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Bürgermeister in Lenzen zieht Konsequenzen : Badespaß an den Seen bald vorbei?

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Der erste Bürgermeister zieht Konsequenzen aus dem tödlichen Badeunfall vor zehn Tagen im Neuen Hennings Hof in Perleberg. So wurde gestern die achtarmige Krake an Land gezogen.

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erstellt am 16.Jul.2013 | 06:31 Uhr

Prignitz | Der erste Bürgermeister zieht Konsequenzen aus dem tödlichen Badeunfall vor zehn Tagen im Neuen Hennings Hof in Perleberg, bei dem ein 26-Jähriger ertrunken ist. So zog gestern Christian Steinkopf aus Lenzen am Badestrand am Rudower See die achtarmige Krake, ein aufgeblasenes Kletterspielzeug aus Plastik an Land. Er begründete es damit, dass Kinder auf der Krake gebalgt und ein schwächeres ins Wasser gestoßen hätten. Auch den Steg will er durch die Bauaufsicht des Landkreises begutachten lassen, ob der noch aktuellen Normen entspricht.

Ihm ist klar, dass andere die Krake für völlig harmlos halten und sie vermissen werden, doch er hat sich beim Kreis sogar erkundigt, ob der Badebetrieb überhaupt aufrechterhalten werden könne. Immerhin hatte Lenzen den Bademeister als Aufsicht abgezogen und ihm andere Aufgaben in der Stadt übertragen.

Steinkopf formuliert das Dilemma, vor dem er und seine Kollegen in den Kommunen mit Badestellen an Naturgewässern stehen. Sobald sie dort weitere Angebote oder Anlagen schaffen, machen sie daraus ein öffentliches Naturbad, das besondere Aufsichtspflichten auslöst.

Ideal lässt sich das anhand der Lage an der Badeanstalt Friedensteich in Wittenberge erläutern, die seit 1995 an die Freizeitpark Wittenberge GmbH verpachtet ist. Blockhütten für Übernachtungen, Strandplätze für Volley- und Fußball, Minigolf, Stege für die Badenden und Kanufahrer, Bistro und sanitäre Anlagen sind nur ein paar der Ausstattungsdetails dieser idyllisch unter Bäumen liegenden Anlage. Die steht zumindest zu den Öffnungszeiten unter Aufsicht, zeitweise sogar rund um die Uhr - wenn dort Gäste übernachten.

Die Freizeitpark Wittenberge GmbH verfügt über 15 Schwimmmeister und 20 Rettungsschwimmer, die sämtliche Badeanstalten in der Prignitz betreiben - abgesehen von der Therme in Bad Wilsnack und dem Freibad Putlitz. Christian Maasch (28) ist Leiter der Prignitzer Badewelt und drei der Freibäder. Er kennt sich bestens mit den Richtlinien aus, die von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen herausgegeben werden und die jetzt auch Grundlage für die straf- und zivilgerichtliche Beurteilung des Unglücks in Perleberg sein werden. Zum konkreten Fall will er sich nicht äußern, da von der Freizeitpark Wittenberge GmbH Badeanstalten betrieben werden, in denen ganz andere Verhältnisse herrschen. Er stellt aber grundsätzlich klar, "dass eine zuverlässige Aufsicht das A und O ist", um Menschen vor Schäden zu schützen und Haftungsrisiken so gering wie möglich zu halten. Und er betont, dass Kommunen mit Anlagen oder gar Attraktionen - wie mit der Bade-Krake in Lenzen - Risiken schaffen, für deren Folgen sie dann auch verantwortlich gemacht werden könnten.

Bürgermeister müssen sich fragen, ob sie nur das Baden an ihren Gewässern dulden oder rechtlich womöglich schon ein Naturbad oder eine Badeanstalt unterhalten. Pritzwalks stellvertretender Bürgermeister Dr. Ronald Thiel fühlt sich durch den Perleberger Unfall "sensibilisiert". Im Sadenbecker Regenrückhaltebecken, dass zum Großteil auf dem Gebiet des Amtes Meyenburg liegt, sieht er "keine offizielle Badestelle". Gleichwohl werde sie von der Bevölkerung genutzt. Zur Sicherheit ist das Gewässer nach seinen Worten dennoch unter Beobachtung. Es werde regelmäßig in Kontrollfahrten des Ordnungsamtes einbezogen, die der allgemeinen Gefahrenabwehr dienen. In heißen Sommernächten schaue zudem auch die Polizei mal nach dem Rechten.

Nur in Breese braucht sich keiner Sorgen um die Aufsicht am Baggersee machen. Dort darf ab jetzt sowieso keiner mehr baden, weil im Wasser Fäkalkeime entdeckt worden sind - Ergebnis der vierwöchigen Proben, die vom Gesundheitsamt untersucht werden.

Für alle anderen Badegewässer in der Prignitz besteht nach Auskunft des Landkreises von gestern keine Gefahr - zumindest in Hinsicht auf die Belastung durch Keime im Wasser.

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