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Sperrwerk gegen die Elbflut : Betonkrebs zerfrisst Mittelgeschoss

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fertigstellung des Karthaneschöpfwerkes verzögert sich um ein Jahr. Landesbehörde: Hochwasserschutz stets gewährleistet.

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Nach fünf Jahren Sanierung und Umbau wollte das Landesumweltamt die Arbeiten am Karthaneschöpfwerk in diesem Sommer endgültig abschließen. Es blieb bei dem Vorhaben. Bei der Modernisierung traten zusätzliche Schäden am Bauwerk zutage. Die Hochwasserschutzanlage, die zu den bedeutendsten im Land gehört, kann erst im nächsten Jahr fertig werden.

Robert Schmidt, als der im Landesumweltamt zuständige Bauleiter für die Millionen schwere Investition, erklärt das Warum: „Wir mussten entgegen den ursprünglichen Planungen auch das gesamte Mittelgeschoss des Bauwerks vollständig erneuern. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass es vom sogenannten Betonkrebs befallen war.“ Eine chemische Reaktion, die den Beton nach und nach zerbröseln lässt. Das Amt musste reagieren, das Mittelgeschoss neu aufbauen.

Schmidt erklärt: „Das ist eine logistisch sehr aufwändige und teuere Arbeit. Streifen um Streifen – jeder zirka 1,50 Meter breit – wurde im Zwischengeschoss der Beton erneuert. Anders war es nicht möglich, denn die Standsicherheit des Bauwerks durfte zu keiner Zeit gefährdet werden. Mittlerweile sind die Arbeiten zu gut 95 Prozent abgeschlossen, kann der Bauleiter jetzt vermelden.

Das Schöpfwerk besteht aus drei Geschossen. Mit der Modernisierung des Sperrwerks sind die ursprünglich im Obergeschoss angeordneten Pumpen durch neue, leistungsstärkere Tauchaggregate im Kellergeschoss ersetzt worden. Im Obergeschoss befinden sich die Steuerungstechnik. Im Mittelbereich, dessen „erkrankter“ Beton neu aufgebaut werden musste bzw. muss, befinden sich die Schächte, die zu den Tauchpumpen führen.

Wichtig ist dem Bauleiter im Gespräch mit dem „Prignitzer“ die Feststellung, dass während der Bauarbeiten am Schöpfwerk stets der Hochwasserschutz gewährleistet war. Das Schöpfwerk habe bei den Elbhochwässern 2011 und 2013 trotz der baulichen Maßnahmen seine Aufgabe vollständig erfüllt und die Karthaneniederung sicher geschützt, konnte die Landesbehörde nach der Flut des vergangenen Jahres feststellen.

Seit 1980 schützt das Schöpfwerk die Karthaneniederung mit rund 6500 Hektar Land bei Hochwasser der Elbe vor Überflutung. Ältere Bewohner der Niederung können sich noch gut daran erinnern, wie bei Hochwasser ihre Gehöfte eingeschlossen waren, sie bei hohem Pegelstand mit dem Kahn beispielsweise die Kinder bis zum Elbdeich bringen mussten, damit sie zur Schule konnten.

Steigt die Elbe, wird die Niederung abgeriegelt. Per Pumpen wird das Wasser der Karthane über den gleichnamigen See Richtung Elbe befördert. 18,2 Kubikmeter pro Sekunde, das entspricht 109 000 Wassereimern in der Minute, schaffen laut Landesumweltamt die neu installierten Aggregate. In hochwasserfreien Zeiten ist ihr Betrieb nicht nötig. Die Karthane fließt über zwei sogenannte Freischleusen Richtung Strom.

Mit der 2009 begonnenen Grundsanierung, die auch eine Reaktion auf die zunehmend höheren Elbfluten ist, ist der komplette Austausch der Pumpen-, Elektro- und Steuerungstechnik vorgenommen worden. Zudem erhielt das Absperrwerk einen Fischpass, der das Aufsteigen von Tieren aus der Elbe in die Karthane ermöglicht.

Noch ausstehen jene Arbeiten, die wegen der Schäden im Mittelgeschoss warten mussten. Wie Robert Schmidt sagt, ist der Damm, der die ursprüngliche Bauwerksbrücke ersetzt, fertig. Die Böschungspflasterung müsse noch folgen. Am Hochbau, der die Steuerung der Pumpen beherbergt, stehen noch Arbeiten, beispielsweise die Dämmung, an.



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