Badewelt: Kein Geld für Liftreparatur

<strong>Für Gäste ohne</strong> Handicap ist der Saunabesuch kein Problem.
Für Gäste ohne Handicap ist der Saunabesuch kein Problem.

svz.de von
11. Januar 2013, 09:42 Uhr

Wittenberge | Freundlich und kompetent gibt die Dame Auskunft: Sagt dem Fragenden am Telefon, selbstverständlich sei die Prignitzer Badewelt auf Rollstuhlfahrer eingestellt und zählt auf, dass in dem Bad unter Glas für Menschen mit Handicap eine etwas größere Umkleidekabine vorhanden sei. Rollstuhlfahrer gelangen auch in die Schwimmhalle und per Behindertenlift ins Wasser. Bei der Frage nach der Sauna muss die freundliche Kollegin aber passen, verweist auf die Treppe.

Wer in der Badewelt schwitzen will, muss zuvor hochsteigen. Das kann aber nicht jeder. Der Lift ins Obergeschoss, wo sich auch eine Physiotherapiepraxis befindet, ist defekt. Für den Fragenden mag der Umstand neu gewesen sein. Für regelmäßige Besucher der Badewelt nicht. Zwei Jahre, wenn nicht sogar noch länger, steht der Fahrstuhl nun schon.

"Wir haben kein Geld, den Lift reparieren zu lassen", sagt unumwunden der Leiter des Kultur- und Tourismusbe triebes, Hans-Jürgen Döllefeld, als der "Prignitzer" wissen will, wann das für Behinderte nicht zu akzeptierende Ärgernis abgestellt wird.

Die stadteigene Prignitzer Badewelt gehört zum Verantwortungsbereich des Kultur- und Tourismusbetriebes. Die Betriebsführung haben die Stadtverordneten in die Hände der Bäder GmbH gegeben. Für die technische Unterhaltung des Hallenbades plus Sauna ist nach Döllefelds Worten der KSTW verantwortlich. "Wir bekommen aus dem Stadthaushalt jährlich einen Zuschuss von rund 424000 Euro. Davon müssen wir die Betriebskosten zu finanzieren", sagt Döllefeld.

Für die Stadt sind diese 424000 Euro sehr viel Geld, aber angesichts steigender Energie- und anderer Kosten reichen sie kaum. Der KSTW müsse sparen, wo er könne, so dessen Chef.

Deshalb habe sich der Betrieb auch schweren Herzens entschlossen, den Lift, der nach Auskünften des Betriebsführers sehr selten nachgefragt wurde und schon zu vorläufig kaputt war, "erst einmal still zu legen". Zu den Reparaturkosten will der Betriebschef sich nicht weiter äußern.

Im Raum steht aber eine Summe von 25 000 Euro. Die nämlich nennt der Betriebsführer als mögliche Reparatursumme. Badleiter Christian Maasch bestätigt, dass der Lift vor dem Defekt nur äußerst selten genutzt wurde und bringt mit Blick auf Rollstuhlfahrer einen weiteren Aspekt ins Gespräch. Die Saunalandschaft sei zwar mit einer Behindertentoilette ausgestattet und im Umkleidebereich genügend groß, aber die Türen zur Sauna selbst ist so schmal, dass Gäste im Rollstuhl sie nicht passieren können.

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