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Ausgleichsmaßnahme : Betonstraßen werden zu Fußwegen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Stadt gibt ehemaliges Wohngebiet der Natur zurück

svz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 17:16 Uhr

Zauneidechsen müssen aus dem Gewerbegebiet an der B 189 wegziehen. Ihr neues Zuhause bekommen die streng geschützten Tiere in Wittenberge-Nord. In Nord verschwindet auch der Betonbelag von einem Großteil der Straßen. Am Bentwischer Weg entsteht gegenüber dem Autohaus, wo noch vor kurzem Kleingärtner pflanzten und ernteten, langfristig ein Wald: Mit neuen Ansiedlungen im Gewerbegebiet an der B 189 wird Land verbraucht, werden Flächen versiegelt. Die Stadt ist in der Pflicht, der Natur dafür etwas zurück zu geben. Peggy Heyneck, sie ist im Stadtbauamt auch für die naturschutzrechtlichen Belange zuständig, spricht von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, für die nach ihren Worten in diesem Fall insgesamt 240  000 Euro zur Verfügung stehen.


Heimische Arten bevorzugt


An Ort und Stelle, also direkt beim Gewerbegebiet als Abgrenzung hinter Austrotherm und am Graben, hat die Stadt knapp 600 Sträucher und über 30 Bäume pflanzen lassen. „Wir legen Wert auf heimische Arten“, sagt Heyneck und nennt Graupappel, Stieleiche, Ahorn, Weide, Esche und Eberesche als Beispiele. Bei den Gehölzen fiel die Wahl beispielsweise auf Heckenrosen, Holunder, Schlehen, Weißdorn, Pfaffenhütchen. „Es handelt sich um Arten, die sich in die Landschaft einpassen“, betont Heyneck. „Darauf haben wir auch Wert gelegt, als wir jetzt in Nord neue Sträucher gesetzt haben.“

Die Rede ist von dem ehemaligen Wohngebiet, das sich die Natur bereits Stück für Stück zurück geholt hat. Die Stadt unterstützt diesen Prozess und lässt ihn sich als Ausgleichsmaßnahme anrechnen.

Ein Wald hat auf dem Gelände keine Chance, ist Peggy Heyneck überzeugt. Denn das Areal wurde für den Wohnungsbau in den 80er Jahren mit erheblichen Sandmengen aufgefüllt. Aber Sträucher hätten eine Chance. Und das Gelände eignet sich auch gut, „wenn wir es mit Holz- und Steinhaufen optimieren, als neuer Lebensraum für die Zauneidechsen, die im Gewerbegebiet aus naturschutzrechtlichen Gründen möglicherweise weiteren Ansiedlungen im Wege wären“.


Wunsch der Senioren erfüllt


Die Betonstraße, die in Nord einst die mittlerweile abgerissenen Wohnhäuser verbanden, und die seit Jahren nicht mehr benötigten Parkflächen werden schon in Kürze verschwunden sein. „Sie bleiben aber als Wege erhalten“, sagt Heyneck. „Denn das Gelände soll erlebbar sein.“ Damit folgt die Kommune auch dem Wunsch von Bewohnern aus dem Seniorenpflegezentrum „Willi Kupas“.

Im Sommer hatte Peggy Heyneck die Pläne für die Renaturierung des ehemaligen Wohngebietes Bewohnern im Pflegezentrum vorgestellt, denn diese wohnen ja in unmittelbarer Nähe. Eine Reihe der älteren Herrschaften war schon enttäuscht, dass kein Park entsteht, sondern die Natur sich weitgehend frei entfalten kann. Wenn die Stadt schon nicht den Wunsch nach einer gepflegen Grünanlage erfüllen kann, so kann sie aber einem anderen Wunsch nachkommen. Die ehemaligen Betonstraßen bleiben in einem Zustand erhalten, der es auch Älteren möglich mache, dort mit Rollatoren spazieren zu gehen, versichert Heyneck.

 

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