michael Steffen, Leiter des Jobcenters Uckermark, in der Abwicklung der Zuschüsse für Kita- und Schulessen. Der Aufwand für Behörden und Esseanbieter sei unverhältnismäßig groß. 2011 seien für die Uckermark 832 000 Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket abgerufen worden, 2012 könnten es bis zu 1,4 Millionen Euro werden. Zu wenig, so Steffen. "Durch die komplizierte Gesetzesregelung haben wir nicht die Nachfrage, die wir gerne hätten."

In Brandenburg/Havel ist es ebenso. Von den 3200 antragsberechtigten Kindern und Jugendlichen seien 1580 unterstützt worden, teilte Fachbereichsleiterin Kerstin Schöbe mit. "Damit liegen wir im Bundestrend von vierzig Prozent." Gefragt seien vor allem Finanzspritzen für Schulbedarf.

Auch der Leiter des kommunalen Jobcenters Oder-Spree in Beeskow, Rolf Lindemann, äußert Kritik. Das vom Bund vorgeschlagene Gutscheinsystem für die Teilnahme an Klassenfahrten funktioniere kaum. Die Ausarbeitung der gesetzlichen Grundlagen sei "schlicht stümperhaft". Lindemann wertet bürokratische Hürden als Grund, dass das Bildungspaket eher ein Ladenhüter als ein Kassenschlager ist. "Viele potenzielle Antragsteller haben bereits eine Abneigung gegenüber allem Amtlichen." Dass es die Leistungen aus dem Paket nur auf Antrag gebe, sei kontraproduktiv.

Sozialminister Günter Baaske glaubt nicht an einen dauerhaften Bestand des jetzigen Förderungssystems. Er schlug stattdessen Ganztagsschulen mit kostenfreien Lern- und Freizeitangeboten vor. "Damit könnten wir ganz viele erreichen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen