Bahn will Brückenweg schließen

<strong>'Die Elbe auf</strong> einer solchen Brücke zu überqueren, ist doch spannend', sagt diese Hamburger Familie. Sie ist auf dem Elberadweg unterwegs und hier an der Auffahrt zur Eisenbahnbrücke. <foto> Barbara haak</foto>
"Die Elbe auf einer solchen Brücke zu überqueren, ist doch spannend", sagt diese Hamburger Familie. Sie ist auf dem Elberadweg unterwegs und hier an der Auffahrt zur Eisenbahnbrücke. Barbara haak

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04. Juli 2012, 05:55 Uhr

Wittenberge | Seit Jahrzehnten nutzen Radfahrer und Fußgänger den separaten Weg neben den Schienen auf der Eisenbahnbrücke als schnelle Verbindung zwischen Wittenberge und den Altmarkdörfern auf der anderen Elbseite.

Der Weg über die Eisenbahnbrücke verbindet in dieser Region auch die links und die rechtsseitige Trasse des Elbefernradwegs.

Geht es nach der DB Netz der Bahn, ist damit jetzt endgültig Schluss. Zum 1. August will die Bahn den Weg dicht machen. Er soll dann nur noch als Inspektionsweg, für Wartungen und Instandhaltungen dienen, also innerbetrieblich genutzt werden. Bürgermeister Dr. Oliver Hermann bekam von der Bahn AG die Mitteilung per Brief. Das bestätigte das Stadtoberhaupt gestern auf Nachfrage des "Prignitzers".

Ist mit Beginn des nächsten Monats wirklich Schluss mit der Wegenutzung?

Dr. Hermann sagt: "Wir als Kommune werden alles tun, um das zu verhindern." Gegenüber dem "Prignitzer" wollte er gestern rechtliche Schritte nicht ausschließen. Der Bahn hat die Kommune ihre Position bereits mitgeteilt.

Neu ist das Problem für die Wittenberger nicht. Bereits vor fünf Jahren im Frühjahr 2008 hatte die Bahn angekündigt, dass mit der "bislang mehr oder weniger geduldete Nutzung" Schluss sein solle. Aus Sicht des Konzerns damals wie heute handelt es sich hier um eine Bahnanlage, auf der man auf eigene Gefahr unterwegs ist. Ein entsprechendes Schild an der Auffahrt zur Brücke auf Wittenberger Seite hat der Bahnkonzern aufstellen lassen.

Die Kommune bezieht eine rechtlich völlig andere Position, die Bürgermeister Dr. Hermann gestern gegenüber der Redaktion bekräftigte: Der separate Weg neben den Schienen sei als Fuß- und Radweg konzipiert worden, als die neue Eisenbahnbrücke in den 80er Jahren entstand. Hintergrund damals, so können sich am Bau Beteiligte noch erinnern, waren die Überlegungen, dass Beschäftigte in den zu DDR-Zeit existierenden Großbetrieben diese kurze Verbindung benötigen. Es handelt sich nach Auffassung der Wittenberger Kommunalbehörde also um einen öffentlichen Weg, der nicht einfach gesperrt werden kann. Eine Position, in der sich die Stadt mit dem Nachbarkreis einig weiß. "Wir handeln in Abstimmung mit dem Landkreis Stendal", sagt das hiesige Stadtoberhaupt.

Auch die Gesetzeslage scheint für Wittenberge zu sprechen: Der Paragraf 48 der Brandenburgischen Bauordnung besagt nämlich, dass alle öffentlichen Wege nach der Straßenverordnung der DDR heute als gewidmet gelten, und das unabhängig von der Eigentumsform.

Als die Stadt in Gemeinsamkeit mit dem Landkreis Stendal 2008 gegen die Absicht der Bahn protestierte, den Weg neben den Schienen zu schließen oder ihn mit allen Verbindlichkeiten den Kommunen zu übergeben, ließ der Konzern die Angelegenheit ruhen.

Für den Bürgermeister auch ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Kommune mit ihrer Position auf der rechtlich sicheren Seite befindet und damit Prignitzer, Altmärker sowie Radtouristen ungehindert über die Eisenbahnbrücke kommen.

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