Wunderblutkirche : Besuch unterm Kirchendach

Stehen über dem Gewölbe des Nordschiffs: Pfarrerin Anna Trapp, Zimmermann Dirk Wittig und Bauleiterin Annette Schulze-Mack (v.l.).
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Stehen über dem Gewölbe des Nordschiffs: Pfarrerin Anna Trapp, Zimmermann Dirk Wittig und Bauleiterin Annette Schulze-Mack (v.l.).

An Bad Wilsnacks Wunderblutkirche geht es den morschen Balken an den Kragen / Projekt liegt im Zeitplan

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05. Februar 2018, 21:00 Uhr

Dass eine Gebäudesanierung immer auch eine Zeitreise ist, wird beim Mammutprojekt Wunderblutkirche in Bad Wilsnack deutlich. Das Gotteshaus wird auf Vordermann gebracht, derzeit ist das Dach an der Reihe.

Was sich in etwa 18 Meter Höhe dem Betrachter bietet, ist ein Stück Kirchengeschichte. „Hier sieht man, dass das Nordschiff nachträglich angebaut worden ist“, sagt Bauleiterin Annette Schulze-Mack bei einem kleinen Rundgang und deutet auf eine Reihe von Schmucksteinen am einstigen Dachgiebel. Für die Expertin ist klar, die Wand, die heute vor Blicken von außen verborgen ist, bildete einst die Fassade der Kirche. Wann genau der Anbau erfolgte, könne sie nicht sagen. Im 16. Jahrhundert müsse das gewesen sein. Außerdem sind auch die Fugen verziert, „was man nicht gemacht hätte, wenn hier nicht mal die Außenwand gewesen wäre“, sagt Pfarrerin Anna Trapp.

Dass damals vorausschauend gebaut wurde, verdeutlichen die Ziegel an der einstigen Fassadenecke. Sie standen einst hervor und ermöglichten somit, dass der Anbau nahtlos weitergehen konnte. „Solche Wartesteine sieht man auch noch an der Ecke der Westfassade. Aber da kommt nichts mehr dran“, sagt Annette Schulze-Mack augenzwinkernd. Gleich neben ihr und Anna Trapp steht bei dieser Bauführung der Zimmermann Dirk Wittig. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der Firma Denkmalplan aus Körner bei Mühlhausen (Thüringen) widmet er sich dem Dachgebälk. „Das ist für uns die größte Kirche, die wir bisher in Auftrag haben. Das ist nicht alltäglich.“ Dirk Wittig berichtet, wie seine Kollegen und er die morschen Dachbalken bzw. Teile davon austauschen – und das bei voller Dachlast, denn die Ziegel sind noch nicht entfernt. „Wir heben die etwa 22 bis 23 Meter langen Sparren mit Kettenzügen wenige Zentimeter an. Genau so viel, dass wir die neuen Holzteile einsetzen können.“ Das dafür verwendete Eichenholz ist mehrere hundert Jahre alt. Pfarrerin Anna Trapp leistet spontan ihren Baubeitrag und schlägt mit einem großen Hammer einen Holznagel in die Blattverbindung, so dass Schwelle und Sparren künftig zusammenhalten. Dort, wo das Holz stärkeren Bewegungen ausgesetzt ist, werden allerdings Metallnägel verwendet.

Besonders stolz sind Annette Schulze-Mack und Anna Trapp auf die neuen Biberschwänze. „Diese wurden von der Firma Braas aus Obergräfenhain extra für uns konzipiert und können nun auch unter dem Titel ,Bad Wilsnack’ von jedem bestellt werden“, sagt die Bauleiterin. Einige der 80 000 neuen Dachziegel, die in verschiedenen Rot-Nuancen verlegt wurden bzw. werden, konnten von den Wilsnacker Projektbeteiligten mit einem kleinen Wunderblutstempel verziert werden. „Das ist etwas ganz Besonderes“, freut sich Annette Schulze-Mack.

Der zweite Bauabschnitt liegt im Zeitplan, sagt sie. Wenn es so weitergeht, kann im Sommer der dritte beginnen. Dann geht es ans Dach des Querschiffs. Auch dafür werden wieder 600 000 Euro fällig. Je ein Drittel kommt vom Bund, dem Land und aus Eigenmitteln, die wiederum von vielen Beteiligten getragen werden. Dazu gehören der Landkreis, die Stadt, die Landeskirche, der Kirchenkreis, die Kirchengemeinde und der Kirchenförderverein. Die nächste öffentliche Bauführung soll im März stattfinden. Dann werden auch Statiker zu Wort kommen.

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