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Deutschunterricht für Flüchtlinge : Berger Eltern sind besorgt

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Unterricht für Asylbewerber an Schule löst Debatte über fremde Erwachsene aus

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 22:00 Uhr

Berger Eltern haben Angst um ihre Kinder in der Grundschule. Der Anlass sind fremde Erwachsene. Dass es um Asylbewerber geht, 15 Frauen und Männer, die Deutschunterricht bekommen, weist Schulelternsprecher Ingo Zwolinski strikt zurück. Unstrittig ist aber: Sie waren der Auslöser der Debatte.
Anfangs hatte niemand den Unterricht kommentiert, doch dann berichtete unsere Zeitung darüber. Unmittelbar danach wandte sich Ingo Zwolinski an Bürgermeister Werner Eckel. „Darüber hätte man mit uns Eltern sprechen müssen“, sagt Zwolinski unserer Zeitung. „In der Grundschule muss Sicherheit herrschen.“ Man wisse ja gar nicht, wer dort alles herumlaufe. „Es geht nicht um die Ausländer, sondern um fremde Erwachsene“, so Zwolinski. Und es gehe darum, dass die Gemeinde als Schulträger nicht entscheiden dürfe, was in der Schule während der Unterrichtszeit geschieht. Gegen einen Deutschunterricht am Nachmittag gebe es keine Einwände.

Bürgermeister Eckel bestätigt diese Aussagen. Eltern seien um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt. Zwar seien nicht die Ausländer das Problem, „sondern es sei aus Sicht mancher Eltern allgemein nicht akzeptabel, dass fremde Erwachsene sich gleichzeitig mit den Schülern im Schulgebäude aufhalten“, schreibt die Gemeinde in einem Brief, der an an alle Eltern gerichtet ist. Die von Ingo Zwolinski erhobenen Vorwürfe weist die Gemeinde zurück.

Die Nutzung der Schule sei laut Schulgesetz rechtens. Bedingung sei, dass weder Unterricht noch der Schulfriede gestört werden dürfen. Eine Zustimmung braucht die Gemeinde nicht: „Die Anordnungen des Schulträgers sind für sie (die Schulleitung) verbindlich“, zitiert Werner Eckel das Schulgesetz.

„Wir hätten die Eltern informieren sollen“, so Eckel. Das habe man versäumt, weil nicht vorauszusehen war, dass Eltern besorgt sein könnten. Die Schulleitung habe sich für eine Fortsetzung des Unterrichts entschieden, auch die Schulrätin habe keine Einwände, so Eckel. Niemand der Beteiligten könne die Bedenken einiger Eltern nachvollziehen.

Wenn man die Forderung des Elternsprechers konsequent anwende, müsste auch der Rehasport untersagt werden und selbst Eltern seien letztendlich für andere Kinder fremde Erwachsene, argumentiert die Gemeinde. Nichts von all dem erachte sie für sinnvoll.

Dennoch befragte sie die Eltern. Von 57 antworteten 40: „24 waren mit dem Deutschunterricht am Vormittag einverstanden, 16 nicht.“ Diese Woche entschieden die Gemeindevertreter ohne Gegenstimme: Der Beginn des Deutschunterrichtes wird auf 8.15 Uhr verlegt. Damit verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie Kindern begegnen. „Es hat keine Vorfälle mit den Asylbewerbern gegeben. Anders lautende Aussagen sind sachlich falsch. Eine tatsächliche Gefährdung der Kinder kann nicht erkannt werden“, argumentieren die Gemeindevertreter, und Mario Schmedemann, dessen Kind selbst die Schule besucht, bestätigt, dass er keinen Grund zur Sorge erkennen könne. Er habe selbst mit den Asylbewerbern gesprochen. „Sie werden uns sogar bei der Schulhofgestaltung helfen“, sagt er.

Eine Verlegung des Unterrichts sei organisatorisch nicht möglich und eine unterschiedliche Behandlung von Ausländern und Deutschen hält die Gemeinde für „inakzeptabel“.

Für Ingo Zwolinski ist das Thema damit nicht erledigt: „Uns Eltern wird die Mitbestimmung abgesprochen.“ Die Sorge um das Wohl der Kinder bleibe bestehen. Was konkret diese Angst auslöst, konnte er nicht sagen. Aber Kita und Hort seien ja auch verschlossen für Fremde. Gestern wollte er sich mit einem Anwalt beraten.  

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