Wittenberge : Bäume bereiten Sorgen

Nicht überall haben die Linden so viel Platz wie in Reetz.
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Nicht überall haben die Linden so viel Platz wie in Reetz.

Vor-Ort-Termin in der Juliusstraße / Abgeordneten geht es um grundsätzliche Lösungen für die Stadt

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16. Juni 2016, 04:45 Uhr

An die 60 Jahre haben die Linden in der Juliusstraße Zeit gehabt, zu stattlichen Bäumen heranzuwachsen. Und wie das nun mal ist, mit dem Wachsen kommen die Probleme. Die Wurzeln brauchen Raum, drücken Gehwegplatten und Bordsteine hoch. Hausbesitzer klagen, Wurzeln würden ins Mauerwerk eindringen.

Trotzdem: Als die Abgeordneten im Bauausschuss sich jetzt gemeinsam mit Mitgliedern aus der Baumschutzkommission in der Straße trafen, ging es nicht darum, ob die Bäume samt und sonders gefällt werden sollen oder nicht. „Obwohl wir nicht umhin kommen werden, sukzessive in der nächsten Zeit Bäume herunterzunehmen, wenn es Probleme gibt“, sagt Bauamtsleiter Martin Hahn.

Der Anlass für den Abgeordnetenbesuch in der Juliusstraße war grundsätzlicherer Natur. Hahn spricht von einer schwierigen Sachlage nicht nur in dieser Straße. Wie solle die Stadt beispielsweise verfahren, wenn Wurzeln Häuser beschädigen, wie mit den Gehwegen, wenn das Pflaster hochgedrückt wird? „Dazu müssen wir uns grundsätzlich verständigen und uns Positionen bilden“, so Hahn.

In der Juliusstraße hat das Bauamt in einigen Abschnitten den Gehweg repariert, neue Platten verlegt, die Baumscheiben vergrößert. Eine Lösung für die Zukunft? Hahn sagt: „Wir müssen von Fall zu Fall entscheiden, uns dabei auch immer die Frage stellen, wie wir die Verkehrssicherheit ohne Fällungen hinbekommen.“ Dabei spielen dann auch Dinge wie die notwendige Gehwegbreite eine Rolle, auf die beispielsweise Rollstuhlfahrer einen Anspruch haben.

Und die Juliusstraße ist in einem weiteren Zusammenhang exemplarisch. Dort, wo die Stadt Bäume fällen ließ, sind keine Bäume nachgepflanzt, sondern Gehwegplatten verlegt worden. Ist das eine Lösung für die Zukunft?


Konzepte müssen her


Hahn verdeutlicht die Problemstellung: Ersatzpflanzungen seien nur sinnvoll, wenn sie langfristigen Bestand haben. Langfristiger Bestand hieße, mindestens 15 bis 20 Jahre sollten die Bäume wachsen können, ohne dass die Straße erneuert werden müsse. Die Juliusstraße steht, um zu diesem konkreten Beispiel zurück zu kommen, auf der erst vor kurzem beschlossenen Prioritätenliste für den Straßenausbau auf Rang 9, wie der Bauamtsleiter die Abgeordneten informierte. Allerdings teilen sich allein diesen Rang sieben Straße. Vor der Juliusstraße stehen noch 23 Straßen mit einem höheren Sanierungsbedarf.

Bedenkt man, dass in den letzten fünf Jahren nicht einmal jedes Jahre eine Wegeverbindung der Listen abgearbeitet wurden, könnten unter diesem Gesichtspunkt Nachpflanzungen einen Sinn machen.

Die Meinungen der Abgeordneten zum Baumbestand in der Juliusstraße, und darauf beschränkte sich die Diskussion vor allem, gingen weit auseinander. Während Detlef Benecke (CDU) die Meinung vertritt: Bäume oder Menschen, die Leute ziehen hier weg, weil die Wurzeln ihre Häuser kaputt machen, plädierte Peter Awe, Mitglied der städtischen Baumschutzkommission, für ein konzeptionelles Herangehen. „Wir müssen uns darüber im klaren sein, ob wir ein grünes Wittenberge haben wollen und davon ausgehend Konzepte entwickeln.“ Frank Heinke, Stadtverordneter der Grünen/B90 und Mitglied der Baumschutzkommission, merkte als studierte Forstmann noch an, dass die Linden in der Juliusstraße mit ihren 60 Jahren gesunde Bäume sind. Marcel Elverich (SPD) möchte in die Entscheidung unbedingt die Anwohner einbeziehen.

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