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Der Prignitzer

24. November 2017 | 10:44 Uhr

Betagter Ritter wird "geliftet"

vom

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2012 | 07:37 Uhr

Perleberg | Stattliche 466 Jahre ist der steinerne Ritter auf dem Großen Markt alt. Alsbald wirkt er allerdings wieder um einiges jünger. Denn derzeit macht er eine einwöchige Schönheitskur. Und dabei will er offensichtlich ganz ungestört sein. Aber Spaß bei Seite, "die Planen schützen bei der Konservierung vor allem vor der Wärme der Sonne und vor dem Regen", erläutert Manfred Sährig von der Firma Steinfest Restaurierung. Mit geübter Hand fährt der Diplom-Restaurator dem Roland um den Bart, seine Augen erspähen selbst kleinste Stellen, in denen sich Wasser einlagern kann und den Stein bei Minusgraden aufbricht. Der Perleberger Roland gehört zu seinen Stammkunden, denn seit fast 40 Jahren widmet sich der Berliner der Steinrestaurierung. Standbilder, wie der Perleberger oder Brandenburger Roland, aber auch steinerne Altäre und Brunnen erhalten unter seinen Händen ihre alte Schönheit zurück bzw. werden konservatorisch aufgearbeitet, wie der Fachmann sagt.

Vor 21 Jahren hat Manfred Sährig auch den Perleberger Sandstein-Riesen gemeinsam mit einem Kollegen sprichwörtlich auf den Kopf gestellt. Seither hat der Roland unter anderem auch wieder eine Nase und der Sockel eine Blechabdeckung als Schutz vor Wasser, das sich unaufhörlich den Weg in den Stein bahnte. "Eine freistehende Statur ist Wind und Wetter, vor allem eben auch Schlagregen und Schnee ausgesetzt und somit für jeden Restaurator schon etwas Besonderes", gesteht der 58-Jährige. Die 466 Jahre haben so auch ihre Spuren am Perleberger Standbild hinterlassen, an geschützten Stellen wie unterhalb des Rockes weniger, an Schulter, Brust und vor allem am Sockel umso mehr. Insbesondere auch die Waden des Ritters haben schon gewissen "Muskelschwund". Noch sei das aber unbedenklich, so der Fachmann.

Einem Schönheitschirurgen gleich spritzt Manfred Sährig nicht Botox, dafür aber ein Kieselsäure-Ester unter die steinerne Haut, die - sind sie dann ausgeliert - die kleinen Sandpartikel wieder verfestigen. Mit einem Mikrodüsen-Heißdampfverfahren befreit der Diplom-Restaurator zuvor die Statur vom Schmutz der Jahre und vom mikrobiologischem Bewuchs. Letzterer verhindert, dass eingedrungene Feuchtigkeit wieder austreten kann. Das Schwert wird entrostet und erhält einen frischen Schutzanstrich.

Alle drei bis vier Jahre sollte selbst ein Sandsteinriese eine Wellnesskur verordnet bekommen, damit aus kleinen Schönheitsmakeln keine großen werden. Die letzte Anwendung gab es für den stolzen Ritter im Juli 2008. "Das ist wie mit dem Zahnarzt, geht man regelmäßig zu ihm, dann hat der wenig zu tun", fügt der Restaurator schmunzelnd an. An die Stadt gehe ein großes Kompliment, denn sie sei eine der wenigen, die der Notwendigkeit einer regelmäßigen Restaurierung auch Rechnung trägt. Das bestätigt auch Ortrud Effenberger, Leiterin des Sachbereichs Denkmalschutz des Landkreises. So handle es sich auch noch um ein Original, was schon etwas Besonderes darstelle. "Perleberg hat schon einen sehr schönen Roland", gesteht Ortrud Effenberger.

Voraussichtlich zum Ende der Woche wird sich der steinerne Ritter frisch "gestylt" und "geliftet" wieder den Besuchern und Kameras zeigen.

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