Prignitz-Konzept für Nahverkehr : Bahnstrecken-Aus vorerst abgewendet

Am Bahnhof Meyenburg halten auch künftig Züge.
Am Bahnhof Meyenburg halten auch künftig Züge.

Zwischen Pritzwalk, Neustadt (Dosse) und Meyenburg rollen weiter Züge / Landräte und Verkehrsminister einig über Streckenerhalt

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05. Februar 2014, 22:00 Uhr

Im Nordwesten Brandenburgs kann aufgeatmet werden: Zwei Regionalbahnen, deren Betrieb sich kaum noch lohnt, bleiben vorerst erhalten. Auf den Strecken RB 73 zwischen Neustadt (Dosse) und Pritzwalk und RB 74 von Pritzwalk nach Meyenburg fahren weiter Züge.

In dem am Mittwoch unterzeichneten „Prignitz-Konzept“ für den öffentlichen Personennahverkehr vereinbarten das Land und die beiden betroffenen Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin ihren finanziellen Beitrag für den weiteren Betrieb. „Viele Akteure haben engagiert für ihre Bahn gekämpft“, sagte Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD). Es sei gelungen, Alternativen zu finden. Die Region werde nicht vom Bahnverkehr abgeschnitten.

In den vergangenen Jahren waren die Zahlen der Fahrgäste immer weiter zurückgegangen. Durch den Ticketverkauf konnte nur ein geringer Teil der Kosten gedeckt werden. Betreiber ist derzeit die Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP).

Gegen das drohende Aus wegen Unrentabilität hatten betroffene Prignitzer protestiert. Kritisiert wurden nicht nur Einschnitte im Verkehrsangebot. Auch verschandelten nicht mehr genutzte Bahnhöfe das Stadtbild. Zudem würden einmal stillgelegte Eisenbahnstrecken kaum wieder aktiviert. Der Landkreis Prignitz hatte in seinem jüngst vorgestellten Nahverkehrsplan Wert darauf gelegt, dass durch die Strukturierung der Buslinien keine Konkurrenz für die Bahnstrecken entsteht und die Bahnhöfe bestmöglich ins Netz eingebunden werden.

Finanzminister Christian Görke (Linke) versicherte, er werde das Verkehrsministerium dabei unterstützen, den noch fehlenden Betrag durch das Land bereitzustellen. In diesem Jahr sichert das Land die Finanzierung allein. 2015 tragen das Land drei Viertel und die Landkreise den Rest der Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Ab 2016 werden über einen Wettbewerb die Linien wieder ausgeschrieben. Es ist noch zu klären, ob die Aufträge für fünf oder zehn Jahre vergeben werden.

Unbedingt notwendig sind laut einem Gutachten Investitionskosten zum Erhalt der Bahnstrecken in Höhe von 3,1 Millionen Euro. So soll – mit Fördermitteln vom Land – ein neuer Umsteigepunkt zwischen Bus und Bahn in Kyritz-Nord entstehen.

Im Norden der Prignitz atmen vor allem Industriebetriebe auf. Der Bahnanschluss sei für den Betrieb essenziell, erklärt der Falkenhagener Biodieselhersteller gbf GmbH. Das Aus für den Personenverkehr wäre einem Aus für die Strecke insgesamt gleichgekommen, da auch die Unterhaltung eingestellt worden wäre.
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