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Der Prignitzer

18. Dezember 2017 | 05:51 Uhr

Wittenberge : Betreuungsmodell gescheitert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wittenberger Jahnschule strebt Wechsel an, weil der Landkreis die Finanzierung drosselt.

Weniger Geld für Hortbetreuung und Ganztagsangebote – so lässt sich das Dilemma für die Wittenberger Jahnschule zusammenfassen. Konsequenz ist ein Wechsel des Betreuungsmodels. Statt „Verlässliche Halbtagsgrundschule“ (VHG) soll es künftig eine Ganztagsschule mit offenem Angebot geben. Das jetzige Modell scheint zum Opfer seines Erfolgs zu werden.

Hinter der Bezeichnung VHG verbirgt sich ein Modell, dass allen Kindern vom Schulbeginn bis 13.30 Uhr eine kostenfreie Betreuung durch die Lehrkräfte und Horterzieher garantiert. Im Anschluss greifen die kostenpflichtige Hortbetreuung und Arbeitsgemeinschaften, die durch Lehrer, Horterzieher oder Honorarkräfte abgesichert werden.

Der Schule stehen zur Gestaltung des Ganztages 39 zusätzliche Lehrerstunden zur Verfügung, da die Lehrer am Nachmittag jene Zeit kompensieren müssen, die Horterzieher in der Schulzeit vor 13.30 Uhr leisten, abdecken.


Kreis spricht von explodierenden Kosten


Nun hat die Schule einen Antrag auf Wechsel von der VHG hin zur Ganztagsschule mit offenem Angebot gestellt. „Bis 2011 hat der Kreis nach dem brandenburgischen Kita-Gesetz die Kosten für die Betreuung von 84 Prozent der für Ganztagsangebote gemeldeten Schüler getragen, 16 Prozent die Kommune“, erklärt Rektorin Kerstin Schulz.

Im Mai 2011 informierte die Kreisverwaltung, dass die Kosten für das VHG-Modell explodiert seien – laut Jahnschule eine Folge der großen Resonanz auf das Angebot. „Zwischenzeitlich waren 268 von insgesamt 299 Schülern im Ganztagsangebot angemeldet, das spricht für sich. Und da ist es klar, dass höhere Betreuungskosten anfallen“, so Konrektor Erhard Granzow deutlich.

Aufgrund der Entwicklung senkte der Kreis den Personalkostenzuschuss zunächst auf 60 Prozent der insgesamt gemeldeten Grundschüler, für die Folgejahre waren nur noch 50 Prozent avisiert. Nach Gesprächen zwischen der Stadt als Schulträger und der Kreisverwaltung fasste der Schulausschuss im Februar 2013 den Beschluss, die 60-Prozent-Finanzierung auch für 2013/14 und 2014/15 zu erhalten.

Gemeinsam kamen Schule und Stadt jedoch zu dem Ergebnis, dass die VHG so nicht finanzierbar sei und unter diesen Bedingungen qualitativ nicht mehr so gestaltet werden kann, ein Wechsel zur Ganztagsschule mit offenem Angebot nötig ist, die Schulkonferenz habe dem zugestimmt.

Dieses Modell, nach dem beispielsweise die Wittenberger Allendeschule organisiert ist, komme mit nur drei zusätzlichen Lehrerstunden aus und sei weit kostengünstiger für das Land, erklärt Kerstin Schulz. „Der Kreis müsste allerdings wieder 84 Prozent der Personalkosten übernehmen, was voraussichtlich teurer wird und deshalb für uns um so unverständlicher ist.“ Allerdings müssten Schüler direkt nach Ende ihrer Schulzeit – auch vor 13.30 Uhr – entweder nach Hause gehen oder kostenpflichtig den Hort besuchen. „Es gibt aber weiterhin kostenfreie AG-Angebote“, so Schulz.

„Wir haben uns intensiv auf das Modell vorbereitet, andere Schulen besucht, Personal geschult und das Konzept wirklich gelebt. Die rege Teilnahme am Ganztag gibt uns ja Recht. Nun soll diese Errungenschaft – die nach den Pisa-Ergebnissen vor einigen Jahren stark gefördert wurde – dem Rotstift zum Opfer fallen“, kritisiert Kerstin Schulz. Zwar könnten die Jahnschüler auch künftig den ganzen Tag betreut werden, Abstriche seien aber unausweichlich, insbesondere bei der Verzahnung von Schul- und Hortarbeit. „Außerdem müssten die Eltern die Betreuung sofort ab Schulschluss zahlen, und nicht erst ab 13.30 Uhr.“


Stadt bemängelt unkonkrete Regelungen


Die Schulbehörde des Landkreises, die die Kürzung der Finanzierung auch damit begründet, dass das Modell der VHG nicht so gelebt worden sei wie angedacht, kann oder will die Defizite auf Nachfrage nicht konkretisieren und verweist auf das Staatliche Schulamt, das für die inhaltliche Ausgestaltung zuständig sei, sowie auf die Stadt als Schulträger.

„Die Kritik ist insofern nachvollziehbar, dass eine zeitlang jedes Kind, dass das Ganztagsangebot besuchte, auch im Hort angemeldet worden ist“, sagt Bürgermeister Dr. Oliver Hermann. „Hier haben wir gegengesteuert, sodass sich die Zahl der Hortkinder bereits deutlich reduziert hat, die Personalkosten gesunken sind.“ Generell bleibe aber das Problem der Pauschalfinanzierung, die sich an der gemeldeten Schülerzahl und nicht am realen Bedarf orientiere. „Die VHG ist ein inhaltlich sehr gutes Modell, aber es mangelt an konkreteren Vorgaben von Seiten des Landes, wie es umzusetzen ist. Aus diesem Grund wird der Wechsel zur Ganztagsschule mit offenem Angebot erwogen.“

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