Berufsnachwuchs selbst ausgebildet

<strong>Tobias Vorwerg</strong> (19)  macht eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker im zweiten Lehrjahr bei Cleo Schreibgeräte GmbH. <foto>Foto: kasa</foto>
Tobias Vorwerg (19) macht eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker im zweiten Lehrjahr bei Cleo Schreibgeräte GmbH. Foto: kasa

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06. Juli 2012, 09:30 Uhr

prignitz | Sehr gute Prüfungsergebnisse, eine gute Zusammenarbeit mit den Schulen und eine kontinuierliche Ausbildung - das Bad Wilsnacker Unternehmen Cleo Schreibgeräte GmbH und die Prignitzer Chemie GmbH in Wittenberge sind anerkannte Ausbildungsbetriebe. Der Präsident der IHK Potsdam, Dr. Victor Stimming, zeichnete den Schreibgerätehersteller mit Wolfgang Weiß an der Spitze gestern Vormittag mit einer Urkunde aus. Es gratulierten Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler (SPD) sowie Landrat Hans Lange.

Man würde ein Traditionsunternehmen, das weltweit so erfolgreich ist, nicht unbedingt in einer grünen Region wie dieser vermuten, bekannte Stim ming. Doch umso bemerkenswerter sei es, dass sich das Familienunternehmen seit so vielen Jahren auf dem Markt behauptet. Der Hersteller produziert hochwertige Schreibgeräte und bildet seit Ende der 90er Jahre aus. Wer nach der Schule bei Cleo anfängt, kann sich zum Industriekaufmann/frau, Werkzeugmechaniker/in und zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik sowie zum Groß- und Einzelhandelskaufmann/frau ausbilden lassen. Pro Jahr nimmt Weiß ein bis vier Schulabgänger auf - je nach dem, wie die Zeugnisse aussehen. Doch genau hier liegt das Problem. "Wir haben teilweise große Schwierigkeiten, Azubis mit guten Voraussetzungen zu finden", bestätigt der Cleo-Chef. Mathematik-Kenntnisse seien zum Beispiel nötig, das würden viele unterschätzen.

Das Bewerbungsverfahren haben Tobias Vorwerg (19) und Kevin Will (21) längst hinter sich. Vorweg ist im 2. Lehrjahr zum Werkzeugmechaniker und zufrieden mit seiner Entscheidung für Cleo. "Ich habe zwar keine Vergleichsmöglichkeiten, aber die Ausbildung ist gut." Auch bei der letzten Prüfung habe er gut abgeschnitten. Die theoretische Ausbildung absolvieren er und seine Azubi-Kollegen am BBZ in Pritzwalk beziehungsweise Wittenberge. Weiß betont: "Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend, auch mit den Kommunen."

Der Kammerbezirkspräsident bekräftigte die Bedeutung von Ausbildungsstellen in der Region: "Wir brauchen nicht nur Abiturienten, die zum Studium die Region verlassen, sondern verstärkt Schulabgänger, die eine betriebliche Ausbildung vor Ort machen."

Ihren eigenen Berufsnachwuchs bildet die Prignitzer Chemie in Wittenberge seit 18 Jahren aus. "Es sind unsere Mitarbeiter von morgen, die hier lernen", verdeutlichte gestern Patrick Knüppel als Geschäftsführer des zur Cremer Oleo Gruppe gehörenden Unternehmens den eigenen Anspruch und betonte, man werde die Ausbildung noch intensivieren, "denn wir wollen hier am Standort noch wachsen". Mit der Übergabe einer neuen Anlage "sind wir auf dem Weg zum Weltmarktführer für Spezialester", kündigte Knüppel gestern an. Die Millionen-Investition wird am 25. September offiziell in Betrieb genommen, gab der Geschäftsführer gestern bekannt. Das bedeute Hightech aus der Prignitz und sei ohne motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter nicht zu verwirklichen.

Dem Wittenberger Unternehmen ist es lieb, wenn die Auszubildenden aus Wittenberge und Umgebung kommen, dann sei die Chance groß, dass sie hier auch künftig arbeiten, leben und Familien gründen.

64 junge Leute haben sich in den zurückliegenden Jahren für eine Ausbildung bei der Prignitzer Chemie entschieden, davon befinden sich derzeit zehn noch in der Lehre. Wer die Ausbildung mit Erfolg absolviert, und das sei absolut die übergroße Mehrheit, sagt Personalbereichsleiterin Bärbel Hoffmann, ist Chemielaborant, Chemikant, Mecha troniker, Industriekaufmann bzw. über den dualen Ausbildungsweg Betriebswirt. Dass die Strategie aufgeht, für das eigene Unternehmen den Berufsnachwuchs heranzuziehen, belegt der Umstand, dass von den Ausgelernten heute 22 Mitarbeiter im Betrieb sind, sich zum Teil auch noch weiter qualifizierten.

Das hat auch Andrè Papst vor. Der junge Mann will, wenn er den Abschluss als Chemikant in der Tasche hat, ein Studium in Verfahrenstechnik anschließen.

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