Stadtmuseum : Bauernküche und Audiostation

Die Bauernküchewird Bestandteil auch der neuen Ausstellung.
Die Bauernküchewird Bestandteil auch der neuen Ausstellung.

150 Jahre Geschichte der Landwirtschaft modern aufgemacht: Die dritte Ausstellungsebene des Stadt- und Regionalmuseums

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29. Juni 2016, 18:00 Uhr

Die neue Ausstellung im Stadt- und Regionalmuseum zur ländlichen Volkskunde, mit Schwerpunkt Gutswirtschaft und bäuerliches Leben in der Prignitz von 1810 bis 1960, also von der Zeit der Stein-Hardenbergschen Reformen bis zur Kollektivierung, kann Gestalt annehmen. Der Zuwendungsbescheid über 64 500 Euro, sprich 75 Prozent, des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung ist da (wir berichteten).

Wer kennt sie nicht die Bauernstube, die Küche, ausgestattet mit allen hauswirtschaftlichen Utensilien, und den alten Webstuhl – all das werde auch in der neuen Ausstellung unterm Dach seinen Platz haben, mit ins Neue eingebunden, wie es Museumsleiter Frank Riedel formuliert. Vom Charme Ende der 70er, den die bisherige Exposition vermittelte, werde man allerdings nur noch wenig spüren. Modern, unter Nutzung verschiedener Medien, soll nun der Spannungsbogen von 150 Jahren Landwirtschaftsgeschichte in der Westprignitz auf der dritten Ausstellungsebene nachgezeichnet werden, erläutert Frank Riedel das Konzept. Nicht nur das Dachgeschoss mit seiner Nutzfläche von 118 Quadratmetern, sondern auch der Museumshof mit Remise und Ziegelschuppen sollen dazu umgestaltet werden. Die Berufe des Schmieds und des Stellmachers, früher die wichtigsten in der Landwirtschaft, werden in der alten Schmiede und der Stellmacherei hier ihren Platz finden. Gleiches gilt für den Bestand an den sogenannten Feierabendziegeln, ein Sammelbegriff für handgefertigte, gestaltete Dachziegel. 120 Stück nennt das Perleberger Museum sein Eigen, hat damit brandenburgweit mit die meisten vorzuweisen, berichtet der Museumschef.

Was die Landwirtschaftshistorie angeht, will die Einrichtung sehr stark in die Region schauen, damit auch dem Namenszusatz „Regionalmuseum“ gerecht werden. Als Beispiele nennt Frank Riedel das Gut Groß Pankow, den Brüning-Hof in Hohenvier sowie Kyritz – der Ort, an dem am 3. September 1945 die Bodenreform ausgerufen wurde. Mit der Geschichte von und über Wilhelm Brüning, der von 1896 bis 1978 lebte und in Hohenvier bis zu seiner Flucht in den Westen einen großen Hof bewirtschaftete, wird unter anderem diese Zeit lebendig, so Riedel. Zeitzeugen, die als Bauer durch die Bodenreform enteignet wurden oder als Flüchtling von dieser profitierten – auch sie sollen Bestandteil der neuen Exposition werden.

Eng arbeite man zudem mit dem Gottfried-Arnold-Gymnasium zusammen. Schüler werden in Rahmen von Belegarbeiten aus ihrer Sicht die Kollektivierung aufarbeiten.

Und auch jener Teil des Dachgeschosses, der nicht begehbar ist, verspreche im wahrsten Sinne des Wortes ein Hingucker zu werden. Hier wird die Besucher eine Art kleines Kino erwarten – ein Feld kurz vor der Ernte, einblenden kann man sich die unterschiedlichen Zeithorizonte der Entwicklung der Landwirtschaft.

Zur Museumsnacht am 30. Oktober wolle man möglichst die ersten Ergebnisse präsentieren, fertig werden soll die letzte Ausstellungsebene bis spätestens Ende 2017. So fordert es der Zuwendungsbescheid.  

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