Wittenberger Denkmal : Bahnhofsgebäude ist ein Sorgenkind

Käufer gesucht fürs Wittenberger  Bahnhofsgebäude. Foto: Archiv
Käufer gesucht fürs Wittenberger Bahnhofsgebäude. Foto: Archiv

Stadt will sich als Mittler bei der Suche nach Nutzern für das Denkmalhaus einbringen. Sie will es aber nicht kaufen

svz.de von
20. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Bahn und Stadt unternehmen einen neuen Anlauf, für das denkmalgeschützte Empfangsgebäude auf dem Bahnhof wieder eine Nutzung zu finden. Dabei sieht die Kommune sich aber nicht als künftigen Eigentümer, sondern als Mittler, sagt Bürgermeister Dr. Oliver Hermann.

Die Bahn AG will sich schon seit Jahren von dem Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude trennen. Ende November hatten sich das Stadtoberhaupt und Dr. Joachim Trettin, Konzernbevollmächtigter der Deutsche Bahn AG für die Region Ost und die Länder Brandenburg sowie Mecklenburg, auch über die Zukunft des weitgehend ungenutzten Gebäudes verständigt (der „Prignitzer“ berichtete). „Am liebsten ist uns ein Verkauf an Kommunen“, sagte Dr. Trettin der Redaktion mit Blick auf zahlreiche nicht mehr benötigte Empfangsgebäude und begründet, „dass uns als Bahn ordentlich erhaltene und genutzte Gebäude auf den Bahnhöfen wichtig sind, auch wenn sie uns nicht mehr gehören“. Über Jahre hat die Bahn die von ihr ausgemusterten Empfangsgebäude an den Strecken an sogenannte Fonds verkauft. Die Erfahrungen seien nicht wie erwartet.

Der Konzernbevollmächtigte schloss gegenüber der Redaktion nicht aus, dass eine Veräußerung an die Stadt Wittenberge möglich sei. Der Bürgermeister sieht die Rolle der Kommune anders: „Im Idealfall findet sich ein Eigentümer, der das Haus nutzt und sich für Mitnutzer stark macht.“ Hermann sagt aber auch, dass angesichts der positiven Entwicklung des gesamten Areals am Bahnhof für das Empfangsgebäude eine langfristig tragfähige Perspektive gefunden werden muss und kann. Die Stadt sei zwar nicht der Eigentümer, aber sehr daran interessiert, „dass ein Konzept auf die Beine gestellt wird“. Da wolle sich die Kommune einbringen, „denn einer muss den Anfang machen“. Er gehe davon aus, so der Bürgermeister, dass es keine kurzfristige Lösung geben wird.

Für die ersten Wochen im Jahr haben sich die Stadt und die Bahn zu einem nächsten Treffen verabredet. „Bis dahin werden wir genau analysieren, was wo an Fläche zur Verfügung steht, welche Mieter sich zu welchen Konditionen im Gebäude befinden“, kündigte Dr. Trettin an. Die Bahn selbst nutzt in dem Haus noch einige technische Anlagen, die bleiben sollen.


Beispiel Stendal


Ein Beispiel dafür, wie ein umgenutztes Bahnhofsgebäude aussehen kann, findet sich im 50 Kilometer entfernten Stendal. In der Empfangshalle haben sich ein Bistro, ein Café, ein Zeitungsanbieter, ein Blumenhändler etabliert. Dort findet sich außerdem noch ein Bankautomat. Im Obergeschoss hat eine Zeitarbeitsfirma Büros angemietet.

Nach Recherchen des „Prignitzers“ gehört das Stendaler Gebäude noch immer dem Bahn-Konzern. Es gibt allerdings einen – vielleicht entscheidenden – Unterschied: Während der Wittenberger Bahnhof nach seinem Umbau im Konzern nur noch als Verkehrsstation deklariert ist, ist der Stendaler konzern-offiziell noch ein Bahnhof.

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