Schrottautos : Behörden ignorieren Brandauto

Ein Ford Ka brannte vollständig aus. Fotos: privat (2)
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Ein Ford Ka brannte vollständig aus. Fotos: privat (2)

Leserin weist auf illegale Entsorgung an der Stepenitz bei Breese hin

svz.de von
08. September 2015, 08:00 Uhr

Ausgebrannt und zerstört liegen zwei Autos seit Wochen in einem Naturschutzgebiet. Behörden üben sich in Geduld. Erst ein Leserhinweis und Anrufe unserer Redaktion bringen Bewegung in die Sache.

Anwohner aus Breese haben vor Wochen beobachtet, wie Jugendliche mit drei Fahrzeugen ohne Kennzeichen eine regelrechte Schrottrallye am Wehr zwischen Breese und Weisen veranstalteten, schildert die Leserin. Zwei Autos, ein grauer Ford Ka und ein roter Fiesta älterer Baureihe, wurden direkt an der Stepenitz abgestellt. Ähnliches sei bereits im vergangenen Oktober ganz in der Nähe passiert.

Die Polizei wurde verständigt. Diese verwies den Fall wie üblich zunächst ans Ordnungsamt Bad Wilsnack/Weisen, erfahren wir aus der Pressestelle in Neuruppin. Zwei Mitarbeiterinnen des Amtes brachten laut eigener Auskunft bei einem Ortstermin am 31. August Markierungen an den Fahrzeugen an.

Die Halter wurden aufgefordert, die Autos bis Ende September zu entsorgen. Diese Frist werde gesetzt, um auszuschließen, dass ein Fahrzeug absichtlich abgestellt wurde.

Gefahr im Verzug hätte zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden, sagen Polizei und Ordnungsamt. Doch die Behörden wussten nichts von dem Feuer. Erst durch unseren Anruf am vergangenen Donnerstag erfuhren sie, dass ein Auto ausgebrannt war.

Die Polizei greife nur ein, wenn die Fahrzeuge zur Fahndung ausgeschrieben seien, erklärt die Pressestelle. Das heißt, entweder sind die Autos als gestohlen gemeldet oder mit ihnen wurde eine Straftat begangen. Ermittlungen zu dem Brand habe es zunächst nicht gegeben. So lange Ordnungsamt und der Sachbereich Abfallwirtschaft lediglich von illegaler Müllentsorgung ausgehen, liege der Fall bei ihnen, aber nicht bei der Polizei. Dazu zähle auch die Ermittlung des Eigentümers.

Das Flusstal der Stepenitz ist ein Naturschutzgebiet. Ein Fahrzeugbrand direkt am Fluss und neben weidenden Kühen? In den Augen unser Leserin, die nicht namentlich genannt werden will, müsse das Gefahr im Verzug bedeuten. Zumal die Wracks zum Vandalismus geradezu einladen. Aus ihrer Sicht schieben sich die Behörden die Verantwortung nur gegenseitig zu und verstecken sich hinter Paragrafen. Alle würden die Entsorgungskosten scheuen.

Nach den Anrufen unserer Redaktion kommt Bewegung in die Sache. Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft im Kreis, räumte am Donnerstag ein, dass er über den Brand nicht informiert gewesen sei. Der verändere jedoch die Situation. Vor Ort wolle er sich überzeugen, ob Gefahr für die Umwelt bestehe oder nicht. Nur in diesem Fall könne sofort reagiert werden, ansonsten seien Fristen zu wahren.

Gestern die Entscheidung: Die Fahrzeuge sollten bis zum Abend abtransportiert werden. Sie sollen auf dem Hof eines Autoverwerters sichergestellt werden. Dort würden sie bleiben bis entweder der Halter ermittelt ist, oder die Frist abgelaufen ist, nach der sie verschrottet werden dürfen.

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