Bahnstraße: Schummerlicht spart

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31. Januar 2013, 07:48 Uhr

Wittenberge | Dörte Woitke und Julia Freuck blicken erstaunt auf die Straßenleuchte über sich. Nein, sagen die beiden jungen Frauen, ihnen ist nicht aufgefallen, dass deren Licht gedimmt ist. "Alle Lampen hier in der Straße sind an, man kann was sehen. Das ist doch in Ordnung", sagen sie. So wie diesen beiden auswärtigen Passantinnen wird es auch sehr vielen Wittenbergern gehen. Sie haben bis heute nicht gemerkt, dass die Leuchten in der Bahnstraße nicht mehr ganz so hell scheinen, wie sie es könnten.

Die Stadt dimmt, spart Strom und damit Kosten. Seit Mai wird das nun schon in der Bahnstraße praktiziert. Der Erfolg zahlt sich in klingender Münze aus, informierten Bauamtsleiter Martin Hahn und Amtsmitarbeiter Harald Schulz in dieser Woche den Bauausschuss, der sich für dieses Projekt ausgesprochen hatte.

Wenn in der Bahnstraße mit hereinbrechender Dunkelheit die Natriumdampflampen angehen, dann verbreiten sie weniger Licht als eigentlich möglich wäre. Zu später Stunde, wenn kaum noch Leute auf den Straßen sind, wird die Lichtleistung noch einmal herunter geregelt. Die Straße wird nicht mehr beleuchtet, sondern eigentlich nur noch beschummert.

Beklagt hat sich bisher noch niemand darüber. "Ich denke, diese Lösung ist besser, als wenn wir einige Leuchten ganz abschalten würden. Die Straße hat keine schwarzen Löcher", bewertet der Bauausschussvorsitzende Karsten Ko rup diese Art des Stromsparens. Dimmen komme dem Sicherheitsbedürfnis der Leute wesentlich entgegen.

Dass die Reduzierung der Lichtleistung, wie sie seit neun Monaten in Wittenberge erfolgt, eigentlich nicht das klassische Dimmen ist, wie es die Techniker verstehen, erklärt die Fachfirma Erdmann. Über Frequenzveränderungen (anheben und absenken) werden die Natriumdampflampen angesteuert. Bei einer 30 bzw. 60 prozentigen Absenkung der Lichtleistung liege die reale Einsparung auch wirklich in dieser Größenordnung. "Das technische Verfahren, wie wir es für unsere Straßenbeleuchtung verwenden, hat mit dem Dimmen, wie die meisten es von ihrer Beleuchtung zu Hause kennen, nichts zu tun", erklärt Harald Schulz vom Stadtbauamt. Gemeinsam mit der Firma Erdmann hebt er einen weiteren Punkt hervor, der für die hier favorisierte Lösung spricht. Die Leuchtmittel, also die Natriumdampflampen, mussten nicht durch andere Birnen ersetzt werden. Alle technischen Veränderungen, die notwendig waren, konnten im Schaltkasten vorgenommen werden. In vier bis fünf Jahren, so die Schätzungen der Fachfirma, wird die Investition sich durch die Strom- und damit Kosteneinsparung amortisiert haben. Dann fängt das richtige Sparen an.

Im Bauamt liegt die erste Abrechnung vor. Sie umfasst den Zeitraum ab Mai. Die Wintermonate zu Jahresbeginn 2012 sind also noch gar nicht erfasst. "Wir haben zirka 3200 Euro gespart. Das ist doch erfreulich", wertet der Bauamtsleiter.

Wegen der technischen Voraussetzungen wird die Umrüstung auf das Dimmen mittels zerhackter Frequenzen, wie die Techniker den Vorgang beschreiben, nicht überall in der Stadt möglich sein. Am Bismarckplatz war es das. Seit Ende des Jahres ist dort die Straßenbeleuchtung herunter geregelt.

Die Perleberger Straße könnte als nächstes Projekt in Angriff genommen werden, sind sich Bauamt und Bauausschuss einig.

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