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Ende nach 100 Jahren : Baufällige Plattform abgerissen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landesumweltamt spricht von einer Notmaßnahme / Letztes Relikt der städtischen Badeanstalt ist damit beseitigt

von
erstellt am 21.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Knapp 100 Jahre nach ihrer Eröffnung am 8. Mai 1928 werden derzeit die letzten Spuren der städtischen Badeanstalt, später Volksbad, getilgt. Das Landesumweltamt hat die in den Deich hineingebaute Plattform, auf der ursprünglich das Haus mit dem Eingangsbereich und den Umkleidekabinen stand, in dieser und in der vorigen Woche abreißen lassen. „Wir mussten sehr zügig handeln. Die Plattform drohte abzurutschen“, informierte Referatsleiter Marko Oelze aus dem Landesumweltamt auf „Prignitzer“-Nachfrage. Ursprünglich hatte die Landesbehörde geplant, die Plattform zurück zu bauen, wenn sie in diesem Bereich die Elbstraße und den Deichfuß in Angriff nimmt. Das werde laut Referatschef wahrscheinlich im nächsten Jahr geschehen. „Aber so lange konnten wir nicht warten.“ Oelze spricht von einer Notmaßnahme. Die Betonträger mit Stahlbewehrung hätten der Last nicht mehr lange stand gehalten. „Es bestand Gefahr für Leib und Leben.“ Für den Rückbau mussten die Bagger in das Erdreich des Elbdeichs vordringen. „Wir werden diese Scharte schließen“, versichert das Landesumweltamt. Außerdem versichert Oelze, dass es an jener Stelle eine gewisse Aufweitung des Deiches geben werde, damit auf jeden Fall der Platz für eine Bank als Anlauf- und Aussichtspunkt vorhanden sei.

Als vor gut zwei Jahren die Absicht des Landesumweltamtes bekannt wurde, das Badeanstaltrelikt im Zuge des Straßen- und Deichbaus zu entfernen, meldeten sich zahlreiche Wittenberger in der Redaktion, sie wollen den Erhalt der Plattform – aus Erinnerungsgründen und, weil die Plattform sich gut als Aussichtspunkt eigne.

Die Stadt hätte dazu die Plattform erwerben müssen. Die Abgeordneten lehnten das im April 2014 ab. Die Stadt vereinbarte mit dem Land die besagte Aufweitung am Deich zur Schaffung eines Aussichtspunktes. Außerdem soll eine Tafel an die Badeanstalt mit ihrem legendären Schwimmmeister Willi Stubbenhagen erinnern.

Wie Susanne Flügge als Mitarbeiterin des Stadtarchivs den dortigen Unterlagen entnehmen kann, hatte die Stadtbadeanstalt wahrscheinlich zwei Vorläufer. „Die Rede ist von einer Flussbadeanstalt und von einem Strandbad“, sagt sie.

Das 1928 eingeweihte Stadtbad brachte durch seine Lage im Elbvorland immer wieder Probleme. Die Elbe überflutete die Becken. Durchdrückendes Wasser setzte den Beckenböden zu, ließ sie reißen. Der Reparaturbedarf war hoch.

1992 wäre, so geht aus Bauunterlagen hervor, wieder einmal eine umfassende Reparatur zum Erhalt fällig gewesen. Die Stadt entschied sich aber, die Einrichtung still zu legen. Die Becken sollen mit Sand und Bauschutt verfüllt worden sein. 1994 erfolgte wahrscheinlich der Abbruch des Hauses. Wann die Badeanstalt zum letzten Mal geöffnet war, ist nicht bekannt. Aber vielleicht kann sich ja der eine oder andere noch daran erinnern. Wir freuen uns unter 03877/92908273 oder baha@prignitzer.de auf ihre Erinnerungen.  

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