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Agrargenossenschaft Quitzow : „Betonkuh“ lieferte 10 Mio kWh

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Agrargenossenschaft Quitzow: Abfallprodukt der Biogasanlage deckt Wärmebedarf von VION zu knapp 30 Prozent

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erstellt am 22.Sep.2014 | 22:00 Uhr

„Das ist unsere Betonkuh“, sagt Edwin Gönboldt, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Quitzow, und deutet auf die Biogasanlage in direkter Nachbarschaft zu VION. Täglich frisst sie 24 Tonnen Mais und 8000 Liter Gülle. Daraus produziert sie 11 000 kWh verkaufsfähiger Wärme und 12600 kWh Strom. Das reicht, um 1152 Einfamilienhäuser bei einem Jahresverbrauch von 4000 kWh zwölf Monate mit Strom zu versorgen und 175 Eigenheime mit Wärme bei einem Jahresverbrauch von 20 000 kWh.

In diesen Tagen nun werden 10 Millionen kWh erreicht – ein Ergebnis, auf das die Quitzower mit Recht stolz sind. Zum einem, „weil wir für die Abwärme in VION einen verlässlichen Abnehmer haben, und das zwölf Monate im Jahr. Zum anderen, weil das Input für die Anlage komplett vor Ort produziert wird“, so Edwin Grönboldt. Dafür steht auf 17 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Mais, das entspricht rund 300 Hektar. Gülle wird in den eigenen Ställen produziert.

Nutzung regenerativer Energien – für die Quitzower nichts Neues, hatten sie doch schon eine Photovoltaikanlage. „Doch wenn wir auf Landwirtschaft und gewinnbringende Veredlung nachwachsender Rohstoffe setzen, dann kommt nur Biogas noch in Frage“, argumentierte der Geschäftsführer damals. So war die Idee von der Biogasanlage geboren.

Im Schlachthof der VION Perleberg GmbH finden die Quitzower ihren Partner und Wärmeabnehmer. Am 18. März 2011 beginnen die Vorbereitungen für den Bau der Siloplatte. Knapp sechs Monate später ist es geschafft, schneller als der Mais wächst. 900 Meter Wärmetrasse, Trafostation für die Stromeinspeisung, Zufahrten und natürlich die eigentliche Biogasanlage stehen. Die Fermenter können mit dem bakteriellen Gärsubstrat und Gülle befüllt und aufgeheizt werden. Am 19. Oktober 2011, 17 Uhr, wird der erste Strom ins Netz eingespeist, seit dem 7. November fließt die Abwärme zum Schlachthof. Und während bei anderen Biogasanlagen Strom vor allem für die Kühlung drauf geht, steht diese hier fast still.

„Es ist ein überaus gewinnbringender Synergieeffekt“, betont der Perleberger VION-Geschäftsführer Klaus Voigt. Denn er bezieht seither knapp 30 Prozent der benötigten Wärme direkt vom Nachbarn. Und wenn es nach VION ginge, würde der Betrieb noch mehr abnehmen. Denn vier Millionen kW Wärme pro Jahr, die zuvor aus Erdgas gewonnen wurden, werden damit faktisch durch ein Abfallprodukt ersetzt. Das heißt 2629 Tonnen CO2-Emission weniger im Jahr.

Für die Agrargenossenschaft, die auch Gesellschafter bei der Prignitzer Fleischzentrum GmbH ist, zahlt sich der Wärmetransfer in doppeltem Sinne aus. Denn neben den Verkaufserträgen gibt es den sogenannten Wärmebonus, da die Abwärme genutzt wird. Zudem speisen die Quitzower 4 500 000 kWh pro Jahr ins Netz ein.

2,5 Millionen Euro hat das Juwel die Quitzower gekostet, eine Investition, die sich finanziell und vor allem auch umwelttechnisch, sprich weniger CO2-Emission, auszahlt. Und auch das sei nicht unerwähnt – seit Inbetriebnahme der Biogasanlage gab es keine Beschwerden mehr hinsichtlich Geruchsbelästigung. „Die Gärreste, die wir heute ausbringen, sind bei weitem nicht so geruchsintensiv wie reine Gülle“, ergänzt der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft.


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