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Bewährte Zertifikate für Notfall-Retter

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erstellt am 26.Sep.2013 | 07:14 Uhr

Prignitz | Es ist eine schreckliche Vorstellung: An einer Unfallstelle kämpfen Rettungsassistenten um das Leben mehrerer schwer verunglückter Menschen, dürfen ihnen jedoch keine Medikamente verabreichen, weil der Notarzt noch nicht eingetroffen ist. Beim Prignitzer Rettungsdienst können Rettungsassistenten aus diesem Grund seit drei Jahren spezielle Notkompetenz-Zertifikate erwerben. Mit diesen dürfen sie bei akuter Lebensgefahr medizinische Maßnahmen durchführen, die eigentlich dem Notarzt vorbehalten sind.

40 von 60 Rettungsassistenten im Landkreis sind bereits im Besitz einer solchen speziellen Ausbildung. "Damit ist sichergestellt, dass wir in jedem Rettungswagen mindestens einen Rettungsassistenten mit Notkompetenz-Zertifikat haben", erklärt Chef-Notarzt Lutz Dieckmann. Zwar kann er keine konkreten Zahlen nennen, wie oft durch die Erstversorgung der Rettungsassistenten bereits Menschenleben gerettet werden konnten, die Lehrgänge hätten sich jedoch bereits jetzt bewährt. "Bei Notfällen in Lenzen und Meyenburg kam es schon oft vor, dass der eintreffende Notarzt einen gut versorgten Patienten vorgefunden hat", sagt er. Gerade für die Menschen in den abgelegeneren Dörfern der Prignitz seien gut ausgebildete Rettungsassistenten deshalb besonders wichtig.

Während diese meist bereits nach wenigen Minuten am Unglücksort einträfen, verzögere sich die Ankunft des Notarztes durch die langen Anfahrtswege teilweise bis zu 20 Minuten oder länger. Eine lange Zeit, in der die Rettungsassistenten nun selbst aktiv werden können. Häufig eingesetzte medizinische Maßnahmen seien laut Lutz Dieckmann das Verabreichen von Anti-Allergika bei allergischen Schockzuständen sowie das Legen von Infusionen bei großem Blutverlust. Hier gelte die Devise: Je schneller, desto besser.

René Glaeser, Werkleiter des Rettungsdienstes, wertet die neuen Notkompetenzen für Rettungassistenten ebenfalls als Erfolg. "Fakt ist, dass durch sie die Patienten in den Außenstellen sehr gut vorversorgt werden", erklärt er. Gleichwohl betont Lutz Dieckmann, dass man auf keinen der Rettungsassistenten Druck ausübe. "Wir sagen ihnen immer: ,Wenn du Zweifel an der Methode hast, dann mache es nicht. Wir möchten kein falsches Heldentum." Kein Notarzt sei böse, wenn sie im Unglücksfall einmal Unsicherheit zeigen würden.

"Es gab bisher aber erst wenige solcher Fälle", sagt Dieckmann. Die Bedenken der ersten Monate seien mittlerweile verflogen. Wohl auch, weil die Rettungsassistenten durch die Notkompetenz-Zertifikate eine rechtliche Grauzone verlassen haben. Während sie früher gegen das Heilpraktikergesetz verstießen, wenn sie Patienten Medikamente verabreichten, sind sie heute im Rahmen ihrer Tätigkeit über die Haftpflicht-Versicherung des Kreises voll abgesichert.

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