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Elblandfestspiele : „Barcelona“ – Bravissimo!

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Britische Sommernacht am Elbufer wird zu einem musikalischen Genuss für die Besucher

von
erstellt am 17.Jul.2016 | 20:00 Uhr

Mehr Schwung, mehr Farbe, mehr Show und eine Musikauswahl, die die Herzen des Publikums schon beim ersten Titel „Ob-la-di, ob-la-da“ im Sturm erobert. Die 17. Elblandfestspiele in Wittenberge hielten, was sie im Vorfeld versprachen: eine British Summer Night am Elbufer. Die Gala-Abende am Freitag und Sonnabend bliesen mit ihrem voluminösen Musikrausch den leicht angestaubten Eindruck des vergangenen Jahres hinweg, der sich in der Erinnerung mancher Besucher festgesetzt hatte.

Bravo-Rufe und Szenenapplaus im Wechsel. Gespenstische Stille kurz vor Ende der ersten Hälfte: Mit „Barcelona“ setzen Mirjam Miesterfeld und Johnny Zatylny einen der großen Höhepunkte. Ihr Duett des Originals von Freddie Mercury und Montserrat Caballé sorgt für Gänsehaut auf der Ölmühle.

Ganz besonders Mirjam Miesterfeld zählt zu den großen Überraschungen der diesjährigen Festspiele. Ob beim „Hallelujah“ aus Händels Messias, im Lloyd-Webber-Musicalblock oder als Solistin mit „Skyfall“ aus dem gleichnamigen James-Bond-Film – die Förderpreisträgerin der Lotte-Lehmann-Woche Perleberg aus 2012 überzeugt musikalisch und im Spiel mit dem Publikum.

Überhaupt das Publikum. Dieses ist ja eher als reserviert bekannt. Aber in diesem Jahr schunkelt, singt und lacht es mit den Künstlern zusammen. Das liegt einerseits fraglos an der glänzend aufgelegten, mit Witz und Charme überzeugenden Moderatorin Madeleine Wehle und den vielen bekannten Melodien. Andererseits ist das Publikum von Beginn an involviert.

Die Suche nach den verschwundenen Beatles-Noten für das große Finale zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Madeleines Wehles Hilferuf aus der Londoner Telefonzelle und das mit dem Ermittlerduo vorfahrende schwarze Taxi „black Cab“ sorgen für Bewunderungsrufe.

Das Orchester gibt sich unschuldig, Schlagerstar Ireen Sheer entzieht sich entrüstet ihrer Verhaftung als Tatverdächtige, so dass Sherlock Holmes und Dr. Watson ihre Ermittlung vor der Bühne fortsetzen. Mit Riesenlupe und Fernrohr schleichen sie durch die Reihen der Gäste. Die Beweise eindeutig, der Fall abgeschlossen: Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann ist der Tat überführt. Das als versierter Redner bekannte Stadtoberhaupt holt einmal tief Luft und stimmt „Yesterday“ an, kauft und singt sich damit frei.

Ganz ohne Nebel und Regen neigt sich die britische Sommernacht ihrem Ende entgegen. Dem Countertenor Hagen Matzeit hätte mancher Gast gern länger zugehört, den schnellen Schritten der Berlin Irish Dance Company länger zugeschaut. Während man im vergangenen Jahr die Auftritte des Fernsehballetts weitgehend vermisste, sind die Damen und Herren des Showballetts Energy Dancers fast pausenlos auf der Bühne – eine Entscheidung der Programmgestalter, die schon in der Pause allseits gelobt wird.

Einen Sonderapplaus hat sich das Filmorchester Babelsberg verdient, vor allem Dirigent Robert Reimer. Für jeden Scherz ist er zu haben. Bei Ireen Sheers A capella zu „Amazing Grace“ stoppt Reimer seine Musiker, die schon die Instrumente angesetzt hatten, so dass Ireen Sheer bis zur letzten Strophe die Bühne allein gehört. Und als zum großen Finale alle Mitwirkenden gemeinsam „Wittenberger Luft“ singen, übernimmt Robert Reimer fast die Solistenrolle. Den Text habe er zuvor extra gelernt.

 
Seiten 10 und 11

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