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Internetkriminalität : Betrug mit Paysafe-Codes versucht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

von
erstellt am 08.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Die Nachricht traf Andrea Markwardt aus Breese wie ein Schlag. Im positiven Sinne. 48 800 Euro hatte sie gewonnen, wurde sie von einer vermeintlichen Gewinnspielagentur per Telefon informiert. „Ich hatte irgendwann mal so eine Karte abgeschickt, da konnte man wählen, ob man einen Audi oder den entsprechenden Geldwert haben möchte“, erinnert sie sich. „Ich habe damals beim Geld mein Kreuz gesetzt, das brauche ich nötiger, damit könnte ich mein Haus ein Stück weit abbezahlen.“ Im ersten Moment habe die Geschichte völlig seriös geklungen. „Die wussten, wann das Gewinnspiel war, was ich angekreuzt hatte und so weiter. Es gab keinen Grund zu zweifeln.“

Das erste Mal wird Andrea Markwardt stutzig, als es heißt, sie müsse für den Geldtransport und den Notar aufkommen, der die Übergabe dokumentiert. „Es hieß, man würde mir das Bargeld direkt nach Hause bringen, aber die Kosten dafür müsste ich selbst tragen. Angesichts des Gewinns von fast 49  000 Euro schien das aber irgendwie angemessen“, sagt sie.

Die Frau am Telefon fordert sie schließlich auf, Paysafe-Karten (siehe Infokasten) im Wert von mehreren hundert Euro zu kaufen. „Das kam mir dann schon komisch vor, trotzdem bin ich zu mehreren Tankstellen gefahren, um mir die Karten zu besorgen. Bei einem neuerlichen Anruf am nächsten Tag verlangt die Frau am anderen Ende der Leitung die Pin-Codes der Paysafe-Karten. „Können Sie mir die Nummer kurz durchgeben, damit ich abgleichen kann, ob die noch gültig sind“, tönt es aus dem Lautsprecher ihres Handys. Andrea Markwardt hat das Gespräch aufgezeichnet, um es der Polizei vorspielen zu können. Mehrfach weist sie ihre Gesprächspartnerin darauf hin, dass man laut Aufdruck auf den Paysafe-Bons die Pin bei Gewinnversprechen nicht angeben dürfe, doch die vermeintliche Mitarbeiterin der Gewinnagentur lässt nicht locker. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagt sie. Nach vier Minuten Gespräch übernimmt ein Mann das Gespräch, unterstellt Andrea Markwardt sogar Paranoia, weil sie die Pins noch immer nicht herausgeben will. Bis zum Ende des Gesprächs beißt der Mann auf Granit.

Als der „Prignitzer“ die Berliner Nummer anruft, von der aus sich die Gewinnspielagentur bei Andrea Markwardt gemeldet hat, ist die gleiche männliche Stimme zu hören wie in der Aufzeichnung. Eine Begrüßungsformel, mit der jedes seriöse Unternehmen ein Telefongespräch einleitet, fehlt. Auf Nachfrage, warum von dieser Nummer aus Paysafe-Codes verlangt werden, antwortet der Mann lapidar, man prüfe damit, ob Guthaben auf den Karten sei. Schließlich legt er einfach auf.

„Die Frau hat absolut richtig reagiert und die Paysafe-Codes nicht herausgegeben“, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Gewinn, der an irgendwelche Bedingungen wie die Übernahme von Transport- oder Notarkosten geknüpft ist, eine Betrugsmasche ist.“

Die Verantwortlichen kommen häufig ungeschoren davon, selbst wenn die Opfer Anzeige erstatten. „Diese Delikte sind extrem schwer nachzuverfolgen, da die Nummern häufig auf Callcenter im Ausland aufgeschaltet sind“, sagt Stefan Rennefeld von der Polizeidirektion Nord.

Dennoch sollten Bürger Anzeige erstatten, rät die Verbraucherzentrale Brandenburg. So könnte gegenüber dem Anbieter der Paysafe-Karten nachgewiesen werden, dass tatsächlich ein Betrugsfall vorliegt. „Sofern das der Fall ist, prüfen wir die Gegebenheiten und inwiefern es möglich ist, das Geld wiederzubekommen und zurückzuerstatten“, heißt es aus der Pressestelle von Paysafe. Die Betrugsmasche sei bekannt, allerdings könne das Unternehmen außer Aufklärung kaum etwas dagegen tun.

Andrea Markward hat offenbar Glück gehabt. Paysafe hat ihr angeboten, gegen eine Bearbeitugnsgebühr das Guthaben zurückzuerstatten.

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