Jahrgangsbester in Brandenburg : Bester Meister seines Gewerks

Der junge Meister hier mit Kathrin Schnubel, die gemeinsam mit ihrem Mann die Geschäfte führt.
Der junge Meister hier mit Kathrin Schnubel, die gemeinsam mit ihrem Mann die Geschäfte führt.

Eric Schelle setzte sich abermals für ein Jahr auf die Schulbank, seine Firma stellte ihn dafür frei und übernahm das „Schulgeld“

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07. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Eric Schelle darf sich jetzt Handwerksmeister für Metallbau nennen – ein Meister seines Faches und das kann man wörtlich nehmen, denn als Bester des Gewerks im Land Brandenburg absolvierte er die Prüfung.

In der Firma JKS Metallverarbeitung GmbH im Iltisweg startete der 25-Jährige einst seine berufliche Laufbahn. Ausbildung in einem handwerklichen Beruf und dann zur Berufsfeuerwehr, das war eigentlich sein Plan. Doch „mir gefiel die Arbeit, sie machte mir einfach Spaß“, gesteht er. Und so blieb der junge Konstruktionsmechaniker, Fachrichtung Feinblech, dort, wo er täglich diesen Werkstoff zwischen den Fingern hält. „Es lässt sich so vieles daraus fertigen, man kann ihn trennen, lasern, schweißen – Blech ist alles andere als ein langweiliges Material.“ Und da die Firma vor allem auch kleine Serien und für den Sonderbau produziert, habe man immer etwas Neues zu tun. „Noch dazu sind in diesem Beruf Kreativität und Ideen gefragt“, ergänzt Kathrin Schnubel, die gemeinsam mit ihrem Mann Christoph die Geschäfte in der Firma führt. „Heute kommen die Konstrukteure zumeist frisch von der Uni, da zahlt es sich einfach aus, wenn man daneben auch erfahrende Leute aus der Praxis hat“, so die junge Geschäftsfrau. Denn immer wieder müssen Vorrichtungen gebaut oder Schablonen entworfen werden.

Eric Schelle hat dieses Feeling bzw. hat inzwischen ein Händchen und Auge für all das bekommen. Denn fest steht für den jungen Mann, „man lernt erst nach der Ausbildung“. Er habe das Glück gehabt, einen erfahren Kollegen an seiner Seite zu wissen.

„Inzwischen ist er zu einem guten Werkstattleiter geworden“, berichtet seine junge Chefin. „Für uns ganz wichtig, denn drinnen und draußen die Werkstatt zu führen, da sind zwei Leute voll mit ausgelastet.“ Mehr und mehr wuchs der junge Konstruktionsmechaniker in seine Aufgaben und mit der Verantwortung. „Die Zeit war einfach ran, das auch auf dem Papier zu verewigen“, so lächelnd die junge Geschäftsfrau.

Eric wollte und die Firma unterstützte ihn, stellte ihn ein Jahr frei, so dass er seinen Meister in Vollzeit machen konnte und sie übernahm zudem die schulischen Kosten. „Eric ist hier verwurzelt. Wir denken, dass er so auch bleibt. Willst du gute junge Leute haben, muss man in sie auch investieren“, betont Kathrin Schnubel. Und schmunzelnd ergänzt sie, „nicht zuletzt, damit auch wir mal Jahresurlaub planen können“. Da brauche man einen, auf dem man sich hundertprozentig verlassen kann, der die Werkstatt leitet, Angebote schreibt und die Kunden betreut, um nur einiges zu nennen.

Mit Bravour hat Eric Schelle seinen Meister gemacht, „für mich selbst einwenig überraschend“, fügt er an. Aber er habe schon den Ehrgeiz gehabt, nicht nur durchzuziehen, sondern auch gut zu sein. Und dass er einmal als Meister den Hut auf hat, mit dem Gedanken hat er vielleicht nicht bewusst gespielt, aber „es liegt mir“, gesteht er lachend. Im Januar wird er noch seinen Schweißfachmann machen und vielleicht irgendwann seinen Schweißfachingenieur. „Aber das ist noch Zukunftsmusik.“

Abgeschlossen hat Eric mit der Berufsfeuerwehr, mit der Feuerwehr aber nicht. „Geht auch nicht.“ Verständlich, immerhin ist er hier erblich vorbelastet. In diesem Jahr hat der Spiegelhagener die Gruppenführerausbildung absolviert und rückt auch mit aus, wenn die Perleberger Wehr tagsüber alarmiert wird. „Über die Wichtigkeit der Feuerwehr zu debattieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen“, betont Kathrin Schnubel. Insofern heißt es wenn der Pieper zum Einsatz ruft: Ok, dann lauf! Sicher nicht immer eine leichte Entscheidung für die junge Geschäftsführung, angesichts der Arbeit, die dann warten muss. „Aber eine notwendige, die eigentlich viel mehr Unternehmen treffen müssten“, so Kathrin Schnubel. Übrigens, auch für den Gruppenführerlehrgang stellte die Firma Eric frei.

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