Beton und Stahl als Klammern

<strong>Fast 800 Jahre alt</strong> ist das Kloster St. Marienstern in Mühlberg/Elbe. Die historischen Gebäude werden durch einen neuen  Beton-Kreuzgang verbunden.
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Fast 800 Jahre alt ist das Kloster St. Marienstern in Mühlberg/Elbe. Die historischen Gebäude werden durch einen neuen Beton-Kreuzgang verbunden.

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21. Juni 2012, 09:51 Uhr

Potsdam | Durch die Innenhöfe kommt viel Licht in die Räume, alte Kiefern lugen trotzig weit übers Betondach hinaus - die Beamtenanwärter der Landesfinanzverwaltung können es sich in Zukunft gut schmecken lassen sowie die Freizeit in einem besonderen Ambiente verbringen. Für knapp sechs Millionen Euro hat das Land auf dem Gelände des Bildungszentrums in Königs Wusterhausen eine Mensa mit Cafeteria und Bowlingbahn gebaut.

Damit sind die jahrelangen Baumaßnahmen auf dem Gelände abgeschlossen. Entstanden sind auch ein Hörsaal und ein Seminargebäude. "Der Eingangshof mit schönem, altem Baumbestand leitet die Besucher in das Gebäude hinein, der Speisesaal und ein Gymnastikraum flankieren ihn", erklärt Architekt Timo Klumpp das Besondere des Gebäudes. Natur und Beton finden in Königs Wusterhausen zusammen - die geschlossene Bereiche der Fassaden bestehen aus durchgefärbtem Sichtbeton. In den Höfen laufen Vordächer aus Glas und Holz rundherum. Im Inneren wird der Sichtbeton durch Holzlamellen an den Decken aufgelockert.

Den Bogen von Alt zu Modern spannt der Umbau im fast 800 Jahre alten Kloster St. Marienstern in Mühlberg. Eine gotische Klosterkirche, eine Propstei aus der Renaissance und ein barockes Herrenhaus sind durch ein neues Bettenhaus ergänzt und einen Beton-Kreuzgang verbunden worden. Beide Bauten setzen den Schlusspunkt hinter eine fast zehnjährige Sanierung des Komplexes. Zudem ist jetzt seit 500 Jahren die Klausur wieder geschlossen, so das Architekturbüro Angelis & Partner aus Oldenburg. Wieder ist Beton das moderne Element. "Durch die Überlagerung vieler verschiedener Baustile und Einflüsse in der Gesamtanlage sowie die neuen funktionalen Anforderungen des Tagungszentrums wurde eine moderne Antwort für den Kreuzgang gewählt", heißt es seitens der Architekten dazu. Beton und Stahl verbinden nun die Bauwerke.

Gerade das breite Angebot mache den Tag der Architektur aus, betont der Präsident der Brandenburger Architektenkammer, Bernhard Schuster. "Wir zeigen, woran die Architekten im Land arbeiten - vom in Stahlbeton neu interpretierten Kreuzgang des 800 Jahre alten Klosters St. Marienstern in Mühlberg bis zu der am Seeufer schwebenden weißen Villa in Wandlitz, vom lichtdurchfluteten Atelieranbau an ein Siedlerhäuschen in Schöneiche bis zum schwungvoll-eleganten Leibniz Institut für Astrophysik im Potsdamer Schlosspark."

Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr beim privaten Wohnungsbau. "Wir haben diesmal allein 14 Einfamilienhäuser und vier Wohnanlagen im Programm. Dabei gibt es durchaus unterschiedliche Ausrichtungen - neben großzügigen, offenen Raumfolgen geht es bei heutiger Wohnarchitektur vor allem um energetische und technische Optimierung auf hohem ästhetischen Niveau." Maßgeschneiderte Wohngebäude zählten in den vergangenen Jahren eindeutig zu den Publikumslieblingen beim Tag der Architektur, blickt Schuster zurück. Insgesamt sind 46 Bauten aus den vergangenen drei Jahren in 30 Orten landesweit am Sonntag zu besichtigen.

Im Norden des Landes werden zwei Beispiele gezeigt, wie Garagentrakte zu modernen Büroräumen umgebaut werden können. Ein Beispiel ist die Touristinformation in Rheinsberg. Einst Remise, dann Garage, zuletzt Feuerwache befand sich die ehemalige Reithalle des Schlosses in einem desolaten Zustand. Durch den Umbau konnte laut Architektenkammer der barocke Dachstuhl saniert und die alte Geschlossenheit wieder erreicht werden. Großzügige Verglasungen der Tore bringen Licht ins Innere. Der zweite umgebaute Garagentrakt ist jetzt Ausstellungs- und Veranstaltungsort in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück. Auch hier wurden große Fenster in die Tore gesetzt. Die Wände und Stahlteile im Inneren haben einen einheitlichen Farbton erhalten. Der Fußboden aus Gussasphalt erinnert an die frühere Nutzung, heißt es im Faltblatt der Architektenkammer. Dieses kann kostenlos angefordert werden.

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