Asyl im 220-Seelen-Dorf : Baek nimmt Flüchtlinge auf

Annette Matthiesen und ihre Tochter Lisa (l.) verständigen sich mit Susanne Seidel von der Awo darüber, wie privates Engagement vor Ort am besten koordiniert werden kann.  Fotos: Birgit Hamann (2)
Annette Matthiesen und ihre Tochter Lisa (l.) verständigen sich mit Susanne Seidel von der Awo darüber, wie privates Engagement vor Ort am besten koordiniert werden kann. Fotos: Birgit Hamann (2)

Stark besuchte Infoveranstaltung / Kritik an zu später offizieller Mitteilung / Einwohner möchten sich für die Neu-Bürger engagieren

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27. März 2015, 22:00 Uhr

Voll war das Dorfgemeinschaftshaus in Baek am Donnerstagabend. Kein Wunder, denn in einer Infoveranstaltung ging es um die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. Konkret sollen im 220-Seelen-Dorf 27 bis 30 Menschen untergebracht werden, die ersten voraussichtlich schon Ende April. Dafür stehen fünf Zweieinhalb- und zwei Vierzimmerwohnungen zur Verfügung, die derzeit nicht belegt sind.

Entscheidend für die Auswahl bestimmter Orte zur Flüchtlingsunterbringung sei deren Infrastruktur, erläuterte Bürgermeister Thomas Brandt. Kitas, nach Möglichkeit eine Schule, Einkaufsmöglichkeiten sollten da sein. Und natürlich leere Wohnungen, die man für die dezentrale Unterbringung der Menschen nutzen kann. All das sei in Baek vorhanden – und auch in Groß Pankow, allerdings dort kein leerstehender Wohnraum. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die Gemeinde Groß Pankow signalisiert, dass sie Hilfe anbieten wird, wenn Bedarf ist.

Und dieser wurde nun über den Landkreis angemeldet. Christian Müller, 1. Beigeordneter des Landrates, berichtete, dass man bereits seit 2009 Flüchtlinge im Landkreis nicht mehr zentral, an einem Ort, unterbringe. „Damit haben wir seinerzeit in Perleberg begonnen und seither ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, vor allem hinsichtlich der Integration dieser Menschen“, so Müller. Ebenfalls seit 2009 kümmert sich der Awo-Kreisverband als externer Dienstleister des Landkreises um die praktische Umsetzung der Unterbringung und um die Betreuung der Flüchtlinge, nutzt und knüpft Netzwerke. Für die Awo war Susanne Seidel in Baek vor Ort, stellte erste Kontakte zu Einwohnern her, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, konnte Vorurteile zerstreuen.

Mit denen indes sind die Baeker nicht unbedingt behaftet. Sie interessierten in ihren zahlreichen Nachfragen eher ganz praktische Dinge. Wie überwindet man die Sprachbarriere? Welcher Nationalität werden die Asylsuchenden sein? Werden sie sich hier für lange Zeit einleben oder doch relativ schnell woanders hingehen? Wie verpflegen sie sich und können sie mobil sein? Wie wird das Ganze finanziert? Christian Müller und Susanne Seidel konnten nahezu alle Unklarheiten beseitigen. Finanziell kommen auf die Gemeinde keinen Belastungen zu. Da Asylgesetzgebung und -verfahren Bundesaufgabe seien, zahlt auch der Bund. Unter dem Strich profitiere Groß Pankow sogar – die Wohnungen seien vermietet und man erhalte aufgrund der höheren Einwohnerzahl mehr Schlüsselzuweisungen vom Land, so Thomas Brandt.

Kritik wurde in Baek an der aus Sicht der Einwohner zu späten offiziellen Information über die Flüchtlingsaufnahme geübt. In einem Pressebericht aus der öffentlichen Sitzung eines Kreistagsausschusses wurde bereits vor Wochen über die mögliche Unterbringung. u. a. in Baek, berichtet. Zugleich artikulierten einige Baeker konkrete Unterstützungsangebote, so Karin und Dietmar Vollert oder auch Lisa und Annette Matthiesen – und erhielten Beifall von den Anwesenden. „Wir müssen auf die Menschen zugehen, können uns dem Ganzen nicht entziehen“, so Dietmar Vollert. Matthiesens würden in einem Anbau ihres Hauses gern einen Anlaufpunkt schaffen, eine Stelle, an der man z. B. ganz konkret mit Hausrat, Spielzeug, Büchern – oder aber eben auch mit menschlicher Wärme helfen kann. Ob tatsächlich Familien mit Kindern nach Baek kommen und woher sie stammen, ist noch nicht klar. „Da hängen wir von der zentralen brandenburgischen Aufnahmestelle in Eisenhüttenstadt ab“, sagte Christian Müller.

379 Asylsuchende leben derzeit im Landkreis, davon kamen allein in diesem Jahr 65. Bis Ende 2015 rechnet man für den Landkreis mit weiteren rund 330 Flüchtlingen.

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