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Der Prignitzer

23. November 2017 | 05:04 Uhr

Baumdisput am Königsgrab

vom

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2013 | 09:35 Uhr

Seddin | Das Königsgrab Seddin aus der jüngeren Bronzezeit um 800 vor Christi gehört zu den bedeutendsten europäischen Fürstengräbern. Dieser Bedeutung soll es künftig weit besser gerecht, zu einem archäologischen Aushängeschild für Brandenburg und darüber hinaus werden. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie wurde den Gemeindevertretern von Groß Pankow (Prignitz) Ende letzten Jahres vorgestellt. Sie war Ergebnis eines Ideenwettbewerbes, soll jetzt Stück für Stück umgesetzt werden, je nachdem, wie Fördermittel fließen.

In diesem Jahr sind Maßnahmen für insgesamt 72 000 Euro geplant, 27 100 Euro davon Eigenmittel der Gemeinde Groß Pankow. Begonnen hat bereits die Durchforstung rings um das Königsgrab. Und auch am unmittelbaren Grabhügel tragen verschiedene Bäume grüne Punkte oder Striche. Und genau daran erhitzte sich jetzt der Streit zwischen Seddinern und Mitgliedern des Kulturvereins Stepenitztal auf der einen Seite sowie der Gemeindeverwaltung und Denkmalschützern bzw. Archäologen auf der anderen. Deshalb gab es gestern einen Ortstermin, bei dem Revierförster Holger Schulz aus forstwirtschaftlicher Sicht noch einmal erklärte, was an Bäumen bzw. tiefer liegenden Ästen herunter genommen werden müsste, um eine bessere Sichtachse auf den Grabhügel zu schaffen. Ausdrücklich sprach er sich dabei wie schon bei einer Beratung im Januar gegen einen Kahlschlag aus.

Beim Rundgang stellte dann aber Seddins Ortsbürgermeister Gerhard Schramm fest, dass auch große Bäume in unmittelbarer Nähe des Eingangs zur Grabkammer gezeichnet wurden und damit offensichtlich zum Fällen bestimmt sind. Damit könne er sich nicht einverstanden erklären, denn das würde das Bild dieser Anlage völlig zerstören. Die Bäume seien schließlich wie eine Allee an der Grabkammer gewachsen. Unterstützt wurde er von Britta Lüthje und Marlene Lüdcke. Letztere ist Vorsitzende des Kulturvereins Stepenitztal. Auf ihre Frage, wer diese Bäume denn angezeichnet hätte, erhielten sie keine Antwort. Der Revierförster erklärte, er nicht, und auch das zur Realisierung der Maßnahme am Königsgrab beauftragte Ingenieurbüro Hinze bekundete, dafür nicht verantwortlich zu sein. Erst auf die sehr nachdrückliche Frage unserer Redaktion bekannte sich endlich ein junger Mann dazu, dass das in Abstimmung mit dem Regionalarchäologen Jens May erfolgt sei. Dieser hatte zuvor bereits erklärt, dass das Wurzelwerk der Bäume im Erdreich weitere archäologische Befunde zerstören könnte. Warum er gestern beim Ortstermin nicht zu den Fällabsichten dieser Bäume stehen wollte, bleibt sein Geheimnis. Zur Vertrauensbildung trägt solche Art Geheimniskrämerei ganz sicher nicht bei. Das Vertrauen scheint ohnehin erschüttert. Zumindest fühlt man sich auf Seddiner Seite nicht genügend in das Projekt einbezogen, das machte der gestrige Termin deutlich. Gemeindevertreterin Renate Groenewegen erklärte, man könne nicht über die Fällung jedes Baumes diskutieren, wolle man nicht das gesamte Projekt gefährden, denn es sei eine einmalige Chance, in das europäische Archäologie-Programm Toppoi zu kommen. Im Rahmen dieses Projektes sollen in diesem Jahr auch Zuwegungen zum Königsgrab ausgebaut, Bänke aufgestellt und ein Audiosystem mit zwei Sprachsäulen installiert werden.

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