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Debatte um Zukunft der Landwirtschaft : Bauern in der Biosphäre murren

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landwirtschaftskonzept des Pflege und Entwicklungsplanes des Biosphärenreservates birgt noch viel Konfliktpotenzial

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Sie wirkten nicht unzufrieden, die Vertreter der noch 165 Agrarbetriebe, die im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg wirtschaften, als sie zum Workshop nach Wittenberge kamen. Vorgestellt wurde der Fachbeitrag Landwirtschaft des Pflege- und Entwicklungsplanes des Reservates, der Leitlinien für die nächsten zehn Jahre vorgeben soll. Doch mit voranschreitender Vortragsdauer änderte sich die Stimmung. Schnell kamen zum Teil hitzige Diskussionen auf.

So wurden Kommunikationsprobleme mit den Flächenbewirtschaftern deutlich. Von der Erfassung der Wiesenbrüter wie Kiebitz und Bekassine auf Agrarflächen und dem dazugehörigen Melde- und Prüfverfahren hatten einige Landwirte noch nie gehört, wollten zunächst einmal informiert werden. Nächster Kritikpunkt waren die Flächenangaben und weitere statistische Zahlen „Die können nicht stimmen“, befand Christina Stettin, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Vertreter des Biosphärenreservates räumten Erfassungsprobleme ein, die Daten würden auch vom Landwirtschaftsamt des Kreises nicht speziell für das Biosphärenreservat erhoben, das erschwere natürlich die Arbeit am Konzept.

Die heftigsten Diskussionen riefen aber die vergleichsweise allgemein formulierten Vorgaben hervor. So war im Entwurf von landschaftsverträglicher und nachhaltiger Landwirtschaft mit entsprechend umweltverträglichen Tierbeständen die Rede. Konkrete Vorgaben beispielsweise zum Tierbestand je Hektar fehlten aber. Angesichts seit Jahren sinkender Tierbestände im Bereich des Biosphärenreservates und des Landkreises fragten mehrere Landwirte nach, was im Plan konkret gemeint sei. Landschaftsplaner Andreas Langer, der den Entwurf maßgeblich mitgestaltet hatte, verwies auf unterschiedliche Ertragspotentiale und die Förderbedingungen in Brandenburg. Im Landkreis werden 0,47 Großvieheinheiten je Hektar gehalten.

Cornelia Karlstädt, Mitglied im Kuratorium des Biosphärenreservates und Vertreterin des Wirtschaftsministeriums, verwies darauf, dass bei der Förderung des ökologischen Landbaus kürzlich die Bestandszahl von 0,3 auf 0,5 erhöht worden sei. Das könnte bedeuten, dass sogar noch Tiere zugekauft werden müssten. Aber auch die „Verteufelung“ des Rapses kritisierte Cornelia Karlstädt. „Es gibt ein erhebliches Konfliktpotenzial mit dem Biosphärenreservat“, konstatierte Christina Stettin. Das könnte zum Problem bei der Umsetzung des Pflege- und Entwicklungsplanes werden, denn 51,8 Prozent der Flächen des Biosphärenreservates werden landwirtschaftlich genutzt, davon 54 Prozent für Grünland und 46 Prozent für Ackerflächen. Der Anteil des ökologischen Landbaus beträgt 26 Prozent, die anvisierte Erhöhung auf auf 50 Prozent in zehn Jahren bezeichnete selbst Konzeptautor Langer als kaum erreichbar.

Auf jeden Fall, ohne Fördermittel gehe nichts bei einer Landwirtschaft, wie sie sich das Biosphärenreservat vorstelle, betonten mehrere Landwirte. Ein Ausgleich für zum Teil ertragsschwache Flächen und die naturschutzbedingten Einschränkungen sei allein über regionale Produktions-, Vermarktungs- und Wertschöpfungsketten nicht zu erreichen.

Als erhaltenswert sieht der Managementplan besonders die Brenndolden-Auenwiesen, die mageren Flachland-Mähwiesen, die Moorflächen und die nur noch punktuell anzutreffenden Stromwiesen an. Über ihren Erhalt sollen die Lebensräume der Kiebitze, Bekassinen, Rotschenkel und anderer Wiesenvögel dauerhaft bewahrt werden.

Bis 25. August können die Landwirte ihre Vorschläge und Kritiken an das Biosphärenreservat schicken. Am 30. August und 11. September gibt es jeweils um 10 Uhr weitere Workshops zu dem Thema in Rühstädt.

 

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