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Der Prignitzer

24. Oktober 2017 | 11:49 Uhr

Landwirtschaft : Bauern wollen Biber jagen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Reinhard Jung spricht über wachsende Populationen, die Sorge vor den Wölfen und ein Vorkaufsrecht für ortsansässige Landwirte

von
erstellt am 25.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Der Biber muss bejagt, der Wolf zumindest sehr genau beobachtet werden und ortsansässige Bauern sollten ein Vorkaufsrecht für landwirtschaftliche Flächen bekommen. Der Bauernbund Brandenburg ist mit seinen Forderungen nicht zimperlich. Darüber sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit dem Geschäftsführer Reinhard Jung aus Lennewitz.

Herr Jung, weder der Bauernbund noch Sie sind dafür bekannt, ein Freund von staatlichen Eingriffen zu sein. Und doch fordern Sie ein gesetzlich verankertes Vorkaufsrecht zugunsten ortsansässiger Landwirte. Ist das nicht ein bisschen zu viel Eingriff in den freien Markt?
Reinhard Jung: Wir sind nicht generell gegen staatliche Eingriffe, aber wollen so wenige wie möglich. Das Vorkaufsrecht zugunsten von Landwirten gibt es ja schon lange – nun geht es darum, es zu präzisieren.

Wenn jemand in der Prignitz Landwirtschaft betreibt und die Eigentümer sitzen ganz woanders, wie etwa die KTG Agrar mit Standort in Putlitz, dann sollten solche Firmen beim Landkauf nicht mehr begünstigt sein. Wir wollen das Vorkaufsrecht auf ortsansässige Landwirte begrenzen, unabhängig davon, ob diese als Familienbetrieb wirtschaften oder als Agrargenossenschaft.
Sie haben Ihre Liste aktualisiert, nach der in Brandenburg bereits 112  000 Hektar nicht mehr durch brandenburgische Landwirte bewirtschaftet werden. Sind Ihnen auch in der Prignitz neue Investoren bekannt geworden?
In unserem Landkreis die dänischen Unternehmer Lund und Törnes, die einen Betrieb in Seefeld bei Pritzwalk haben, außerdem die Firmengruppe Emsland-Stärke in Wutike im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Oft geschehen diese Übernahmen im Verborgenen.
Wie realistisch sehen Sie die Chancen, Ihr Vorhaben politisch durchzusetzen?
Schwer zu sagen. Die Opposition unterstützt uns, Landesregierung und Bauernverband bremsen. Jetzt will Minister Vogelsänger abwarten, was die nächste Agarministerkonferenz am 20. März sagt. So vergeht Jahr um Jahr...
Was können Landwirte selbst gegen solche Investoren unternehmen, falls die Politik Ihrer Forderung nicht nachkommt?
Informieren und Aufklären. Dafür hat der Bauernbund die Broschüre „Mein Land“ herausgebracht. Darin informieren wir Grundstückseigentümer, was alles beim Verpachten von Land zu beachten ist. Themen sind unter anderem Pächterauswahl, Bodenqualitäten, Vertragsrecht, Laufzeiten und Preise.
Wenn es um Biber und Wolf geht, mischen Sie sich ebenfalls in die Politik ein. Jetzt fordern Sie eine Bejagung der Tiere. Warum?
Weil sich diese geschützten Arten inzwischen in einer Größenordnung vermehrt haben, auf jeden Fall beim Biber, die keinen Schutz mehr rechtfertigt. Beim Wolf sind wir bald soweit, wenn der Bestand nicht irgendwann wieder runter reguliert wird.

Wir sind nicht gegen Artenschutz. Das Problem ist nur, dass bisher niemand gegensteuert, wenn dieser zu erfolgreich war.
Naturschützer sehen das anders.
Die haben ja auch nicht den Schaden. Der Biber setzt Grünland- und Ackerflä-chen unter Wasser, indem er Dämme baut und Böschungen unterhöhlt. Außerdem ist es fast unmöglich geworden, an Wasserläufen junge Bäume zu pflanzen.

Wenn ich sehe, was für schöne Eichen der Biber bei uns in der Lennewitzer Flur umgenietet hat, tränen mir die Augen. Ich weiß auch nicht, was Naturschützer darin noch Gutes erkennen können.
Für Biber und Wolf gibt es Managementpläne. Müssten die dann überarbeitet werden?
Ja, diese Pläne gibt es, aber sie sehen keine Regulierung der Bestände vor. Offensichtlich bezieht sich der Begriff Management dabei nicht auf Biber und Wolf, sondern auf die geschädigten Landwirte beziehungsweise Weidetierhalter.

Almosen gegen Klappe halten. Aber das lassen wir uns nicht mehr gefallen.

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