Bauchentscheidung für Campingplatz

Siegmar Beck ist Pächter des  Campingplatzes am Rudower See, bis die Stadt einen Käufer gefunden hat. Torsten Gottschalk
Siegmar Beck ist Pächter des Campingplatzes am Rudower See, bis die Stadt einen Käufer gefunden hat. Torsten Gottschalk

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10. Mai 2013, 06:31 Uhr

Lenzen | Der idyllisch gelegene Naturcampingplatz am Rudower See bei Lenzen hat einen neuen Pächter. Vorerst bis zum Jahresende übernimmt Siegmar Beck aus Osterburg die Bewirtschaftung des rund 2,3 Hektar großen Areals in Eigenverantwortung. Damit tritt er die Nachfolge von Christoph Weidlich an, der das Areal zu einem vom ADAC mit vier Sternen angepriesenen Platz entwickelte, dann aber nach einem verlorenen Prozess gegen die Stadt um ausstehende Pachtzahlungen den Platz abgeben musste.

Für den 68-jährigen Beck, der früher im Außendienst tätig war und seit 1991 ununterbrochen selbst Dauercamper am so genannten See-Ende ist, war die Übernahme des Areals eine Bauchentscheidung. "Landschaftlich ist das hier nicht zu überbieten." Als die Stadt Lenzen nach der gerichtlichen Trennung vom vorherigen Pächter auf der Suche nach einem neuen Betreiber war, "habe ich meine Hilfe angeboten. Kurz darauf haben sie mich gefragt, ob ich den Platz nicht selbst übernehmen wolle", erzählt Siegmar Beck.

Nach einigen Tagen Bedenkzeit und der Abwägung aller Risiken stand sein Entschluss fest. "Wir als Dauercamper wollten, dass es hier weiter geht. Alle, Dauercamper und Bekannte, haben mir zur Übernahme geraten, mir ihre Unterstützung zugesagt." Vor allem Heinz Ehrlich und seine Frau aus Dresden lassen seitdem Taten folgen. "Sie unterstützen mich tatkräftig", freut sich der Osterburger über die willkommene Hilfe. Denn noch gibt es einiges zu tun. Der Rasen muss kurz gehalten werden, zudem gibt es Probleme mit der Heizungs- und Telefonanlage.

Doch der neue Betreiber geht zuversichtlich an seine Aufgabe heran. "Ich glaube schon, dass ich das hier hinkriege. Es muss erst einmal wieder alles anlaufen, sich herumsprechen, dass es hier weitergeht", sagt Beck, der derzeit 28 Dauercamper beherbergt. Platz für 100 Stellplätze plus Flächen für Tagesgäste und Urlauber hätte er auf dem Gelände noch anzubieten. Und die ersten Anmeldungen für neue Dauerstellplätze sind bereits eingegangen.

Als absolut positiv sieht Ruheständler Beck den Rückbau des Zaunes im Bereich der Gaststätte durch den Stadtbetrieb im Frühjahr. "Damit ist der Strand wieder für jedermann zugänglich. Schade ist nur, dass der Bootssteg gesperrt wurde. Dadurch ist die Attraktivität gerade für angelwillige Kinder doch eingeschränkt", sagt Siegmar Beck, der bei Bedarf auch wieder den Bootsverleih anbieten möchte und mit dem Backofenfest am 15. Juni bereits die erste Veranstaltung auf dem Gelände plant. Zumindest für die Instandsetzung des maroden Bootsstegs werde derzeit nach Lösungen gesucht, signalisiert Stadtbetriebsleiter Torsten Jacob.

Lenzens Bürgermeister Christian Steinkopf ist froh darüber, dass der Stadt erst einmal weitere Kosten für den Naturcampingplatz erspart bleiben. "Wir freuen uns, dass sich jemand bereit erklärt hat, die Verantwortung für den Campingplatz bis zu dessen Veräußerung zu übernehmen", sagt das Stadtoberhaupt. Denn nach wie vor strebt die Stadt einen Verkauf des Areals an. "Eine Ausschreibung läuft. Das Mindestgebot beträgt 320 000 Euro zuzüglich Kosten für Notar und Grundbuchamt." Nach Informationen des Bürgermeisters hätten sich bisher 14 Bewerber gemeldet, von denen sich die Hälfte wieder zurückgezogen habe. "Die andere Hälfte hat sich noch nicht genau geäußert", sagt Steinkopf.

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