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Neuer Glanz für alte Kapelle : Barocker Putzbau wird „geliftet“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Freizeit Park Wittenberge GmbH ist Eigentümer der Klein Linder Kapelle und engagiert sich nun für die Sanierung

von
erstellt am 15.Sep.2014 | 22:43 Uhr

An der Kapelle in Klein Linde tut sich was: Hier begannen Arbeiten zur Bestandssicherung der Außenhülle des Denkmals. Die Kapelle soll, wie Freizeit-Park-Wittenberge-Geschäftsführer Lutz Lange sagt, nach ursprünglichem Vorbild wieder hergerichtet werden, also in der baulichen Ausführung von 1736. Die Freizeitpark GmbH ist Eigentümer des Bauwerks und der dazugehörigen Wiesen an der Stepenitz. Die Kapelle erhält wieder Putzgefache zwischen den dominierenden Pfosten mit einem Anstrich in Ocker. Der alles überdeckende Zementputz soll verschwinden.

Das Wittenberger Unternehmen bietet seit Jahren Kanutouren auf der Stepenitz an und nutzte das Areal an der Klein Linder Stepenitzbrücke als Pausenstation. Mit dem Erwerb des Klein Linder Grundstückes wurde der Rastplatz auf die Wiese unterhalb der Kapelle verlegt.

Rund 100 000 Euro Fördermittel stehen für die Bestandssicherung bereit. Mindestens die gleiche Summe muss die Freizeit Park GmbH beisteuern, damit die Außenhülle der Kapelle wieder in altem Glanz erstrahlen kann. Bis Ende dieses Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, so Lange. Später will man dann in dem Gebäude zwei Ferienwohnungen errichten, sowohl für interessierte Stepenitz-Kanuten als auch für Radwanderer, denn Klein Linde befindet sich direkt am Radwanderweg „Gänsetour“.

Bereits im vergangenen Jahr hatten junge Leute, die im Rahmen der brandenburgischen Jugendbauhütte ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, die Notsicherung der Kapelle unterstützt, im Erdreich abgefaulte Stützen zusätzlich gesichert. Zudem bauten sie Die Uhr der Kapelle ab. Sie soll in der Werkstatt der Jugendbauhütte in Heiligengrabe restauriert werden, ebenso weitere Inventarstücke aus der Kapelle.

Für Klein Linde hat die touristische Nutzung der Stepenitz und künftig auch der Kapelle noch einen Nebeneffekt. Die Freizeit Park Wittenberge GmbH traf mit dem Deutschen Orden, der in Klein Linde eine Einrichtung für Suchtabhängige betreibt, eine partnerschaftliche Vereinbarung. Der Orden übernimmt Serviceleistungen für die Touristen und bietet Produkte aus dem eigenen Hofladen an.


Die Kapelle und ihre lange Geschichte


Erbaut wurde die Klein Linder Kapelle 1736. Veranlasst hat den Bau seinerzeit der Patron Siegmund Seebald, Zoll- und Salzdirektor in Wittenberge. Er hatte das Gut Klein Linde wenige Jahr zuvor erworben. Als verputzter zentraler Fachwerkbau errichtet, verfügte die Kapelle über einen annähernd quadratischen Grundriss mit einem mittig angeordneten Glockentürmchen, dessen Dach mit Schiefern gedeckt war. Damit, so sagen Fachleute, sei die Kapelle der einzig barocke Putzbau der Prignitz gewesen.

In der Gruftkapelle fanden später Mitglieder der Familien Seebald und von Karstädt ihre letzte Ruhestelle. In den 1930er Jahren erhielt das Bauwerk Zementputz – wie eine zweite Schale als Schutz. Weitere Sanierungen gab es nicht. 1946 kam die Kapelle als Teil des aufgelösten Gutes in staatlichen Besitz. Da sie nicht mehr genutzt wurde, verfiel sie zusehends.

In den 1990er Jahren folgten Notsicherungsmaßnahmen. Dafür engagierte sich vor allem der Landkreis Prignitz. Doch für eine Grundsanierung fehlte das Geld. 2003 wurde die Kapelle mit dem dazugehörigen Land von der Bodenverwaltungs- und -verwertungsgesellschaft GmbH (BVVG), einer Treuhandnachfolgegesellschaft, an den Naturschutzfonds Brandenburg übertragen. Der Fonds fühlte sich dem maroden Denkmal jedoch nicht gewachsen und gab Kapelle samt dazugehörigen Grundstücks an die BVVG zurück.

Danach wurde die Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) Eigentümerin der Immobilie und suchte einen Interessenten für Kapelle und Grundstück. Unter den Bewerbern befand sich auch der Dorf- und Förderverein Klein Linde. Er erhielt den Zuschlag, wollte die Kapelle sanieren, damit sie touristisch genutzt werden kann. Dem vergleichsweise kleinen Verein fehlte dann aber Eigenkapital, um Fördermittel in Anspruch nehmen zu können.


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