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theater macht dicht : Baufällig: Parchims Bühne geschlossen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landrat zieht die Notbremse und schließt das Theater im Nachbarkreis. Die Stadt sucht nach einem Ausweichstandort.

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Probleme mit der Statik, unzureichender Brand- und Blitzschutz, gefährliche Fluchtwege: Landrat Rolf Christiansen hat gestern die Schließung des Mecklenburgischen Landestheaters in Parchim aus Sicherheitsgründen angeordnet. Baugutachten in Vorbereitung einer umfassenden Sanierung hatten die Mängel ans Licht gebracht. Bereits in den vergangenen Wochen musste der Fundus vom Dachboden geräumt werden, weil sich die Decke im Großen Saal als instabil erwies. Seit Jahren darf die Empore nicht mehr genutzt werden.

Die wichtigste Nachricht für die Theaterbesucher zuerst: Auch wenn noch offen ist, ob es einen Neubau gibt oder das Haus saniert werden kann, Parchim bleibt Spiel- und Produktionsort. Landrat Rolf Christiansen, der auch Vorsitzender des Theater-Zweckverbands ist: „Das ist gesetzt.“ Da seien sich „alle, alle“ einig. Christiansen hält es persönlich für „das Sinnvollste, am Standort in der Blutstraße zu bleiben“. Wenn alles gut läuft, könnte Ende 2016 das Theatergebäude saniert oder neu gebaut sein.

Zum Entschluss, das Theater sofort für den Publikumsverkehr zu schließen, habe es keine Alternative gegeben, sagte Intendant Thomas Ott-Albrecht: „Diese Entscheidung hat sich keiner leicht gemacht.“ Dass es hier und da im Theater knarrt und knarzt, es also Probleme mit dem alten Bau gebe, sei länger bekannt gewesen. Rolf Christiansen: „Altbauten haben so ihre Eigenarten.“ Deshalb habe es auch immer wieder Prüfungen gegeben.

Am Mittwoch spitzte sich die Lage zu. Mitarbeiter des Fachdienstes Bauordnung und ein Statiker nahmen die tragenden Balken unter dem Zuschauerraum der Hauptbühne in Augenschein. Was sie sahen, alarmierte die Fachleute: Ausgerechnet die Balken, die im Zuschauerbereich den Fluchtweg tragen sollen, sind so verschlissen, dass die Köpfe nicht mehr tragen.

Deshalb, so der Landrat, habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als das Haus sofort für den Publikumsverkehr zu sperren. Derzeit prüfen die Experten, ob die Theatergaststätte geöffnet bleiben kann – das aber nur, wenn es unbedenklich möglich ist. Neben Problemen mit dem Blitzschutz, der maroden Elektroanlage und dem Brandschutz setzte ein Wasserschaden den Brettern, die die Welt bedeuten, zu. Aus einer defekten Leitung sickerte Wasser in den Boden, in der Folge kam es zu Setzungen und Rissen.

Wie geht es nun weiter? Kreis, Land und Schwerin seien sich einig, den Weg „gemeinsam zu gehen“, so Christiansen. Der Landrat erwartet vom Land – wie zugesagt – finanzielle Unterstützung. Christiansen verwies auf die deutliche Aussage des Kultusministers in Höhe von drei Millionen, die dann aber im Theatervertrag nicht mehr auftauchte. Auch der Kreistag hat sich bereits klar zum Landestheater Parchim bekannt, auch zur Sanierungsabsicht. Unabhängig von der aktuellen Lage sei bereits ein Gutachten in Arbeit, das in sechs bis acht Wochen klären solle, ob und wie die Fritz-Reuter-Bühne im Gebäude in der Blutstraße arbeiten könne.

Die Sperre bedeute keinen Abbruch der Arbeit des Landestheaters, betonte Dr. Fritz-Detlev Witte: „Wir hoffen, dass nur vorübergehend das Licht ausgeht.“ Zum Beispiel gibt es ja heute einen Auftritt in Meyenburg. Witte appellierte an die Zuschauer, der immer wieder „zu Recht für ihre künstlerische und ambitionierte Leistung wertgeschätzten Truppe“ die Stange zu halten, auch wenn der klassische Spielort mit rotem Vorhang jetzt ausfalle. Die Stadt Parchim suche ebenfalls fieberhaft nach Ausweichmöglichkeiten.

Die Parchimer werden ihr Theater jetzt öfter in der Stadthalle erleben. Auch die Remise des Landrats werde gerade auf ihre Bühnen-Eignung geprüft. Ansonsten läuft das „Super-Ensemble“ (Thomas Ott-Albrecht) zur Höchstform auf. Statt einen Auftritt für Hagenower Schüler in Parchim zu streichen, fuhren die Theaterleute kurzerhand nach Hagenow. Wie sagte der Intendant: „Das Ensemble ist in der Stimmung: Jetzt erst recht.“


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