Begegnungen mit Adebar und Python

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Birgit Suer reiste am Wochenende eigens aus Hamburg an. Die Naturliebhaberin und Hobbyfotografin war begeistert vom Storchendorf.Birgit Hamann (5)

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29. Juli 2012, 04:57 Uhr

Rühstädt | Das Europäische Storchendorf ist eine Reise wert - das könnte man vielleicht als Fazit des 26. Storchenfestes ziehen. Der Platz in der Mitte des Dorfes war am Sonnabend jedenfalls gut gefüllt. Die einen kamen wegen des bunten kulturellen und musikalischen Angebotes auf der Bühne, die anderen, um einen Blick auf die Weißstörche und ihren Nachwuchs zu werfen oder um einfach in der schönen Umgebung zu entspannen. Viele verbanden auch alle Offerten miteinander.

Als ausgesprochene Naturliebhaberin und passionierte Hobbyfotografin hatte Birgit Suer aus Hamburg Stellung auf dem Walter-Fritze-Fotopunkt am Speicher bezogen, richtete ihr Objektiv auf die zahlreichen Horste, die man von dort aus besonders gut sehen kann. "Ich wollte schon immer mal nach Rühstädt kommen. Jetzt hat es endlich geklappt, und ich bin begeistert. Der Balkon hier bietet einen tollen Ausblick, super für Fotografen", schwärmt die Frau, die es beruflich eher mit einer anderen Spezies zu tun hat. Birgit Suer arbeitet als technische Assistentin am Institut für Seefischerei in Hamburg.

Eine Neuentdeckung ist Rühstädt auch für den Künstler Ingsen van Knudsen aus Neuruppin. Gemeinsam mit seiner Frau Cindy sorgte er Samstag inmitten des Publikums für Unterhaltung. Das Paar hatte auch selbst "Streicheltiere" mitgebracht: Pythons. "Keine Angst: Störche stehen nicht auf dem Speiseplan der Würgeschlangen", klärte Cindy van Knudsen auf. Ihr Mann stellte fest, dass Rühstädt schon ein schickes Dörfchen sei, "mit einer warmen Ausstrahlung", fügt er hinzu. "Aus unserer Gegend kenne ich ja das Storchendorf Linum ganz gut. Aber die Storchendichte hier in Rühstädt sprengt wirklich den Rahmen."

Insgesamt 118 Störche wohnen derzeit auf den Rühstädter Dächern, sagt Naturwächter und ehrenamtlicher Bürgermeister Jürgen Herper. "32 Paare haben wir diesen Sommer zu Gast, 24 davon haben gebrütet und ziehen eigene Junge auf." Diese und viele andere Zahlen vermittelt er den Teilnehmern der Storchenführungen, die es Sonnabend und gestern jeweils dreimal gab und die traditionell zum Fest dazugehören. Auch von einem Happy End konnte er berichten: Aus dem zu Saisonbeginn bei einem Horstkampf verunglückten Gelege auf dem Dach des Besucherzentrums konnten vier von fünf Eiern erfolgreich in Loburg ausgebrütet werden. "Die Jungen wurden auf der anderen Elbseite ausgewildert, das heißt, in vier verschiedene Horste eingesetzt." Ein Altstorch hatte jenen Kampf in Rühstädt nicht überlebt. Aber: Der hinterbliebene Adebar verpaarte sich mit dem Angreifer. "Nachwuchs gab es bei den beiden jedoch nicht mehr. Dafür war die Zeit zu weit fortgeschritten", so Herper.

Er freute sich, in Rühstädt seinen ehemaligen Nachbarn Gerhard Freuling bei der Storchenführung begrüßen zu können. Und der wiederum sah beim Fest eine langjährige Freundin wieder: Dagmar Jahn aus Pritz walk. Sie war nicht nur wegen der Veranstaltung hier, sondern hatte zugleich auch ein Treffen ihrer einstigen Berufsschulklasse. "1959 haben wir die kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. Wir treffen uns jedes Jahr an einem anderen Ort - dieses Mal in Rühstädt", erzählt die Pritzwalkerin. Für sie lohnt sich übrigens der Weg nach Rühstädt immer, auch wenn ihr Heimatort rund 40 Kilometer entfernt liegt.

Noch bis etwa Mitte August trifft man die Brutpaare und ihren Nachwuchs hier an. Wer das Naturschauspiel noch diesen Sommer erleben möchte, sollte seine Tour nach Rühstädt möglichst nicht auf die lange Bank schieben.

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