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Bahnhof Weisen : „Bahnverkehr ist Daseinsvorsorge“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landtagsabgeordneter Michael Jungclaus informierte sich über Chancen des Bahnhofs in Weisen

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 22:00 Uhr

Gerade kommt er aus Liebenthal. Michael Jungclaus, für die Grünen Mitglied im Brandenburgischen Landtag, sitzt im Moment viel in Nahverkehrszügen. Torsten Jacob, Verwaltungschef im Amt Bad Wilsnack/Weisen und Gemeindevertreter Bernd Schiefelbein holen ihn vom Bahnhof Weisen ab. „60 bis 70 Bahnhöfe der Kategorie D habe ich bisher besucht, das sind die mit weniger als 50 Einsteigern pro Tag.“

Der Grund für seine Odyssee: Im Nahverkehr bestimmt das Land, welcher Zug wo lang fährt und wie oft. Jungclaus befürchtet, dass kleine Bahnhöfe aus Kostengründen von der Landesregierung abgewickelt werden könnten.

„Brandenburgs Minister für Ländliche Entwicklung, Jörg Vogelsänger, hat kürzlich noch einmal gesagt, dass keine Mehrbestellungen von Streckenkilometern ohne Kürzungen an anderer Stelle erwartet werden dürfen“, so Jungclaus. Für Brandenburg könne das heißen, dass mehr Verkehrsleistung im Berliner Speckgürtel gebündelt wird und die ländliche Region das Nachsehen hat. Jungclaus gibt zu bedenken: „Wo Bahnhalte sind, siedeln sich Menschen und Unternehmen an, zudem kostet ein Bedarfshalt wie in Weisen das Land immer das gleiche Geld, ob der Zug nun hält, oder nicht.“

Ungefähr 430 Millionen Euro an Regionalisierungsmitteln fließen pro Jahr nach Brandenburg, daraus muss das Land seinen Nahverkehr auf der Schiene stemmen. „2016 gibt es noch etwas mehr, danach führt der sogenannte Kieler Schlüssel dazu, dass wir weniger Geld zur Verfügung haben“ bemerkt der Grünen-Politiker. Man brauche das Geld, weil die Fahrkartenverkäufe nur einen Teil der Gesamtkosten abdecken.

Noch fährt von Weisen unter der Woche stündlich und am Wochenende alle zwei Stunden ein Regionalzug der Linie 6 nach Berlin-Spandau. Lohnt sich das noch? „Werktags sind es 30 Einsteiger, am Wochenende 10 pro Tag“, so Jungclaus, aber man könne „den ländlichen Raum nicht nur nach wirtschaftlichen Kriterien messen. Nahverkehr ist Daseinsvorsorge“.

Weisens Bürgermeister David Leu (CDU) nimmt den Landtagsabgeordneten in die Zange. „Wir müssen weg vom Besitzstandsdenken und für Weisen stärker die Taktung ins Auge nehmen. In der Woche kann man tagsüber durchaus einige Fahrten ausfallen lassen, da sitzt kein Mensch drin. Dafür muss in den Randzeiten mehr passieren zum Beispiel am Wochenende.“

Auch Gemeindevertreterin Petra Woith meint: „Es wird doch einmal im Monat möglich sein, einen Nachtzug am Wochende fahren zu lassen.“ Sie war im letzten Testzug dabei, mit dem die Auslastung auf der Strecke Berlin-Wittenberge getestet wurde. Man habe sich in der Bahn umgehört, wann zum Beispiel am Wochenende idealerweise der letzte Zug aus Berlin zurückfahren solle. „Die Leute meinten, 0.30 Uhr sei optimal, dann könne man Kultur in Berlin erleben, und müsse dort nicht übernachten, das können sich viele nicht leisten.“ Und trotzdem haben die Testfahrten für Woith einen Nachgeschmack hinterlassen: „Die Anreise für den Testzug erfolgte über Spandau, weil am Hauptbahnhof in Berlin kein Nahverkehr fahren durfte. Trotzdem war der Zug rappelvoll. Alles wurde hinterher kleingeredet. Uns wurde gesagt, wir hätten die Leute da hin geprügelt um diesen Zug vollzumachen.“

Abgeordneter Jungclaus gibt zu bedenken, dass im Landtag durchaus besprochen werde, ob diese Ergebnisse aus den Testzügen belastbar seien und eine dauerhafte Bestellung rechtfertigen. Es werde weitere Testfahrten geben. „Für den 14. Oktober ist ein Zwischenstandsbericht geplant“, so Jungclaus.

 

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