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Blaualgen-Plage in Lenzen : Badeverbot am Rudower See

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Reaktionen reichen von Kritik bis Überraschung. Ein Problem ist der Wald rund um das Gewässer

von
erstellt am 04.Aug.2016 | 21:00 Uhr

Das war’s erstmal mit dem Badevergnügen im Rudower See. Und das zur Hauptsaison. Blaualgen sind der Grund dafür, dass das Gewässer bis auf Weiteres vom Gesundheitsamt des Landkreises für Badegäste gesperrt ist (wir berichteten). Es bestehe die Gefahr, dass es zu Haut- und Schleimhautreizungen sowie Atemwegserkrankungen und Bindehautentzündungen kommen kann, so die Behörde. Mit einem Boot kann der See allerdings weiterhin befahren werden.

Campingplatzbetreiber Sigmar Beck kritisiert den Behördenentschluss. „Ich kann das Verbot nicht nachvollziehen. Es sah schon mal wesentlich schlimmer aus und da ist nichts passiert.“ Seit 26 Jahren betreibt er den Campingplatz, noch nie habe es ein Verbot gegeben. Das Areal am Leuengarten ist derzeit gut gebucht, mehrere Jugendcamps finden hier statt. Darunter auch das des „Effi“-Jugendzentrums aus Perleberg. „Wir haben es den Kindern erklärt und werden nun ein wenig umplanen“, sagt Kerstin Oesemann, Leiterin des „Effi“. Einige Meter weiter wissen René Hasselbrink und seine Familie aus Rostock noch gar nichts von dem Verbot. „Das ist nicht schön, gerade weil uns noch Freunde mit ihren Kindern besuchen“, so Hasselbrink, dessen Sohn sich auch in die Fluten stürzen wollte.

Marcel Bartoschewitz, der am Rudower See einen Wohnmobilstellplatz und das „Haus am See“ betreibt, hält sich mit einer Einschätzung zurück. „Ich kann das Thema nicht beurteilen. Wie sich das Badeverbot auswirkt, werden wir in den nächsten Wochen sehen.“ Einige Urlauber planten gestern kurzerhand um, so wie Erich Soth und seine drei Enkelkinder Frieda, Arthur und Ludwig aus Meyenburg. „Wir fahren jetzt an einen anderen See“, sagt der Rentner und lädt die Schwimmutensilien ins Auto. Die achtjährige Frieda findet das Verbot „ungerecht“. „Aber wir machen das Beste daraus“, meint sie.

Auf Seiten der Petrijünger macht man sich unterdessen noch keine großen Sorgen. „Für die Angler hat die Sperrung des Sees noch keine Auswirkungen“, erklärt Ralf Behrens vom Anglerverein Lenzen. Gerade in den Sommermonaten sei es bei steigenden Wassertemperaturen und geringerer Sauerstoffzufuhr im Rudower See schon immer zu Algenbildung und vereinzeltem Fischsterben gekommen. Allerdings will man das Gewässer, das vom Landesanglerverband Brandenburg gepachtet und bewirtschaftet wird, und den Fischbestand weiter „mit Argusaugen beobachten“. Wie Bernd Lindow, Leiter des Bereiches Natur- und Gewässerschutz beim Landkreis, auf Nachfrage erklärte, sei ein erhöhter Phosphor- und Nitratgehalt im Wasser der Grund dafür, dass sich so viele Algen gebildet hätten. „Mit einer kurzfristigen Besserung ist wohl nicht zu rechnen.“

Für Christian Steinkopf, Bürgermeister der Gemeinde Lenzen, hat sich das Problem in den vergangenen Jahren angebahnt. „Heute ist der ganze See von Wald umgeben. Das war früher nicht so. Die Folge ist, dass die Blätter aufs Wasser fallen, absinken und sich zersetzen. Das führt wiederum zu einer erhöhten Sauerstoffzehrung. So entstehen die Algen.“ Steinkopf plädiert gegenüber dem „Prignitzer“ dafür, einen 20-Meter-Abstand zwischen Wald und dem See zu schaffen.

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