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Aufregung in Wittenberge : Baumfällaktion ärgert Mieter

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Aus der Redaktion des Prignitzers

WGE nimmt Birken, Eschenahorn und Tannen herunter. Stadt erteilte Genehmigung. Genossenschafter fragen sich, ob das sein muss

svz.de von
erstellt am 28.Jan.2014 | 22:00 Uhr

„Tun Sie etwas. Stoppen Sie das Fällen.“ Eine aufgeregte Dame ist am Telefon. In der Friedensstraße, wo sie wohnt, wird gerade wieder ein Baum gefällt, erzählt sie. Schon gestern am Montag habe eine Firma begonnen, Bäume zu fällen. Die Frau kann nicht verstehen, „warum die uns das antun“. Kaum liegt der Hörer wieder, meldet sich eine zweite Dame, ebenfalls Mieterin in der Friedensstraße. Sie ist, wie sie sagt, entsetzt, „dass die Bäume bei uns in der Straße gefällt werden sollen“. Wie schon die Anruferin vor ihr hat sie Angst, „dass in den nächsten Tagen auch unser grüner Innenhof ’rankommt, alle Bäume weg sollen“. Gegen Mittag erreicht der nächste Anruf in Sachen Baumfällen in der Friedensstraße die Redaktion. Die Mieterin hat Angst um eine große Tanne, „die mir über Jahre sehr ans Herz gewachsen ist“. Nun solle sie augenscheinlich abgehackt werden. Die Genossenschafterin sagt, sie ist sehr traurig.

Hat bei der Wohnungsgenossenschaft „Elbstrom“ (WGE), denn ihr gehören die Bäume, das große Fällen begonnen? Alarmiert durch die Anrufe, fragt der „Prignitzer“ beim geschäftsführenden Vorstand der WGE, Karsten Korup, nach. „Nein“, sagt dieser mit Nachdruck. Aber es stimmt, eine Firma sei beauftragt, Bäume ’runter zu nehmen. Korup spricht von einigen Bäumen, „für die wir als Genossenschaft auch eine Genehmigung der Stadt haben“. „Keinesfalls geht es hier um einen Kahlschlag. Es werden ausschließlich kranke Bäume gefällt.“ Außerdem müsse wegen der Sicherheit bei einigen Bäumen Totholz ausgeschnitten werden.

Die Genehmigung für das Fällen hat die zuständige Fachfrau im städtischen Bauamt, Peggy Heyneck, erteilt. Der „Prignitzer“ spricht mit Heyneck. Sie sagt, die Genossenschaft habe die Genehmigung erhalten, vier Birken und einen Eschenahornbaum in der Friedensstraße zu fällen, außerdem zwei Eschenahornbäume im Elsternweg. Die Entscheidung sei nach einer gründlichen Prüfung gefallen. „Wir waren an Ort und Stelle, haben uns die Bäume gründlich angesehen“, sagt Heyneck. Sie verweist darauf, dass die Genossenschaft zu Ersatzpflanzungen verpflichtet sei. „Selbstverständlich werden wir Ersatzbäume pflanzen“, hatte zuvor schon Korup der Redaktion gesagt.

Und was ist mit der stattlichen Tanne, die ebenfalls ein Opfer der Säge wurde? Für einen Nadelbaum benötige man laut Baumsatzung keine Fällgenehmigung, sagt die Genossenschaft.

Aber warum muss der attraktive Nadelbaum überhaupt fallen, wenn er gesund war oder ist? Die Genossenschaft antwortet auf diese Redaktionsfrage: „Weil Anwohner aus dem gegenüber liegenden Block sich beklagt haben. In der Sommerzeit fehlt ihnen das Licht in den Zimmern.“ Auch andere Mieter haben sich beklagt. Heute geht das Tannenfällen weiter.

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