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Der Prignitzer

25. November 2017 | 03:24 Uhr

Integration : Bei Lucullus kocht ein Syrer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Almuntajab Alaani hat eine Arbeit gefunden, seine Familie in der Prignitz eine neue Heimat – ihre alte ist im Krieg zerstört worden

svz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 18:04 Uhr

Almuntajab Alaani floh vor dem syrischen Bürgerkrieg. Vor knapp einem Jahr kam er als Asylbewerber nach Deutschland, seit neun Monaten lebt der 42-Jährige in Wittenberge. Seit einer Woche hat er einen Job. Er arbeitet als Koch bei der Lucullus GmbH.

Das Jobcenter Prignitz führte ihn als arbeitssuchend, nachdem sein Flüchtlingsstatus anerkannt war. Geschäftsführer Gordon Weber lernte ihn auf einer Veranstaltung kennen. „Das war eine Art Speeddating, bei dem es um Profile, Fähigkeiten und Interessen ging“, sagt er. Schnell habe er erkannt, dass Almuntajab Alaani gute Perspektiven hat.

20 Jahre Berufserfahrung kann er nach seiner Ausbildung in Damaskus vorweisen. Er arbeitete für internationale Hotelketten wie Sheraton in seiner Heimat und in Saudi-Arabien. Dann sei die Zeit reif gewesen, etwas eigenes aufzubauen. „Ich eröffnete zusammen mit einem Freund ein Restaurant in Damaskus.“

Das Geschäft lief gut, er hatte sein Einkommen, ein Auto, zwei Wohnungen. Der Krieg nahm ihm alles. Bomben zerstörten seine Existenz. Der Lohn von 20 Jahre Arbeit löste sich in nichts auf.

Um so glücklicher ist er, dass er hier in Deutschland eine neue Chance bekommt. Sein Chef Lars Meiswinkel ist genauso glücklich: „Ich habe lange Zeit vergeblich einen Koch gesucht. Alaani hat sich an den Herd gestellt und losgelegt“, sagt der Geschäftsführer.

Feinheiten müsse er noch lernen, bei Fachbegriffen sei die Verständigung manchmal schwer, obwohl der Syrer bereits ganz gut Deutsch spreche. Die Kollegen ihm Team helfen ihm, sind es gewohnt, mit Ausländern zusammenzuarbeiten. Sieben Nationen sind bei Lucullus beschäftigt, vor allem Azubis kommen aus anderen Ländern: Ungarn, Bulgarien, Spanien, Russland, Kroatien.

Lars Meiswinkel sucht noch einen Koch. Nicht die Nationalität, sondern seine Fähigkeiten seien ausschlaggebend. Gut möglich, dass es wieder ein Ausländer sein könnte, denn 80 Asylbewerber in der Prignitz haben eine Arbeitserlaubnis, werden durch Jobcenter und der Agentur für Arbeit betreut. 22 von ihnen sind Jugendliche unter 25 Jahren.

Almuntajab Alaani mache die Arbeit Spaß. Seine Familie, seine Frau und die sechs Kinder, leben bei ihm in Wittenberge, ihrer neuen Heimat. Seine Eltern und Brüder seien noch in Syrien. Wenn möglich, telefonieren sie, aber immer häufiger gebe es weder Strom noch Internet in Damaskus.

 

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