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Tierischer Wasserbaumeister schafft Probleme : Biber fluten ganze Ackerflächen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Naturschutz und Wasserbehörde suchen nach Lösungen / Die geschützten Tiere haben die ganze Prignitz erobert

svz.de von
erstellt am 01.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Von der Elbe kommend haben die Biber inzwischen die gesamte Prignitz erobert. „Selbst aus Teltschow-Weitgendorf liegen uns derzeit Anfragen vor“, sagte Markus Pankow von der Unteren Naturschutzbehörde. Nicht nur am gesamten Lauf von Elbe und Stepenitz, der Löcknitz und der Dömnitz, auch an Bächen und Nebenflüssen hat sich der „Wasserbaumeister“ angesiedelt. Nicht immer zur Freude der Anwohner, denn wenn Marcus Pankow von einem Biber hört oder eine Anfrage auf dem Schreibtisch bekommt, dann liegt meistens etwas im Verhältnis von Tier und Mensch im Argen. Denn wenn der Biber seinen Lebensraum gestaltet und Dämme baut, nimmt er wenig Rücksicht auf andere. Und das bedeutet nicht selten, dass Äcker und Wiesen unter Wasser gesetzt werden. Dann wird der Biber ein Fall für Marcus Pankow und für Falko Dietsch von der Unteren Wasserbehörde. Beide müssen sich um eine Lösung bemühen, die sowohl dem Tierschutz entspricht, der Biber steht unter Artenschutz, als auch berechtigte Interessen von Landwirten und Waldbesitzern berücksichtigt. Grundlage ist meist die Biberschutzverordnung, an der Stepenitz auch die Schutzgebietsverordnung.

„Wir prüfen immer im Einzelfall“, erläutert Dietsch. Im Winter und zeitigen Frühjahr landet durchschnittlich ein Fall pro Woche auf ihren Schreibtischen. Vor Ort wird dann beurteilt. Bei vernässten Flächen bis zu einem Hektar wird meist zugunsten des Bibers entschieden, das müssen Flächeneigner und -nutzer im allgemeinen dulden, wenn sie keine akute Betriebsgefährdung nachweisen können.

Doch viele der „Wasserbaumeister“ vernässen deutlich größere Flächen, aktuell beispielsweise bei Düpow, wo einer der Vierbeiner eine ganze Wasserlandschaft auf Ackerflächen entstehen ließ.

Solche Biberanlagen in Meliorationsgräben bereiten zunehmend Probleme. Dann tritt zumeist ein Stufenplan in Kraft. Zunächst wird versucht, den Damm in ein oder zwei Stufen abzusenken, um den Wasserdurchfluss zu reduzieren. Gelingt dies nicht, kommt ein Bibertäuscher zum Einsatz. Unterhalb der Wasseroberfläche wird der Damm mit einem Spezialrohr durchbohrt, das aber weder durch Plätschern oder deutlich veränderte Strömungsverhältnisse dem Biber auffallen soll.

Soweit die Theorie, die Praxis ist oft schwieriger. Der Biber hält meist hartnäckig an seinen Bauwerken fest und repariert sie immer und immer wieder. Und nicht jedes Exemplar fällt auf einen Bibertäuscher herein. So sind oft mehrere Anläufe zur Lösung nötig.

Probleme bereiten auch nicht artgerechte Biberanlagen. Einige Tiere verführt das üppige Nahrungsangebot dazu, Meliorationsgräben an Maisfeldern zu besetzen, auch wenn keine Bäume in der Nähe sind. Die Dämme entstehen aus Schlamm und Maisblättern, halten nur einen Sommer. Solche Anlagen werden dann meist zurückgebaut, halten ohnehin nicht bis zum Winter, wo dann das Futter fehlt.

Angesichts der flächendeckenden Verbreitung der Biber halten Marcus Pankow und Falko Dietsch wenig von den noch vereinzelten Forderungen, Biber zu schießen. Dies sei laut Rechtslage ohnehin nur das äußerste Mittel und der Erfolg eher zweifelhaft. Denn jedes Jahr müssten sich Jungbiber ein eigenes Revier suchen und gingen auf Wanderschaft. Ein freies Revier würde so rasch wieder besetzt.  

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