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Der Prignitzer

23. Oktober 2017 | 13:58 Uhr

Behörde zwingt Fähre zu einer Pause

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Umbauarbeiten an der Landeklappe behinderten gestern Fahrbetrieb in Lenzen

von
erstellt am 04.Jun.2014 | 12:44 Uhr

Wer gestern Vormittag die Fährverbindung zwischen Lenzen und dem niedersächsischen Pevestorf nutzen wollte, musste entweder eine mehrstündige Wartepause einlegen, umkehren und die Elbfähre Lütkenwisch ansteuern, oder einen Umweg über die Brücke bei Dömitz nehmen. Erst am Nachmittag verkehrte die Fähre wieder planmäßig.

Grund des Stillstandes waren Umbauarbeiten an ihrer Landeklappe sowie die Einrichtung von Anfahrkeilen an den Fähranlegern beidseitig der Elbe, erklärt Fährmann Erich Butchereit. Mit der nun erfüllten Auflage der Zentralstelle Schiffsuntersuchungskommission und Schiffseichamt (ZSUK) in Mainz soll sichergestellt werden, dass der Fährmann beim Festmachen des Schiffes an der Rampe den Steuerstand nicht mehr verlassen muss. „Die Forderung nach einem zweiten Mann ist damit hinfällig“, sagt er.

Etwas missmutig beobachtet Butchereit die Schweißarbeiten der Handwerker aus der Havelberger Werft. Sie montieren auf den Landeklappen der „Westprignitz“ jeweils zwei so genannte Fallpoller, die die Fähre beim Auffahren auf die neuen Anfahrkeile in 60 Zentimeter schmale Schlitze arretieren sollen. Dass das Landemanöver in Zukunft von ihm und seinen beiden Angestellten noch mehr Konzentration als bisher erfordert, sei damit klar, so Butchereit. „Da ist großes Fahrgefühl gefragt.“

Noch am Morgen legte der Fährmann wie gewohnt sachte auf dem Elbanleger an. Allein durch das Eigengewicht der mehrere Tonnen schweren Landeklappe stand das Fährschiff sicher am Ufer, konnte Butchereit wie gewohnt seinen Steuerstand verlassen und die Haltetaue um die Poller legen. Nie sei in der Vergangenheit irgendetwas passiert.

„Was über 20 Jahre gut war, soll jetzt nicht mehr funktionieren?“, fragt er und runzelt die Stirn. In der neuen Sicherheitsvorkehrung sieht er keinen praktischen Wert, nur zusätzliche Kosten. „Besonders ärgere ich mich, dass alle über einen Kamm geschoren werden, dass nicht jede Fähre gesondert geprüft wird.“ Rund 10 000 Euro kostete ihn die Auflage der ZSUK. Zwar habe er einen Antrag auf finanziellen Zuschuss beim ÖPNV Prignitz gestellt, „doch bisher habe ich noch keine Antwort bekommen“, berichtet Butchereit, der seit der Wiederaufnahme der Verbindung im Jahr 1990 die Gäste von Lenzen nach Pevesdorf übersetzt.

Für den 71-Jährigen soll nach eigenem Willen dieses Jahr aber das letzte auf seiner Fähre sein. „Ein Nachfolger ist in Sicht“, meint Erich Butchereit, ohne sich weiter in die Karten schauen zu lassen. Bevor er das Steuerruder aber endgültig aus der Hand gibt, bildet Erich Butchereit mit Mario Grünberg noch einen weiteren Fährführer aus. Denn Personal sei in seiner Branche schwer zu bekommen.



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